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"Im Oberwallis wird es noch 5 oder 6 grosse Bergbahnen geben"

Saas Fee / Bergbahnen sind der Motor des Walliser Tourismus. Doch in der letzten Zeit stottert dieser Motor. Die Finanzzahlen der Bahnen sinken und das Image wird durch Unfälle immer wieder angekratzt. Damian Bumann, Direktor der grössten Oberwalliser Bahnen in Saas Fee und Vizepräsident der Walliser Bergbahnen nimmt Stellung zu Finanzen, Risiken und Fusionen bei den Bergbahnen.

Von German Escher
und Waldemar Schön

Der Schnee ist geschmolzen. Zeit für Sie als Bahndirektor sich zurückzulehnen?

Damian Bumann: Schön wärs. Doch jetzt kommt der Moment, in dem man die vergangene Saison analysiert und die kommende Sommer- und auch Wintersaison plant. Eigentlich ist jetzt die anspruchsvollste Zeit für mich. Die Bergbahnen, Banken und touristische Leistungsträger machen sich Gedanken, wie man sich verbessern kann. Da steht für uns in Saas Fee die Steigerung der Familienfreundlichkeit, die Verstärkung des Marketings und anderes mehr im Vordergrund.

Sie sprachen von Analyse: Die fiel bei den Luftseilbahnen Saas Fee AG im vergangenen Geschäftsjahr in Sachen Umsatz und Gewinn nicht sehr schmeichelhaft aus. Die Zahlen sanken markant. War das ein Ausrutscher oder die Ankündigung weiteren Unheils?

D. B.: Das war keine Ankündigung weiteren Unheils. Aber es war die Gelegenheit, in verschiedenen Bereichen über die Bücher zu gehen. Und bereits seit diesem Januar konnten wir im Vergleich zum letzten Jahr 6,5 Prozent Steigerung erreichen.

Was ist schuld an dem schlechten Geschäftsergebnis?

D. B.: Wenn im gesamten Alpenraum genügend Schnee liegt, ist das für Saas Fee nicht gut. Zudem hat der Orkansturm Lothar im Dezember die Einnahmen für die Seilbahnen markant geschmälert. Und aus dem Millenniumsfieber wurde nichts und die Erwartungen wurden bei weitem nicht erfüllt.

Sie haben in den letzten Jahren Dutzende von Millionen in neue Bahnanlagen investiert. Hat man sich da nicht etwas überschätzt?

D. B.: Unser Hauptzubringer, der Alpinexpress, ist mit 70 Millionen Investitionen sicher kein billiger Spass, war aber absolut notwendig. Das selbe gilt für die neue Gondelbahn Plattjen und die Beschneiungsanlage. Obwohl wir damals sicherlich von höheren Umsätzen ausgegangen sind, als wir jetzt erzielen konnten, ist die Finanzlage der Luftseilbahnen Saas Fee AG nicht prekär. Wir haben noch immer genügend Luft zum Atmen.

Es gibt andere Bahnen, denen diese Luft leider fehlt, wie das Beispiel von Grächen zeigt. Stecken die Bergbahnen in der Krise?

D. B.: Krisen können auch als Chancen betrachtet werden. Aber es ist der Zeitpunkt erreicht, jetzt umzudenken. Ob grosse oder kleine Bergbahnen: Entscheidend ist, dass mit den Finanzen vorsichtig umgegangen wird. Und in einigen Orten war man diesbezüglich zu übermütig. Unternehmen, die ihr Bestehen und finanzielles Überleben vor allem der Politik verdanken, müssen über die Bücher. Sie müssen klar darlegen, ob sie eine Marktchance haben oder nicht. Denn Banken hin oder her: Im Endeffekt kann dem Unternehmer niemand die Verantwortung für seine Bahn abnehmen.

Folgt jetzt das grosse Bahnsterben?

D. B.: Wenn der Leidensdruck hoch genug ist, werden auch Bahnen zumachen müssen. Denn es gibt zu viele Bahnen, die zu wenig rentabel sind. Von Bahnsterben kann man aber nicht reden. Es wird eher zu vermehrter Zusammenarbeit kommen. Das Beispiel der Bahnen im Aletschgebiet zeigt, dass man sogar über Fusionen einzelner Unternehmen auf der Riederalp verhandelt und auch sonst eng zusammenarbeitet. In Montana haben sich die Unternehmen bereits zusammengeschlossen. In Zermatt würde eine engere Zusammenarbeit auch Sinn machen. Und bei uns im Saastal spricht man zwar nicht von Fusionen. Doch im Marketingbereich besteht eine enge Zusammenarbeit, die aber noch verbessert werden kann.

Im Klartext: Fusionen werden auch im Bahnsektor stattfinden?

D. B.: Im Oberwallis wird es noch fünf oder sechs grosse Bergbahnen geben. Diesen wird die Finanzierung leichter fallen als den Kleinen. Ganz zu schweigen von der höheren Professionalität im Bereich des Management und des Marketings. Nur grosse Bergbahnen können sich in Zukunft den Unterhalt mit teuren Bahnanlagen, Maschinenparks und Beschneiungssystemen leisten. Wer nicht 100 Tage auf Schnee fahren kann, hat keine Zukunft. Daneben gibt es ein paar kleine Skilifte, die ebenfalls ihre Daseinsberechtigung haben.

Stichwort Marketing: Früher gab es Bahnpioniere im technischen Bereich. Heute bräuchte es solche im Marketing?

D. B.: Ich bin der Meinung, dass Wallis Tourismus für die Bergbahnen gute Arbeit leistet. Aber es ist schon so, dass uns im Marketing die Grundlagen fehlen, um effizient arbeiten zu können. Uns fehlen detaillierte Angaben zu Altersstrukturen, Herkunft und Kaufkraft unserer Kunden. In den umliegenden Alpenländern funktioniert dies besser. In Österreich arbeiten die Skistationen auch enger mit den Produzenten der Wintersportgeräte zusammen und haben uns auch einiges im Bereich Event-Marketing voraus. Im Marketing müssen wir aus dem Dornröschenschlaf erwachen.

Nicht einfach, denn in den Bergbahnen wird oft mehr politisiert als geschäftet.

D. B.: Die Beteiligung der Politik ist ein Problem. Wenn persönliche politische Interessen zu stark im Spiel sind, kann es nicht funktionieren. Das gilt vor allem für diejenigen Bahnen, die ihre Marktchancen nicht oder nur ungenügend abgeklärt haben und sich mit Finanzmitteln aus der Politik über Wasser halten.

Zur Finanzierung: Die Banken sind seit ein paar Jahren zum Teil zu Recht sehr zurückhaltend. Müssten sich dann aber nicht die Bahnen als Aktiengesellschaften für neue Investoren, auch aus dem Ausland, öffnen und die Politik auf der Seite lassen, wie das Beispiel der Téléverbier SA zeigt?

D. B.: Ich hätte mir gewünscht, dass man dort vielleicht zuerst eine Walliser Lösung gesucht hätte. Der Verband der Walliser Bergbahnen ist bemüht, Strukturen zu schaffen, um die Finanzierung der Bergbahnen zu erleichtern. Aber Téléverbier hat sicherlich nicht alles falsch gemacht, als sie professionelle französische Investoren ins Unternehmen liessen. Erstens ist der Finanzbedarf der Bahnen in Verbier sehr hoch und zweitens sind die Beziehungen der Compagnie des Alpes auf dem internationalen Markt sehr wertvoll.

Neben Finanzen und Marketing ist auch die Sicherheit zusehends ein Thema. Ist es nicht so, dass unter dem wachsenden wirtschaftlichen Druck die Sicherheit leidet?

D. B.: Nein. Denn die Aufsicht durch die Behöreden von Kanton, bei den Skiliften, und Bund, bei den grösseren Anlagen, sind nach wie vor strikt und lassen keine Schlupflöcher zu.

Es geht ja nicht nur um die Sicherheit der Bahn, sondern auch um die Sicherheit auf den Pisten. Konkret: Trifft die Luftseilbahnen Saas Fee AG eine Mitschuld beim diesjährigen Lawinenunglück in Saas Fee mit einem Toten?

D. B.: Zuerst dies: Im Hochgebirge geht man immer gewisse Risiken ein und eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Die notwendigen Abklärungen bezüglich dieses tragischen Unfalls sind getroffen. Jetzt muss die zuständige Instanz entscheiden, ob es zu einer Untersuchung kommt oder nicht. Deshalb kann ich zu diesem Thema nicht näher Stellung beziehen.

Im Moment ist auch das Thema Bungee-Jumping in aller Munde. Der Unfall bei der Schilthornbahn hat gezeigt, dass der Actionbereich für die Bahnen nicht ohne Tücken ist?

D. B.: Wir hatten Bungee-Jumping vor Jahren mal im Angebot, sind aber davon abgekommen, weil bei uns der Markt fehlte. In der nächsten Zeit wird Bungee-Jumping bei uns auch kein Thema sein. Was den übrigen Actionbereich angeht: Da haben wir mit den Snowboardanlagen und dem Mountainbiking Bereiche, die sehr gut funktionieren. Da haben wir auch keine Probleme mit der Sicherheit.

Und wie sehen Sie als Direktor die Zukunft der Bahnen in Saas Fee?

D. B.: Im Bereich des Neubaus von Anlagen ist nicht mehr viel zu machen. Da steht uns eine Phase der Konsolidierung bevor. Wir richten unsere Kraft mehr auf das Marketing aus. Wir wollen die Familienfreundlichkeit steigern und lassen deshalb im kommenden Winter Kinder ab sechs Tagen in Begleitung ihrer Eltern gratis fahren. In Zusammenarbeit mit den örtlichen Leistungsträgern prüfen wir weiter, wie wir uns im Bereich Familie verbessern können. Stärker bearbeiten wollen wir auch das Segment der älteren Gäste. Denn hier liegt ein stattliches Potenzial. Für den Winter wollen wir die Allalin Volksabfahrt verstärkt ausbauen und zu dem Winterevent in Saas Fee machen.

Und wie kann die Politik den Walliser Bergbahnen unter die Arme greifen?

D. B.: Indem sie uns einfach arbeiten lässt und die Rahmenbedingungen positiv gestaltet. Da denke ich vor allem an die Verhandlungen mit den Stromerzeugern. Mit günstigeren Stromtarifen wäre uns sehr geholfen. Zudem kann die Politik auch bei der Kantonalbank einwirken, um der Branche vermehrt Gelder zur Verfügung zu stellen. Den Bahnen und dem gesamten Tourismus kann die Politik helfen, wenn Wallis Tourismus mehr Geld erhalten würde, um das Wallis so zu vermarkten, wie es dies verdient.

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