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Am
24. Oktober sind Wahlen:
Amtierende
OW Nationalräte müssen zittern

Oberwallis
/ Noch nie waren die Wahlen so spannend. Die RZ blickt voraus und wagt
Prognosen. Eine Sitzverschiebung scheint eher unwahrscheinlich. Aber Amtierende
müssen zittern.
Von
German Escher
72
Kandidatinnen und Kandidaten auf 15 Listen wollen in den Nationalrat nach
Bern. Aber nicht die Anzahl der Bewerber, sondern die veränderte Parteienlandschaft
erschweren die Prognosen. Drei Faktoren sind kaum einschätzbar.
Erstens:
Mit der SVP tritt eine neue Partei aufs Walliser Politparkett, die national
wohl zu den Wahlsiegern gehören wird. Wie stark ist dieser Einfluss und
welchen Parteien wird die SVP Wähler wegnehmen?
Zweitens:
Erstmals treten die C-Parteien nicht als einheitlicher Block auf. Die
CSPO muss auf die Stimmen der neugegründeten CSP Unterwallis (PACS) hoffen.
Die PACS-Stimmen dürften vor allem der CVP Unterwallis weggehen, die diesmal
auch nicht auf eine Listenverbindung der Jung CVPU zählen kann. Das waren
1995 immerhin 21`000 Parteistimmen. Geht man davon aus, dass es ähnlich
wie vor 4 Jahren an die 80`000 Stimmen für einen Sitz benötigt, dürfte
es für die CVPU (1995: 156`612 Parteistimmen) hart werden, beide Sitze
zu halten.
Drittens:
Seit dem Einzug der SP in den Walliser Staatsrat ist die Parteienlandschaft
im Umbruch. Ob die SP erneut ein derart fulminantes Resultat wie bei der
Wahl von Peter Bodenmann und später von Thomas Burgener wird erreichen
können, ist ungewiss. Zumindest bei den Nationalratswahlen wird die Koalition
SP-FDP kaum mehr derart spielen.
CVPO:"Knochenarbeit"
Vor vier Jahren hat die CVPO 103`766 Parteistimmen erzielt und damit ihren
Sitz locker erreicht. Auch Parteipräsidentin Brigitte Hauser spricht von
einem "gewissen Polster", fügt aber gleich hinzu: "Die Ausgangslage ist
nicht mehr dieselbe. Wir müssen hart arbeiten, um dieses Resultat zu halten.
Und das bedeutet für alle Parteimitglieder Knochenarbeit." Die oft gehörte
Vermutung, die SVP werde vor allem der CVP schaden, teilt Hauser nur bedingt.
Es gebe ein gewisses Wählerpotential, denen der Protest wichtiger ist
als das Programm. Konkret: Hauser glaubt, dass auch SP-Stimmen an die
SVP abwandern werden.
Nebst
der Konkurrenz von rechts und dem Dauerbeschuss der SP wird die CVP vor
allem unter den parteiinternen Querelen leiden. Ein Beispiel: Die CVP
Naters wollte - offenbar aus Ärger im Vorfeld der Nominierung des Ständeratskandidaten
- keinen Kandidat oder keine Kandidatin aufstellen. Damit fehlt der CVPO
in der zweitgrössten Oberwalliser Gemeinde die Mobilisierung. Ob sich
die CVP Naters damit nicht längerfristig ins eigene Fleisch schneidet,
wird die Zukunft zeigen. Was gemeindeinterne Querelen für Folgen haben
könnten, dürfte die CVPO-Nationalrätin Ruth Kalbermatten zu spüren bekommen.
Wachsende Kritik an ihrer Amtsführung als Präsidentin und das Negativimage
der Staatsratswahlen haften an ihren Sohlen. Ihre Amtszeit in Bern ist
arg kurz, um den Bonus der Amtierenden voll ausspielen zu können. Schärfster
Konkurrent ist der Feer Gemeindepräsident Claude Bumann. Da aber beide
aus dem gleichen Bezirk stammen, könnte Jean-Michel Cina für ein Kopf-an-Kopf-Rennen
sorgen.
CSPO:Frauen
und PACS
Der CSPO fehlten vor vier Jahren rund 10`000 Parteistimmen, um den Sitz
selbst zu holen. Diese Stimmen brachten 1995 die CVP Wallis. Doch dieser
Block ist in der Zwischenzeit auseinandergebrochen. Die CSPO setzt deshalb
auf die neue Schwesterpartei im Welschwallis. Präsident Paul Inderkummen:
"Wir hoffen diese Differenz mit der PACS wett zu machen." Wieviele gelbe
Stimmen aus dem Unterwallis kommen, ist auch für Inderkummen schwer abzuschätzen.
Schätzungen sprechen von 10`000 bis 30`000 Parteistimmen. Hinzu kommen
die Stimmen der CSPO-Frauenliste, die zugleich aber auch die eigentliche
Männerliste schwächen wird. Die RZ-Einschätzung: Unterm Strich wirds der
CSPO wohl reichen, allerdings muss Odilo Schmid mit scharfen Gegenwind
rechnen. Vor vier Jahren hat sich der Briger CSP-Mann nur mit einem Vorsprung
von 158 Stimmen auf Rose-Marie Bumann und 169 Stimmen auf Paul Inderkummen
durchgesetzt. Letzterer steigt auch diesmal ins Rennen. Ein Spitzenergebnis
wird zudem Peter Margelist und Franz Michlig zugetraut. Für Odilo Schmid
spricht sein Leistungsausweis in Bern, der weit über die Parteigrenzen
hinweg Anerkennung findet. Sein Handicap: Die CSP hat in der Region Brig-Naters
an Einfluss verloren. Zudem ist für stille Schaffer Wahltag leider nicht
immer auch Zahltag.
SP:
"Zweiter Sitz"
Dank Peter Bodenmann holte die SP den Nationalratssitz ins Oberwallis.
Doch jetzt muss die SPO ohne ihre einstige Galionsfigur den Sitz verteidigen.
"Wenn wir nur einen Sitz holen, geht dieser ins Unterwallis", sagt SPO-Präsidentin
Emmy Fux. "Das wäre für das Oberwallis nicht gut. Deshalb kämpfen wir
für den zweiten Sitz." Allerdings muss auch sie einräumen, dass man von
diesem Ziel noch "ein gutes Stück entfernt ist." Die Listenverbindung
mit der Parti écologiste valaisan (PEV) allein reicht dazu wohl nicht.
Stellt sich die Frage, ob die zu erwartenden Einbussen im C-Block grösstenteils
dem linken Lager zu Gute kommen oder ob davon SVP oder FDP profitieren
werden.
Selbst
wenn die SPO ihren Sitz halten kann, muss der SP-Nationalrat Peter Jossen
um sein Mandat bangen. Er ist als lediglich Vierter auf der SP-Liste vor
kurzen für Thomas Burgener nachgerutscht. Der Bonus des Amtierenden wird
deshalb kaum viel wert sein. Kommt hinzu, dass mit Beat Jost, Grossrat
aus Naters, und Helena Mooser, Gemeinderätin in Visp, zwei zwar sehr unterschiedliche,
aber profilierte Mitbewerber auf der Liste sind.
FDPO:
leichte Gewinne
Die FDPO hatte vor vier Jahren einen Stimmenanteil von 5,04 Prozent. "In
diesem Jahr möchten wir unseren Wähleranteil auf 8 bis 10 Prozent steigern",
erklärt FDPO-Präsident Ambros Bumann der RZ. Seine Zuversicht begründet
er mit der erstarkten FDP-Präsenz in der grössten Oberwalliser Gemeinde
Brig-Glis, der Gründung einer FDP-Ortspartei in Naters mit Ambros Ritz
als Kandidaten und dem guten Abschneiden bei den letzten Grossratswahlen.
Aber letztlich wird die FDPO einmal mehr nur den Unterwalliser Radikalen
helfen. Und die werden die Hilfe auch brauchen können. Im Unterschied
zu 1995 haben die Liberalen diesmal auf eine Listenverbindung mit der
FDP Wallis verzichtet. Unterm Strich wird die FDP ihre beiden Mandate
halten können.
SVP-Ziel:
7 Prozent
Am schwierigsten einzuschätzen ist die SVP. Erst drei Monate nach der
Parteigründen stellt sich die Rechtsaussenpartei den nationalen Wahlen
- und dies ohne wirklich bekannte Köpfe. Vor diesem Hintergrund ist das
von Peter Tscherrig, Vizepräsident der SVP Wallis und Nationalratskandidat,
gesetzte Ziel von sieben Prozent arg hoch gesteckt. "Wir haben zwar das
kleinste Budget, werden aber von der CVP bis ins SP-Lager hinein Stimmen
holen", glaubt Tscherrig. Er hofft dabei vor allem von den CVP-internen
Querelen in den grossen Gemeinden profitieren und in Ortschaften mit hohem
Asylantenanteil (beispielsweise Turtmann) Wähler gewinnen zu können. Die
unterschwellig weitverbreitete Unzufriedenheit mit der Flüchtlingspolitik,
CVP-Verdrossenheit und das allgemeine Siegerimage der SVP Schweiz werden
der neuen Kantonalpartei helfen. Gleichzeitig macht Tscherrig klar: "Wir
gehören weder zum Zürcher noch zum Berner SVP-Flügel. Wir werden einen
Walliser Flügel aufbauen - Nein zu Europa, aber ohne umstrittene Zürcher
SVP-Plakate."
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