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"Ich wiederhole: Ein gewisser Druck war da"

Brig-Glis / Vor Jahren verabschiedete er sich aus der Politik. Jetzt nimmt er erneut Anlauf. Für die einen ist er ein Politfossil, für andere die Hoffung der CVPO. Ständeratskandidat Rolf Escher nimmt im RZ-Frontal-Interview Stellung zu Rücktritten, zum Image des Wallis und seinem Verhältnis zu den CVPO-Frauen.

Von German Escher und Waldemar Schön

In einem Monat sind Ständeratswahlen - Sind Sie nervös?

Rolf Escher: Obwohl man in den Wahlen immer angespannt und "zappligä" ist, erstaunt es mich selber, wie ruhig ich bin und wie wenig mich ärgert.

Ist das Ausdruck eines Gefühls der Überlegenheit?

R. E.: Nein, überhaupt nicht. Es liegt wohl daran, dass ich diese Kandidatur nicht gesucht habe. Deshalb habe ich auch nicht diese Verbissenheit, den Erfolg um jeden Preis zu wollen.

Aber die Ausgangslage ist schwierig: Die CSP tut sich mit der offiziellen Unterstützung ihrer Kandidatur offenbar schwer?

R. E.: Ich bin dankbar, dass der CSPO-Parteitag beschlossen hat, meine Kandidatur zu unterstützen, auch wenn das Abstimmungsresultat recht eng war. Ein Teil der CSP-Leute wird mir die Stimme geben, weil man mich kennt und mir traut. Ein Teil, weil sie sich an die Vereinbarung halten wollen, die vor acht Jahren Peter Blötzer als Ständerat nach Bern brachte. Ein letzter Teil wird mir so oder so nicht stimmen.

Ist das Ausdruck einer härteren Gangart in der Walliser Politlandschaft?

R. E.: Niemand von den KandidatInnen für den Stände- oder Nationalrat kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass er oder sie gewählt wird. Und darin hat sich die Politkultur im Wallis schon verändert. CVP und CSP versuchen auch, sich klarer zu positionieren und damit gegenseitig abzugrenzen. Hinzu kommt, dass die Ständeratskandidatur der Unterwalliser-CSP eine Listenverbindung der Nationalratslisten aller C-Parteien von Anfang an verhindert hat.

Falls Sie den Sprung in den Ständerat schaffen: Werden Sie in acht Jahren zugunsten eines CSP-Anwärters demissionieren?

R. E.: Falls ich gewählt werde, steht für mich fest, dass ich nach acht Jahren meinen Sessel räumen würde. Denn Vereinbarungen sind dazu da, um eingehalten zu werden. Ich wiederhole: Ein gewisser Druck war da!

A Propos Sessel räumen: Ihre Kritiker werfen Ihnen vor, Sie hätten sich damals offiziell aus der Politik verabschiedet - und jetzt treten Sie wieder an. Wieso dieser Rücktritt vom Rücktritt?

R. E.: Ich habe damals gesagt und geschrieben, dass ich kein Amt mehr suche und an keinem politischen Posten interessiert sei. Das war auch meine Überzeugung. Aus eigenem Antrieb wäre ich auch nicht in diesen Wahlkampf gestiegen. Weil die Personaldecke der CVPO anscheinend recht dünn war, wurde ich von den verschiedensten Seiten aus dem Ober- und dem Unterwallis aufgefordert, mich für eine Ständeratskandidatur zur Verfügung zu stellen. Diese Leute sind der Ansicht, dass die CVPO mit mir eine gute Chance hat, den Oberwalliser-Ständeratssitz zu halten.

Kommt hinzu, dass ein Ständerat als FO-Bahndirektor auch nicht schädlich ist?

R. E.: Der Verwaltungsrat der FO ist der Meinung, dass es für den öffentlichen Verkehr und damit auch für die FO sicher kein Nachteil wäre, wenn ich ein Mandat im Bundeshaus wahrnehmen würde.

Wie geht das überhaupt, FO-Direktor und halbamtlicher Ständerat?

R. E.: Der FO-Verwaltungsrat hat beschlossen, mir bei einer allfälligen Wahl einen Direktionsassistenten zur Verfügung zu stellen. Selbstverständlich wird mir die FO in diesem Fall nicht mehr den vollen Direktorenlohn entrichten. Sie können sicher sein, dass die FO finanziell nicht zu Schaden kommt und die Unternehmungsführung nicht beeinträchtigt wird.

Rolf Escher als Garant für den CVPO-Ständeratssitz: Das kann doch nicht Ihre einzige Motivation sein?

R. E.: Ich wiederhole: Ein gewisser Druck war da und ich habe ja gesagt. Auf der anderen Seite bin ich überzeugt, dass ich für das Wallis und den öffentlichen Verkehr etwas erreichen kann. Übrigens ist es doch bei jeder Tätigkeit so, ob Politiker oder Journalist: Wenn das innere Feuer fehlt, eine Aufgabe anzugehen, soll man es besser sein lassen. Und ich habe diese Lust, Verantwortung zu übernehmen und zu tragen. So bin ich und so kennt man mich auch.

Reden wir über inhaltliche Fragen: Für welches Anliegen würden Sie als Ständerat am heftigsten eintreten?

R. E.: Sorge macht mir das Ansehen unseres Kantons Wallis in der Eidgenossenschaft. Gerade in der Deutschschweiz hat der Ruf des Wallis gelitten und bei jeder Gelegenheit heisst es dann gleich: "Immer diese Walliser!". Die Wiederherstellung des Vertrauens in die Verlässlichkeit des Kantons Wallis und seiner Bevölkerung betrachte ich als übergeordnete Aufgabe. Im Rahmen der Bewältigung der Unwetterkatastrophe in Brig ist es uns Wallisern durch verlässliche und überzeugende Arbeit gelungen, der übrigen Schweiz das positive Bild des Wallis und seiner Bewohner zu zeigen. Gerade dies hat viel dazu beigetragen, die Sympathie und Solidarität für das Wallis in der Schweiz herbeizuführen. Und diese Arbeit möchte ich im Ständerat fortführen.

Mit anderen Worten wollen Sie die Skandale ausbessern, die zu grossen Teilen Ihrer Partei zugeordnet werden?

R. E.: Zugegeben, wir haben das Problem Leukerbad und dieses Problem tut unserer Partei weh. Aber was will man denn meiner Partei, der CVPO, sonst noch alles unterschieben? Für die Probleme in WEG und Kantonalbank können sie nun wirklich nicht meine Partei verantwortlich machen! Mich persönlich kann niemand mit irgendwelcher Beteiligung an irgendwelchen Skandalen in Verbindung bringen, und es hat mir auch noch niemand schuldhaftes Verwalten vorgeworfen. Das Gegenteil ist der Fall und deshalb bin ich der Überzeugung, dass ich zur Verbesserung unseres Ansehens in der Schweiz manches beitragen kann.

Und was sind weitere Punkte, für die Sie in Bern einstehen würden?

R. E.: Das Wallis ist als Randgebiet auf bessere Verbindungen auf Schiene und Strasse angewiesen. Meiner Meinung nach wird der öffentliche Verkehr in Zukunft eine stärkere Bedeutung erlangen. Das setzt aber die Unterstützung des Bundes voraus, um den Service Public in unserer Region zu garantieren, bei den Bahnen, dem Postauto, der Post, der Energieversorgung etc. Mit den Problemen des öffentlichen Verkehrs und des Tourismus, aber auch mit Energiefragen setze ich mich tagtäglich auseinander. Und da sehe ich meine Aufgabe. Mit unserer Wasserkraft stehen wir zwar im Moment mit der Marktöffnung unter Druck. Aber ich bin überzeugt, dass eine erneuerbare Energie wie die Wasserkraft in rund zehn Jahren die ihr zukommende Bedeutung wieder erlangen wird. Aber alleine geht das nicht. Da müssen in erster Linie die Alpenkantone zusammenspannen.

Warum sollten die Wähler Sie und nicht Esther Waeber oder Cäsar Jäger wählen?

R. E.: Gewählt wird diejenige Person, der am meisten zugetraut wird. Daran kann man nichts ändern und den Parteiparolen gehorcht sowieso nur ein kleiner Teil. Bei mir muss sich die Wählerschaft die Frage stellen, ob ich ehrlich und verlässlich die grösste Oberwalliser Gemeinde geführt habe, ob ich den Mut hatte, auch Meinungen zu vertreten, die wenig populär waren und ob ich fähig bin, eine gewichtige Bahnunternehmung zu führen. Diese Fragen werden sich die WählerInnen stellen und dann für sich entscheiden, ob sie mir stimmen oder nicht.

Sie haben sich in der CVP-internen Ausmarchung gegen die Parteipräsidentin durchgesetzt. Ihre Hauptkonkurrentin ist wiederum eine Frau: Wie stehen Sie zum Vorwurf, ein Ladykiller zu sein?

R. E.: Ich stehe dazu etwa gleich wie Peter Bodenmann oder Thomas Burgener (lacht)...

. ..was da heisst...

R. E.: ...dass man in eine Wahl geht, gegen wen auch immer, und die Leute entscheiden über Wahl oder Nichtwahl.

Aber Frauen gehören zu ihren schärfsten Kritikern - auch parteiintern: Die Natischer Präsidentin hat ihren Politstil ja heftig kritisiert?

R. E.: Es gibt auch sehr viele Frauen, die mich zu dieser Kandidatur ermutigt und unterstützt haben. Edith Nanzer ist für mich eine der besten Frauen in unserer Partei. Ich hätte es begrüsst, wenn sie sich in der Ausmarchung um die CVPO-Ständeratskandidatur gestellt hätte. Hätte sie diese gewonnen, würde ich mich heute für ihre Wahl einsetzen. Aber irgendwann muss der Entscheid fallen, wer das Rennen macht. Sonst brauchen wir weder Parteien, noch KandidatenInnen, noch Wahlen.

Die CVP versucht nach aussen den Neuaufbruch zu dokumentieren und setzt dann trotzdem auf ein "altes CVP-Schlachtross". Wie leben Sie damit?

R. E.: Ich lebe sehr gut damit, ein altes Schlachtross zu sein. Denn als vor wenigen Jahren die seit Menschengedenken grösste Katastrophe in der Schweiz über meine Heimatstadt hereinbrach, hat sich auch niemand Sorgen um mein Alter gemacht. Diese physischen und psychischen Belastungen wiegen ungleich schwerer als ein Ständeratsmandat. Übrigens sind auf den CVPO-Nationalratslisten nur KandidatInnen im jugendlichen und "besten" Alter. Ist das nicht eine gute Mischung?

Zurück zur Wahl: Nehmen wir an, Sie liegen nach dem ersten Wahlgang hinter der SP-Kandidatin: Werden Sie nochmals antreten?

R. E.: Das müssen Partei und Kandidat gemeinsam entscheiden. Wichtiger als jede persönliche Ambition ist das Ziel, dem Oberwallis den Ständeratssitz zu sichern. Jeder Kandidat und jede Kandidatin muss dann mit der Partei entscheiden, wie dieses Ziel nach dem ersten Wahlgang am ehesten zu erreichen ist. Übrigens, im ersten Wahlgang wird im Wallis noch kein Ständerat gewählt sein.

Was halten Sie von der Anregung der CVPO-Fraktionschefs, das Wallis in zwei Halbkantone aufzuteilen. Dann hätte das Oberwallis wenigstens den Ständeratssitz auf sicher?

R. E.: Es steht ja auch zur Diskussion, dass ein Grosskanton "Leman" geschaffen würde. Aber das Wallis wäre nur der Wurmfortsatz dieses Kantons und das Oberwallis gar nur dessen kleinster Teil. Dieser Kanton würde durch Städte geprägt und das Wallis wäre dort fehl am Platz. Da müsste man schon eher überlegen, sich mit der Zentralschweiz zu einem grossen Alpenkanton zusammen zu schliessen, weil nur dort für ähnliche Gebirgsregionen gemeinsame Interessen bestehen. Zum Halbkanton Oberwallis: Das wäre für mich nur diskutabel, wenn sich Ober- und Unterwallis gegenseitig nicht mehr respektieren und trauen würden. Ohne gegenseitigen Respekt ist ein Zusammenleben auf Dauer nicht gegeben. Soweit ist es aber heute noch nicht, und ohne Not sollten wir nicht mit solchen Abspaltungen liebäugeln. Übrigens, eine wirklich intelligente Mehrheit gibt der Minderheit mehr als ihr prozentual zukäme.

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