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Budget und Finanzplanung der grossen Talgemeinden im RZ-Vergleich

Sparpflicht in Naters und Visp, keine Euphorie in Brig

Brig / Naters / Visp / Die Steuereinnahmen sinken, die Aufgaben neh-men zu und der Spardruck auf die Gemeinden wächst. Ganz besonders gilt das für Visp und neuerdings auch für Naters, auf deren Konti sich trotz Sparbemü-hun-gen bis 2003 happige Schul-denberge türmen. Im Vergleich dazu steht die Stadtgemeinde schon fast als Musterknabe da.

Von German Escher

Der letzte RZ-Finanzver-gleich der grossen Talgemeinden (aufgrund der Verwaltungsrechnungen 1997 und 1998) vom vergangenen Juni stiess auf gros-ses Interesse. Grund genug, die Budgetzahlen für das nächste Jahr sowie die Finanzplanung bis 2003 genauer unter die Lupe zu nehmen. Vorbehalte gelten allerdings auch hier: Infrastruktur und Genauigkeit der Finanzprognosen variie-ren von Gemeinde zu Gemeinde.

Naters: Alarmstufe rot
Grobanalyse: Der Ertrag der laufenden Rechnung schmilzt. Der Grund: Der Aufwand von heute rund 10,6 Millionen Franken (Rechnung 98) steigt im nächsten Jahr auf 12,3 Millionen und bis Ende 2003 gar auf 13,5 Millionen Franken! Auf der andern Seite wird das neue Steuergesetz in Naters zu Mindereinnahmen von über einer Million Franken führen. Im Gegensatz zu andern Gemeinde, die trotz Steuereinbussen mit höheren Einnahmen rechnen, wird Naters künftig mit weniger Geld auskommen müssen. Das juristische Geplänkel um die Anhebung der Wasserzinsen erschwert zudem die Einnahmeprognosen. Unsicherheitsfaktor Nummer 1 bleiben die Schutz-massnahmen gegen ein Hochwasser - auch finanziell: Das geplante Becken und der Umleitungsstollen kosten rund 25 Millionen Franken, die zwar gröss-tenteils subventioniert, aber aufgrund des derzeitigen Standes der Diskussion von der Gemeinde vorfinanziert werden müssten. Die Folge: Die Schulden würden auf über 50 Millionen Franken ansteigen.
Einschätzung: Der skizzierte Natischer Schuldenberg ist ein theoretischer Wert, um letztlich auch die Kantons- und Bundesbehörde unter Druck zu setzen. Allerdings: Das Problem des Negativ-Cash-Flows bleibt. Die Natischer müssen ihre laufende Rechnung nach Sparpotential durchforsten!

Visp: Sparbremse!
Grobanalyse: Der Visper Gemeinderat hat den Ernst der Situation erkannt und ist in der Finanzplanung voll auf die Sparbremse gestanden. Beispiele: Die an der letzten Urversammlung bewilligte Hubelstrasse (2,8 Mio.) sowie die Sanierung des Schwimmbades werden zurückgestellt. Das geplante Bürgerbüro ist gestrichen. Der bauliche Unterhalt der gemeindeeigenen Infrastruktur wird um 20 Prozent gekürzt. Die Beiträge zur Wohnbausanierung sind auf Eis gelegt. A Propos Eis: Für die Sanierung der Litternahalle ist als erste Tranche 1 Million Franken budgetiert. Entsprechende Studien sind im Gang. Im Frühling wird das Visper Stimmvolk den Kredit zu genehmigen haben. Trotz erklärtem Sparwillen liebäugelt die Präsidentin aber nach wie vor mit einem Hallenneubau. Laut Finanzplan stehen aber ab 2001 jährlich nur noch 3,5 Millionen zur Verfügung. Was damit realisiert werden soll, bleibt offen.
Einschätzung: Gar optimistisch erscheinen die prognostizierten Steuereinkünfte. Trotz Mindereinnahmen von 900`000 Franken (neues Steuergesetz) rechnen die Visper mit einer Zunahme von rund zwei Millionen auf 23,3 Millionen im Jahr 2003. Weiterer Unsicherheitsfaktor: Die Visper müssen bis Ende 2000 eine Umschuldung von 25 Millionen Franken vornehmen.

Brig: Vorsicht bleibt
Grobanalyse: Der vor vier Jahren eingeschlagene Spar-kurs zeigt Wirkung. Die Schulden sind um 17 Millionen gesunken. Trotzdem besteht laut Finanzchef Louis Ursprung kein Grund zur Euphorie. Der Aufwand der laufenden Rechnungen steigt stetig an. Zudem wird die Steuerrevision für Brig Mindereinnahmen von 1,3 Millionen zur Folge haben.
Einschätzung: Das Simp-lonstädtchen wird auch künftig pro Jahr an die 9 Millionen investieren und gleichzeitig die Schulden schrittweise abbauen. Die Stossrichtung des Stadtrates: Vernünftig sparen und gezielt investieren, um so die Voraussetzungen zu schaffen, damit Brig seine Zentrumsfunktion sichern und ausbauen kann. Allerdings: Im härter werdenden Standortstreit bräuchte die Stadtgemeinde nebst einer gefüllten Kriegskasse" eine noch bessere Infra-struk-tur (z.B. Parking Bahnhof) und ein rascheres Re-ak-tionsvermögen, um bei Standortfragen und Wirt-schaftsförderung gezielter intervenieren zu können.

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