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Diskussion
zum Schutzgebiet Aletsch spitzt sich zu
Geduld
des BUWAL bald am Ende

Naters
/ Soll die Gemeinde Naters in den nächsten 40 Jahren auf die Nutzung
der Wasserkraft des Oberaletsch verzichten und dafür pro Jahr 324'000
Franken kassieren? Diese Frage stellt sich der Natischer Urversammlung
am 3. November. Doch das ist nicht die einzige Frage.
Von
Waldemar Schön
BLN-Gebiet,
Schutzklausel, Wasserzinsabgeltung, Bahnverbindung, UNESCO-Welterbe: Das
Durcheinander könnte grösser nicht sein, das im Moment in den Köpfen von
Gemeinde, Tourismus und Bevölkerung der Aletschregion herrscht. Kann später
das Gebiet um den Aletschgletscher noch landwirtschaftlich und touristisch
genutzt werden? Sind weitere Wanderwegerschliessungen noch möglich? Wie
steht es mit Bahnprojekten? Welche Ziele verfolgen die verschiedenen Institutionen?
Im Grund geht es bei all diesen Fragen um zwei verschiedene Angelegenheiten.
Erstens:
Geld
Um das bereits bestehende BLN-Schutzgebiet Aletsch/Bietschhorn auf Dauer
zu schützen, verzichten die Gemeinden Naters, Bitsch und Ried-Mörel auf
einen möglichen Ausbau der Wasserkraft des Oberaletsch. Weil die Ansprüche
auf Wasserzinsen von Bitsch und Ried-Mörel zu gering sind, hat einzig
Naters die Möglichkeit, "während den nächsten 40 Jahren rund 13 Millionen
Franken (324'000 Franken pro Jahr) als Ersatz für entgangene Wasserzinsen
zu erhalten", wie Präsidentin Edith Nanzer erklärt. Im Gegenzug muss aber
laut Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) darauf verzichtet
werden, eine Bahnverbindung von der Riederalp auf die Belalp zu bauen.
Wer diese Abgeltung beantragt, ist laut eines BUWAL-Schreibens vom 15.
Juli 1998 verpflichtet, "sämtliche Eingriffe zu verbieten, die den Wert
der Landschaft beeinträchtigen könnten". Denn die Bahnverbindung würde
durch oder über bereits bestehendes BLN-Gebiet führen. Ob die Natischer
auf die Wasserkraftnutzung und damit auch auf die Bahnverbindung verzichten
und das Geld wollen, soll am 3. November an der Urversammlung entschieden
werden.
Zweitens:
UNESCO
Das BLN-Gebiet Aletsch/Bietschhorn/Jungfrau soll als erstes Alpengebiet
ins UNESCO-Welterbe für Naturgüter aufgenommen werden. Dazu müssen der
Kanton Bern und der Kanton Wallis dem BUWAL ihre Meinung abgeben, damit
dieses in Paris das Gebiet zur Aufnahme anmelden kann. Bern hat dies bereits
vor einem Jahr erledigt. Das Wallis tut sich hier schwer und macht nicht
vorwärts. Laudo Albrecht, Leiter des Pro Natura Zentrums auf der Riederalp:
"Ich habe den Kanton aufgefordert, als verantwortliche Stelle eine klare
Führung in dieser Angelegenheit zu übernehmen und die Information breit
zu streuen. Aber hier ist wenig geschehen, obwohl ich unsere Mithilfe
angeboten habe." Tatsache ist, dass die Urversammlung in Naters nicht
direkten Einfluss auf das UNESO-Label hat. Laudo Albrecht: "Der Kanton
könnte das Gebiet dem BUWAL so oder so zur Aufnahme als Welterbe empfehlen."
Jetzt
oder nie
Das lasche Vorgehen beim Staat Wallis stösst auch beim BUWAL in Bern auf
wenig Gegenliebe. "Unsere Geduld ist langsam am Ende. Hätte ich nicht
vernommen, dass Naters jetzt eine Urversammlung hat, hätte der Kanton
vom BUWAL ein Schreiben erhalten", erklärt Meinrad Küttel vom BUWAL. Darin
hätte er den Kanton gebeten, zum Thema UNESCO endlich Stellung zu beziehen.
"Der Kanton Wallis muss jetzt handeln, sonst werden wir das Dossier 'UNESCO-Welterbe
Aletsch/Jungfrau' schliessen", so Küttel. Die Zeit drängt also, wenn man
dem BUWAL Glauben schenken will. Denn mit dem Berninamassiv gibt es eine
Alternative zu Aletsch/Jungfrau. "Und die Italiener haben Gran Paradiso
bereits bei der UNESCO angemeldet. Da zeichnet sich eine Konkurrenzsituation
im Alpenraum ab. Aber ich weiss, dass in Paris die Karten für Aletsch/Jungfrau
noch gut stehen", so Küttel weiter. Besser zumindest als für Gran Paradiso,
ist von anderer Seite zu erfahren.
Bahn
nicht möglich
Für die Diskussionen im Wallis hat Küttel wenig Verständnis. "Das Ansinnen,
eine Bahn über ein BLN-Gebiet zu bauen, kann man zwar beantrage und wir
würden das prüfen. Aber laut geltender Gesetzgebung und der derzeitigen
Konzessionspolitik ist eine Bahn nicht möglich", erklärt Meinrad Küttel.
Man könne nicht Geld erhalten, ins UNESCO-Welterbe aufgenommen werden
und dann noch eine Bahn bauen. Das Verdikt aus Bern ist klar: Dr Füfer,
ds Weggli und ds Bäckersch Tochter gits nit! Laudo Albrecht: "In den nächsten
20 Jahren wird die Bahn kein Thema sein. Aber man kann ja auch, ausserhalb
des BLN-Gebietes nach neuen Lösungen suchen, so auf der Westseite des
Riederhorns. Wenn man schon von einem Tunnel Riederalp/Gebidumsee spricht,
könnte dieser genau so gut auf diese Westseite führen und von dort könnte
der Start der Bahn Richtung Belalp sein - ausserhalb vom BLN-Gebiet."
Grenzverschiebung?
Und wie steht es mit der Idee, neu über die BLN-Grenzziehung zu verhandeln?
Das ist für das BUWAL kein Thema. Denn die Grenzen wurden gerade im letzten
Jahr bestätigt. Heikel ist das Thema auch für Laudo Albrecht: "Wenn man
anfängt, über die Grenzziehung zu diskutieren, kann man das tun. Aber
die Folge wird sein, dass auch Fieschertal und andere Gemeinden neu verhandeln
wollen. Und wenn dann allerorts gebastelt wird, ist der Schutz des Gebietes
nicht mehr gewährleistet. Da werden sich BUWAL und wohl auch Pro Natura
wehren."
Kommission
prüft
Und was ist mit der Landwirtschaft und Wanderwegen? Forst- und Landwirtschaftliche
Nutzung im bisherigen Rahmen sind auch weiterhin möglich. "Die bestehende
Alpnutzung macht ja auch den Reiz dieser Kulturlandschaft aus", so Laudo
Albrecht. Kein Problem werden auch Wanderer und Alpinisten haben. Diesen
wird das Gebiet auch weiterhin zu Verfügung stehen. Bauliche Projekte
wie Hütten oder eben auch neue Wanderwege werden schon heute von einer
Kommission in Bern geprüft. "Denn ob mit oder ohne UNESCO-Label, das nationale
Recht wird nach wie vor Bestand haben", so Laudo Albrecht. Pläne, eine
Hängebrücke zwischen Gebidum-see und Gletscherzunge zu bauen, müssten
also durch diese Kommission geprüft werden. Klar ist für Laudo Albrecht
eines: "Für den Sommertourismus wäre das UNESCO-Welterbe eine grosse Chance.
Denn Untersuchungen in anderen Gebieten zeigen: Es kommen mehr Gäste wegen
dem Schutzlabel. Und wir sollten die Chance, mit Grand Canyon, Everglades,
Yosemite und anderen UNESCO-Gebieten in einem Atemzug genannt zu werden,
nicht leichtsinnig vergeben."
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