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Testphase
beim Schäfer Josef Schmidhalter in Ried-Brig
Ein
Langohr gegen den Wolf

Ried-Brig / Die Wut im Oberwallis über den Wolf hat sich gelegt, derweil
Isegrim im Unterwallis weiter zuschlägt und Schafe reisst. Im Brigerberg
ist man gewappnet: Ein Esel soll den Wolf in die Flucht schlagen.
Von
Waldemar Schön
Elf
Schafe hat Schäfer Josef Schmidhalter von Ried-Brig im November 1998 durch
den Wolf verloren. Und die erste Antwort auf meine Anfrage war: "Schön?
Das isch appa es Grüezi, und da passend mer de nit grad alli!" Und nach
Klärung meiner Walliser Herkunft: "Die Wut war damals gross, aber ich
hab kein grosses Theater veranstaltet. Schreien und toben bringt nichts,
denn wenn die wollen, bringen die den Wolf sowieso wieder her." Mit ‘die’
sind wohl Tierschützer und die Leute vom BUWAL gemeint, ob dies nun zutrifft
oder nicht. Tatsache ist, "dass der Schaden mit Hilfe des Verbandes prompt
erledigt wurde", so Schmidhalter.
Ungewöhnlicher
Weg
Aber die Angst bleibt erhalten. "Im Unterwallis werden immer noch Schafe
gerissen. Ein Kollege aus Raron hat dort rund zehn Tiere verloren", erzählt
Josef Schmidhalter. Er selber schritt zur Tat und ging einen ungewöhnlichen
Weg. "Seit zwei Monaten wird ein Teil meiner Schafe durch einen Esel geschützt",
meint Schmidhalter schmunzelnd. Einen Hund habe er des Aufwands wegen
nicht anschaffen wollen und so sei er halt "auf den Esel gekommen". Der
scheine ihm zwar etwas zu brav, aber mit den Schafen vertrage sich das
Grautier sehr gut und verschaffe sich gehörigen Respekt. "Ob der Wolf
auch Respekt haben wird, bleibt abzuwarten", äussert sich der passionierte
Schäfer kritisch.
"Esel
fressen"
Bezahlt wurde das Tier vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL).
"Die kümmern sich aber kaum darum und ich habe keinen Kontakt zu diesen
Stellen", so Schmidhalter. Der Esel stammt aus der Zucht von Reinhard
Bohnet aus Breiten, der eine Marktlücke erahnt hatte und jetzt schon mehrere
Wachesel an das BUWAL verkaufen konnte. Aber eben, die Schäfer sind sehr
kritisch, ob ein Esel einen Wolf tatsächlich beeindrucken kann. Schreien
solle er und so den Wolf abwehren und die Schafe warnen, erklärt Schmidhalter.
In einem Film habe er gesehen, dass dies in Frankreich und Italien funktioniere.
"Aber meine Schafe wurden nicht einmal ansatzweise gefressen, ihnen riss
der Wolf aus Lust am Töten die Kehle auf. Und das wird wohl dem Esel ähnlich
ergehen." Fazit des bodenständigen Brigerbergers: "Wenn der Wolf wieder
kommt, werde ich ihm wohl zuerst den Esel zum Fressen geben." Sagts und
streichelt dem langohrigen Tier über den Hals.
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