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Das
Visper Theater spielt ab Mitte November im La Poste "Belinda"
Gehörlos
und doch viel zu sagen
Visp
/ Gehörlos bedeutet nicht dumm oder minderwertig zu sein. Dieses Vorurteil
nahm sich das Visper Theater zu Herzen und wagte sich an das Stück "Belinda"
von Elmer Harris heran. Die überarbeitete Fassung ins Walliserdeutsch
wird ab Mitte November im La Poste in Visp aufgeführt.
Von Tamara Locher
"Stellet che vor, iär läbtit in ära Wäält, wa s kei Too git, kei Müüsig,
keis frindlis Woort, in ära Wäält vam absolütu Schwiige..." Diese eindrücklichen
Worte stammen vom Pfarrer im Theaterstück "Belinda". Das Schauspiel in
drei Akten wurde 1940 am Broadway, New York, uraufgeführt. 1950 übersetzte
es der Wiener Walter Firner im Auftrag des Autors Elmer Harris ins Deutsche.
"Belinda" ist das bedeutendste Werk des kanadischen Dichters.
Stumm,
aber nicht dumm
Die
gehörlose Belinda lebt alleine, ihre Mutter verstarb bei ihrer Geburt,
mit ihrem Vater in seiner abgelegenen Mühle. Doch ihr grober und unberechenbarer
Vater, Erno Tanner, missbraucht seine stumme Tochter nur als Arbeitstier
und verprügelt sie. So wie ihr Vater behandeln auch die anderen Dorfbewohner
Belinda ohne Respekt und halten sie wegen ihrer Behinderung für blöd.
Erst vom jungen, neuen Dorfarzt, Dr. Peter, wird Belinda als Mensch behandelt.
Er entdeckt in ihr eine junge, intelligente Frau, die ein unwürdiges Leben
führt. Mit seiner Hilfe lernt Belinda die Gebärdensprache und gewinnt
langsam an Selbstvertrauen.
Spieler
lernten Gebärdensprache
Der Regisseur Bruno Zenhäusern verpflanzte das Volkstück ins obere Rhonetal
der 30iger und fasste es ins Walliserdeutsch. Die Handlung ist leicht
verständlich. Von Spielern und Regie verlangt das Stück jedoch ein hohes
Mass an Einfühlungsvermögen und Einsatz ab. Nicht nur die Darstellung
von inneren Spannungen, psychischen Vorgängen und Gefühlen erwies sich
als schwierig. Beim Stück "Belinda" kommt auch das Problem der Gehörlosigkeit
dazu. So erlernten Kerstin Zuber (Belinda) und Urs Minnig (Dr. Peter)
von Theres Kalbermatten eine neue Sprache, die Gebärdensprache. Die Anfänge
dieser Sprache wurzeln im 18. Jahrhundert. Die Gebärdensprache hat sich
als Kommunikationsmittel längst bewährt. Sie lebt von einem sehr lebhaften
Ausdruck, nicht nur in der Gestik, sondern auch in der Mimik. Wie die
Lautsprache besitzt auch die Gebärdensprache eine hochentwickelte Grammatik
und ein umfangreiches Vokabular. Umso unverständlicher ist, dass die Gebärdensprache
bis heute in der Schweiz nicht offiziell anerkannt ist. Kommt doch etwa
jedes tausendste Kind stumm zur Welt.
"Belinda" geht unter die Haut. Es finden sich neben der harten Realität
der Menschenverachtung, der Scheinheiligkeit, der Hinterlist und des Machtmissbrauchs
auch die junge Liebe und das lustige Treiben der Dorfjugend. Eine Geschichte,
die bewegt, und leider auch noch in der heutigen Zeit brutale und traurige
Wahrheit ist. Die Vorführungen finden am 17./ 19./ 24. und 25. November
statt.
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