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Telemark erobert die Oberwalliser Skipisten

Neuer Boom heisst Telemark

Blatten / Saas Fee / Das eine Knie tief beugen, Schwung ansetzen und einen eleganten Bogen ziehen. Im Schatten von Carving und Snowboard ist Telemark im kommen.

Von Waldemar Schön

Was so um 1860 der Norweger Sondre Norheim in der Provinz Telemarken mit seiner Entwicklung - dem Telemark - lostrat, findet heute immer mehr Anhänger. Die Jünger des Telemark mehren sich auf den Skipisten.

Anders sein!
Die Skischulen im Oberwallis mehren sich, die auch Telemarkkurse anbieten. Vorreiter dieses neuen Trends sind Zermatt, Saas Fee, Belalp und Grächen. Die Antriebsfeder scheint die selbe zu sein, die vor 15 oder 16 Jahren junge Leute auf die Snowboards trieb: Einfach anders sein als alle anderen! "In der Tat hebt man sich mit Telemark von der breiten Masse ab", erklärt Benjamin Jossen, einer der Oberwalliser Telemarklehrer von der Belalp. Nur etwas über 100 Lehrer gibt es in der ganzen Schweiz, rund ein halbes Dutzend im Oberwallis. "Aber Telemark ist im Kommen. Vor einem Jahr waren kaum Anfragen da, und jetzt gibt es schon mehr oder weniger regelmässig Kurse", so Jossen.

Super Feeling
Seit mehreren Jahren ist er Anhänger dieses Sports, der "viel mehr Freiheit gibt als Ski fahren und eine eigene Philosophie hat", wie es der seit zwei Jahren patentierte Telemarklehrer ausdrückt. Die Freiheit kommt sicher auch daher, dass man mit den Schuhen nicht fix in der Bindung steckt, sondern beweglich bleibt. Und immer schwebt ein Hauch von Nostalgie über dem Schnee, wenn ein Telemarkler unterwegs ist. "Am Anfang macht man alles nur mit Kraft. Dann wird die Technik immer besser und der Kraftverschleiss lässt nach. Aber es geht schon etwas mehr in die Beine, als das herkömmliche Skifahren", erklärt Benjamin Jossen. Und auch im Telemark werden heute stark taillierte Skier gefahren, die das Carvinggefühl auf Telemark übertragen. Mittlerweile gibt es auch Clubs, in denen man dem Telemark frönen kann. 35 Mitglieder zählt der Telemarkklub Aletsch bereits. In Saas Fee ist Telemark ebenso organisiert und in anderen Orten fängt es auch schon an.

"Besser als Snowboard"
Eines steht fest: Die Telemarkgemeinde erhält ständig neue Mitglieder. "Snowboarder und Carver sind heute schon die grosse Masse. Wenn sich jemand auf der Piste abheben will, kommt er zwangsläufig zum Telemark", erklärt Jossen. Aber auch Tourenfahrer besuchen Kurse: "Sie wollen mit leichterem Material unterwegs sein." Material, dass sich im Preis kaum von anderen Wintersportarten unterscheidet. Skier, Schuhe und Bindung kosten zwischen 1200 und 1300 Franken. Nach ein paar Kursstunden steht dem Vergnügen im Schnee nichts mehr im Weg. Und den Könner locken dann unberührte Hänge. Benjamin Jossen: "Es ist das Schönste, im Pulverschnee mit Telemarkskiern zu fahren. Man wird regelrecht aus den Kurven katapultiert. Das ist noch schöner als Snowboard!"

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