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Bern Kniel über Glas und Scherben

"Es stipft mich einfach..."

Naters / Ein bisschen suchen muss man ihn schon. Aber sein neues Atelier im Klosiquartier in Naters ist eine glückliche Fügung. Gross, geräumig, lichtdurchflutet. Das fördert die Experimentierfreude. Der Glaskünstler Bernd Kniel hat sie schon öfters unter Beweis gestellt.

Von Susanne Perren

"Das hier ist die Relax-Zone 1". Aha. Ein grosses Fenster mit Blick auf den Kelchbach. In dem ehemaligen Backhaus türmen sich kantige Glasstücke, durchsichtig, farbig, kullerige Glasperlen, Töpfe, Lappen, Kirchenfenster, Folien, bunte Salzkristalle, Entwürfe. Hier eine Wand mit Glasfolien. Da ein Regal mit allerhand Wässerchen. Nur zwei Stühle lassen sich nicht auf Anhieb ausmachen. "Das hier ist eine Werkstatt", schimpft er denn auch, so wie der Bernd Kniel halt spassend schimpft, "eine Werkstatt und keis Büro!". Zumindest ist die Sache mit der Relaxzone geklärt. Wir sind in der Kunstglaserei und nicht in einem neuen Wellnesscenter.

Mit Material komponieren
Allerhand tue so ein Glaskünstler. Er kommt in Fahrt, greift sich an den Kopf, wirft die Beine übereinander. Phänomenale Glasbilder, verspielte Früchteschalen, Fensterhänger, peppige Sachen halt. Ein weites Experimentierfeld. Bernd Kniel arbeitet direkt mit dem Material, ohne Entwürfe. "Spontan schaffe" nennt er das. Mit den Händen und dem Kopf, weil ohnehin immer alles in Bewegung ist. Traditionelle Sachen wie die Renovation der Antoniuskapelle gehören auch dazu. Spannender ist der eigene Prozess. "Es stipft mich einfach". Nächtelang etwas studieren und dann plötzlich explodieren. Ein Stoiker spurtet los. In Zukunft wahrscheinlich vermehrt in Richtung Plastiken. Bernd Kniel tüftelt an Objekten, wie beispielsweise die milchglasigen Tragtaschen, die er an der Ausstellung "Glas in Brig" diesen Sommer zeigte. Die Ausstellung war ein Höhepunkt. Immerhin hat der Glaskünstler zwei Jahre organisiert, bis sie zustande kam. "Schweissgebadet". Schliesslich leben Glaskünstler mit einer gewissen Bruchangst. "Wir müssen schwer schlep- pen, ausleuchten und hoffen, dass nichts kaputt geht", stöhnt er, als hätten es die Kunstmaler mit ihren Bildern einfacher...

Ein Deutscher im Wallis?
In "Ermangelung der Alternativen" hat sein Schicksal zweimal sein Leben beeinflusst. Einmal, als er in Bad Neuenahr (D), seinem Heimatort, ausser einer Schule für Glasgestaltung nichts "für Künstler" hatte. Und einmal, als nach Schulabschluss ein Angebot aus Naters auf den Tisch flog. In die Schweiz? Total exotisch. Naters allerdings hat er auf der Karte "verzweifelt gesucht". Der Einstieg war wenig prickelnd, zu traditionell das Handwerk. "Nichts als Wappenscheiben!"

Künstler und Koch
Dennoch keine Lust auf eine Heimkehr, ersann sich Bernd Kniel eine Chance, ein eigenes Glaskunst-Business im Wallis aufzubauen. Heute ist er nicht nur etablierter Glaskünstler, sondern auch ein begabter Museumsgestalter und ein begnadeter Koch. Lustvoll austüfteln, eben. Schon schwelgt er in der Küche. "Oh, dann denke ich, nix Grosses. So ein Schweinsbraten vielleicht. Äch. Aber was dazu wäre noch fein. Ein paar Pilzchen vorweg, ein Süppchen. Ein Dessert müsste natürlich sein, eine Herbstkreation — und Käse natürlich, unbedingt..äh, wie lautete doch gleich die Frage?" Bernd Kniel zur einfachen Tafelrunde. Und die Sache mit den Scherben und dem Glück? Von wegen. Scherben kann man einschmelzen. Ein Zweckoptimist sieht glasklar.

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