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"Es ist für mich die Saison der Herausforderung"

Varen / Ihm wird eine grosse Klappe nachgesagt und das in fünf Sprachen,
er findet sich als Macho gar nicht so schlecht und bläst schon mal in
den Dudelsack. Skiass Didier Plaschy zeigt im RZ-Frontal-Interview aber
auch nachdenkliche Seiten und sagt zur kommenden Skisaison: "Es ist die
Saison der Herausforderung!"
Von Waldemar Schön und
German Escher
Sie
kommen direkt aus den Varner Weinbergen. Wie wird der Jahrgang 2000?
Didier Plaschy: Er ist zwar in den Öchslegraden gar hoch, aber die Qualität
ist gut. Ich produziere in diesem Jahr übrigens erstmals meinen eigenen
Wein "didi & friends". Es sind genau 1291 Flaschen und die Nummer 01 kriegt
Adolf Ogi.
Das
heisst, Sie sind Weinliebhaber?
D. P.: Nur Pinot und um Himmels Willen nichts aus dem Eichenfass. Bei
Weisswein schlafe ich gleich ein. Bei Pinot hingegen werde ich ziemlich
schnell sehr lustig.
Wie
passen Wein und Spitzensport unter einen Hut?
D. P.: "Ich müess mier ja nit grad sofort d’ Lampu fillu!" Aber eine gute
Flasche mit Kollegen trinken ist doch so, wie ein feines Filet zu essen.
Ich verstehe mich auch als Botschafter der Schweiz und des Wallis. Die
grössten Exportgüter des Wallis sind Tourismus und Wein. Warum soll ich
da nicht mit meinem Bekanntheitsgrad diesen Wein anpreisen und zeigen,
wie gut er in Wirklichkeit ist?
Sonne,
Weinseligkeit, Genuss: Sind Sie eine Frohnatur mit lockeren Sprüchen und
Spässen oder gibt es auch den hintergründigen, tiefsinnigen Didier Plaschy?
D. P.: Ich bin schon eine Frohnatur. Und ich probiere auch so zu leben,
dass ich als Vorbild für andere gelten kann. Aber ich bin nicht immer
der lockere Sprüche klopfende Plaschy. Vor allem der Tod meines Vaters,
als ich 18 Jahre alt war, hat mich tief getroffen, obwohl ich dies nicht
zugeben und Mister Cool spielen wollte. Ich brauchte fünf oder sechs Jahre
und professionelle Hilfe, um den Tod meines Vaters zu verarbeiten.
Das heisst?
D. P.: Ich konnte nachts nicht so gut schlafen, war vor dem Rennstart
angespannt, nervös und verkrampft. Ich war nicht mehr so locker, ich musste
etwas ändern. Ich denke, dass ich jetzt den Dreh nicht schlecht raus habe.
Seither bin ich wieder der echte Plaschy, der genau weiss, was er will.
Vielleicht wirkt das manchmal arrogant. Aber klar ist: Es gibt auch den
emotionalen Didier, der weinen kann. Aber ich zeige Gefühle nicht derart
offen.
Der
erste Weltcupsieg im letzten Jahr fiel mit dem Tod Ihres Grossvaters zusammen,
den Tod Ihres Vaters haben Sie angesprochen. Wie gehen Sie heute mit dem
Thema Tod um?
D. P.: Wenn ein mir nahestehender Mensch stirbt, versuche ich so weiter
zu leben, wie dieser Mensch es von mir erwartet. An diesem Grundsatz halte
ich mich fest. Ich trage ja das Blut meines Vaters und Grossvaters in
mir. Ich glaube daran, dass sie durch meine Augen sehen und miterleben,
was ich erlebe. Ich bin jetzt 27 Jahre alt und habe schon Höhen und Tiefen
in meinem Leben durchgemacht. Wenn ich aber in Buenos Aires bei Null Grad
Temperatur eine Familie auf der Strasse ohne Strümpfe und Schuhe rumlaufen
sehe, werden meine Tiefs relativiert.
Sie
sind in Interviews meist sehr direkt. Sind Sie einfach ehrlich, oder beherrschen
Sie das Spiel mit den Medien aus dem Effeff?
D. P.: Es ist nicht meine Art, lange um den heissen Brei herumzureden.
Ich versuche immer wieder bis ans Limit zu gehen, provoziere dabei gerne
und meist entstehen wunderbare Diskussionen. Mein Ziel ist auch die vier
Fremdsprachen voranzutreiben und wenn du mit diesen sogar diskutieren
kannst über Politik und andere Aspekte, dann bin ich im Inneren glücklich
und zufrieden, dann bin ich meiner Lebensphilosophie am nächsten. Aber
es stimmt, ich ecke gerne an.
Sie
sind ein Provokateur?
D. P.: Oh ja, ich bin voll ein Provokateur! Das hört man schon meiner
aggressiven Stimme an. Ich falle mit der Türe ins Haus, ohne zuerst fünf
mal in die Runde zu gehen.
Beispiel?
D. P.: Ich provoziere mit meiner Walliser Art: Ich bin direkt, sage was
ich will, weiss was ich kann, bin ein Skirennfahrer, der auch mal in alten
Kleidern mit Telemark-Skiern unterwegs ist. Kurz gesagt: Ich probiere
eben viel aus, es gefällt mir und ich kann vielen Leuten eine Freude bereiten
( ich spiele jedes Jahr im Varner Weinfest mit meinem Dudelsack). Ich
fahre 17 Rennen im Jahr, habe viel Freizeit, kann viel Zeit mit meiner
Frau verbringen, bin viel auf Reisen: All das geniesse ich und ich möchte
nicht, dass es anders ist, momentan jedenfalls.
Letzte
Saison haben Sie den Durchbruch zu Weltspitze geschafft, wurden zum neuen
Schweizer Slalomstar. Sind Sie auf dem Boden geblieben oder sind Sie trotz
Flugangst etwas abgehoben?
D. P.: In diesem Zusammenhang erinnere ich mich immer an ein altes Saaser
Sprichwort: "Tüe nit hecher schiisse als ds Loch hesch!" Es ist schön
ein Rennen zu gewinnen, aber ich versuche diese Siege zu relativieren
und da ist ja noch meine unmittelbare Umgebung, die mir hilft, mich selbst
zu bleiben. Meine Frau ist der beste Gradmesser. Wenn ich Tendenzen zum
Abheben habe, hilft sie mir sehr. Ich bin trotz der zwei Siegen der bodenständige
Varner geblieben. Auch mein Trainer Patrice Morisod hilft mir in technischer
Hinsicht besser zu werden und wer mich kennt, der weiss, dass es Patrice
nicht so einfach hat und auch meine Frau nicht.
A propos Trainer: Nicht alle sind Ihre Freunde?
D. P.: Es gibt Trainer, ....darüber äussere ich mich lieber nicht. Jetzt
habe ich mit Morisod seit drei Jahren den selben Trainer, der mich versteht
und der weiss, wo meine Stärken und vor allem Schwächen liegen. Form-
und Leistungskurve gehen seither klar nach oben und ich mache unter ihm
grosse Fortschritte. Der SSV sollte sich überlegen, nicht zu viele Trainerrochaden
zu unternehmen, weil wir Skifahrer auf solche Veränderungen zwangsläufig
negativ reagieren.
Jetzt
folgt die Saison der Bewährung?
D. P.: Es ist für mich viel mehr die Saison der Herausforderung. In diesem
Jahr bin ich auf 174 Zentimeter kurzen Slalomskis unterwegs. Herausforderung
auch deshalb, weil die übrigen Nationen auf meine Resultate gespannt sind.
In der Schweiz gelten Slalomfahrer trotz meiner Erfolge nach wie vor als
Exoten. Hierzulande zählen vor allem die anderen Disziplinen, obwohl sich
das jetzt allmählich ändert.
Wie
steht es mit dem Druck, der auf Ihnen als Teamleader lastet?
D. P.: Bisher hat es ja kein richtiges Slalomteam gegeben. Also kann ich
auch nicht Teamleader sein. Ich weiss aber, dass viele Leute in der Schweiz
von mir gute Resultate erwarten. Das ist aber nicht Last, sondern erneut
eine Herausforderung für mich. Denn wenn ich am Start stehe, habe ich
es viel leichter als all die armen Seelen an den Fernsehgeräten, die vor
Spannung fast durchdrehen, wenn ich um die Slalomstangen fahre. Wenn ich
es schaffe, konstant mein Können als Skifahrer zu zeigen, kann ich der
ganzen Schweiz eine Freude bereiten.
Und
wie würden Sie Form und Saisonziel umschreiben?
D. P.: Ich könnte morgen ein Weltcuprennen fahren. "Ich bi hüöru güöt
zwäg!" Ich habe sechs Kilo Gewicht verloren, habe schnellere Beine, habe
technisch riesige Fortschritte gemacht und kann dadurch mein Können auf
den Skiern viel besser umsetzen, ich habe zwei Siege im Rücken, das Skifahren
macht mir Freude wie nie zuvor und ich bin motiviert, in die neue Saison
zu steigen und Gas zu geben. Ziel: Konstanz in meine Leistung bringen,
Spass an meinem Sport zu haben und versuchen, Klassiker wie Wengen oder
Kitzbühel zu gewinnen.
Das
letzte Jahr war im Skiverband durch grosse Unruhe und Veränderungen gekennzeichnet.
Wie schätzen Sie die Lage in diesem Jahr ein?
D. P.: Bald muss ich mit dem Kämpfer einrücken (lacht). Ich glaube jedoch,
dass bestimmte Verhaltensregeln angebracht sind. Paul Accola hat dies
heftig zu spüren bekommen und er wurde recht "ind die Schüö gstellt".
Aber ich halte bezüglich SSV meinen Mund. Denn ich nutze dessen Infrastruktur.
Er gibt mir den Trainer, den ich will und das genügt mir. Mehr brauche
ich vom SSV nicht.
Weg vom Ski fahren: Was macht eigentlich Ihre Idee des Medizinstudiums?
D. P.: Ich sehe meine Zukunft nicht unbedingt in der klassischen Schulmedizin,
sondern in alternativen Heilmethoden, die ich gerne im Ausland erlernen
möchte. Der Grund ist auch, dass ich dadurch viel schneller mit Menschen
in Kontakt komme. Ich wäre vielleicht Priester geworden, wenn der Zölibat
nicht wäre. Denn in der Beichte ist der Kontakt mit Menschen unglaublich
intensiv und dieser Kontakt hat heilende Wirkung. Da sitzt doch der Priester
in der ersten Reihe.
Ihre Frau Stefanie gilt als der stille Plaschy-Motor im Hintergrund.
D. P.: Meine Frau ist Frau und Freund in einer Person. Es konnte nur diese
Frau sein für mich. Denn wir haben unglaublich viele gemeinsame Interessen.
Was den Motor anbelangt: Stefanie sorgt eher dafür, dass ich nicht abhebe.
Wenn wir längere Zeit zusammen sind, sind wir wie Kletten, die man fast
nicht mehr auseinanderbringt.
Und
wie sieht die Familienplanung aus?
D. P.: Ich liebe Kinder. Das passende Auto in Form eines VW-Busses hätte
ich schon. Wann allerdings das erste Kind kommen wird, steht nicht fest.
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