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"Die
Qualität von einer Idee hängt nicht von der politischen Farbe ab"

Visp
/ Als Journalist war er Unterwalliser Korrespondent des Walliser Boten.
Dann wurde er Pressesprecher des Internationalen Roten Kreuzes. Seit sechs
Monaten hat der Visper Anton Burgener eine neue Herausforderung: Er ist
Infochef der umstrittenen Expo.02. Anton Burgener nimmt Stellung zur Milliarden-Expo,
zu Begeisterung und sagt zum Thema Wallis: "Das Oberwallis kann keinen
Sonderzug fahren."
Von
Waldemar Schön und
German Escher
Erst Pressesprecher des Roten Kreuzes und jetzt der Wechsel zur Expo.02:
Wie lässt sich dieser Wechsel zu einem sehr umstrittenen Vorhaben wie
der Expo.02 erklären?
Anton Burgener: Nach zwölf Jahren IKRK hat man so ziemlich alles in diesem
Bereich gesehen und erlebt. Und als ich hörte, dass sich Pipilotti Rist
an der Expo beteiligt, erwachte mein Interesse. Denn ich dachte mir: Wow,
die Schweiz wagt etwas und nimmt etwas Grosses in Angriff. Als ich die
verschiedenen Projekte sah, packte mich die Faszination an der Expo. Hinzu
kam die Herausforderung, gerade für ein umstrittenes Projekt die Informationsarbeit
zu übernehmen.
Im
Oberwallis scheint sich niemand für die Expo.02 zu interessieren. Stört
Sie das?
A. B.: Natürlich stört mich das mangelnde Interesse der Bevölkerung im
Oberwallis an der Expo.02. Wir werden auch hier die Informationsarbeit
verstärken und die Walliser für das gute Produkt "Expo.02" begeistern
können. Aber im Moment ist es das Wichtigste, dass die Menschen in der
Region Neuenburg-Murten-Yverdon, wo die Expo.02 stattfinden wird, hinter
dem Projekt stehen. Denn wenn wir in der Region eine Lachnummer sind,
werden wir es auch im Rest des Landes sein. Da sind wir auf guten Wegen.
In der Westschweiz allgemein ist das Interesse gross. Sorgen macht uns
die Deutschschweiz. Denn vor allem im Grossraum Zürich haben wir grosse
Probleme, die Menschen für die Expo.02 zu begeistern, weil eben fast alles
in der Westschweiz über die Bühne geht.
Kommt hinzu, dass die Expo.02 praktisch nur negativ in den Schlagzeilen
steht: Streit, Personalprobleme, Direktorenwechsel, Finanzsorgen. Es wurde
bisher viel versprochen und wenig gehalten.
A. B.: Die Probleme der Expo.02 will ich gar nicht abstreiten. Und wegen
der Finanzprobleme werden noch weitere Einsparungen folgen müssen. Aber:
Wir wissen heute ganz genau, wie das Projekt aussehen wird und sind überzeugt,
dass es eine attraktive Expo wird. Das Problem: Viele Leute, auch Journalisten,
zweifeln heute noch daran, ob die Expo.02 überhaupt stattfinden wird.
Und diese Geisteshaltung muss jetzt wirklich begraben werden. Wir müssen
jetzt beweisen, dass die Expo.02 eine sehr gute Sache ist und die Finanzen
auf der Ausgabeseite in den Griff bekommen. Ob die Expo auch auf der Einnahmeseite
ein Erfolg wird, wissen wir erst nach Abschluss der Veranstaltung 2002.
Und die negativen Schlagzeilen ...
A. B.: ... haben unter anderem dafür gesorgt, dass in der Schweiz 97 Prozent
der Bevölkerung wissen, dass es eine Expo.02 geben wird. Von einem Bekanntheitsgrad
von 97 Prozent können andere doch nur träumen.
1,4
Mia. soll die Expo.02 kosten. Wie macht man als Infochef den Menschen
den Gedanken vertraut, dass 1,4 Mia. Franken in den Sand der Westschweizer
Seen gesetzt werden könnten?
A. B.: (lacht) Wir werden nicht 1,4 Mia. in den Sand setzen. Im Verhältnis
zur Bevölkerung und inklusive Teuerung sind wir nicht teurer als vorangegangene
Landesausstellungen. Zudem setzen wir sehr stark auf Sponsoring. Über
400 Millionen Franken hat die Schweizer Wirtschaft zugesagt. Soviel wurde
noch nie in ein Kulturprojekt investiert.
Es
wird auch gesagt, dass die Expo.02 nichts anderes sei als eine gewaltige
Finanzspritze für die Westschweiz?
A. B.: Natürlich wirkt sich die Expo wirtschaftlich positiv auf die Veranstaltungsregion
aus. Die Infrastruktur wird verbessert und erneuert. Und natürlich werden
auch die BesucherInnen einiges an Geld in der Region liegen lassen. Aber
was ist daran schlimm, wenn die Region durch die Expo.02 einen Aufschwung
erlebt? Das ist doch nur eine positive Nebenwirkung eines sehr guten Projektes.
Wir
leben im Zeitalter der Globalisierung, der Medien und des Internets. Ist
da eine solche Ausstellung überhaupt noch zeitgemäss?
A. B.: Ich sehe die Expo.02 als Gegenpool zu der elektronischen Welt des
Fernseh-Zappings und des Internets, wo alles immer sehr schnell gehen
muss und menschliche Kontakte keinen Platz mehr haben. Für mich ist die
Expo.02 ein riesiger Schweizer Stammtisch. Hier kommen die Menschen zusammen,
erleben etwas gemeinsam. Meine Idee: Auf keinen Fall alleine sondern in
Gruppen wie Familie oder Vereine an die Expo.02 kommen. Dann wird das
Erlebnis um so intensiver sein. Ich verspreche mir von diesem Grossanlass
ein kolossales Erlebnis.
Sie strahlen eine grosse Begeisterung aus - was als Kommunikationsprofi
auch Ihre Aufgabe ist. Aber wieviel davon ist echt?
A. B.: Wenn meine Begeisterung nicht echt wäre, würde ich nicht für die
Expo arbeiten...
...
obwohl sehr viel Lack des ursprünglichen Projektes mit dem Weggang des
Paradiesvogels Pipilotti Rist bereits abgebröckelt ist?
A. B.: Pipilotti Rist hatte damals praktisch freie Hand und hat Ideen
entwickelt, die sehr gross waren, aber sehr schwierig in der Umsetzung.
Unsere Aufgabe ist es jetzt, aus der Expo nicht eine elitäre Veranstaltung
zu machen, sondern für Herr und Frau Schweizer ein Erlebnis zu schaffen.
Kommen wir zu Ihrer Person: Expo kommt vom lateinischen Wort exponere,
herausstellen, hervortun.
Sind
Sie ein Mensch, der sich gerne "hervortut" und in die Öffentlichkeit stellt?
A. B.: Nein, ich bin nicht jemand, der sich selbst grossartig in Szene
setzt. Mein Job ist es, nicht mich, sondern die Expo.02 in den Vordergrund
zu stellen. Ich will, dass mit der Expo.02 ein Ruck durch das Land geht
und auch Themen diskutiert werden, die nicht jeden Tag in den Medien stattfinden.
Zudem soll es ein Fest sein, wo sich die Schweiz und das Ausland treffen
und sagt: Wow, es gibt auch eine Schweiz, die ein neues Gesicht hat und
nicht in den Traditionen erstickt.
Damit
plädieren Sie für eine offene Haltung. Das entspricht aber eher weniger
dem Bild, das man als Walliser von sich gibt. Der ist nämlich eher zurückhaltend,
geprägt von den hohen Bergen und den engen Tälern...
A. B.: Halt! Das Oberwallis kann doch keinen Sonderzug fahren, währenddem
sich das Umfeld rasant verändert. Ich glaube, dass der Oberwalliser immer
wieder bewiesen hat, dass er offen für Neues ist.
Was
für ein Verhältnis haben Sie heute zum Wallis?
A. B.: Gut sagen Sie Wallis und nicht Oberwallis! Denn ich konnte auch
das Unterwallis sehr gut kennen lernen. Ich finde es schade, dass die
Brücke zwischen Ober- und Unterwallis noch nicht richtig geschlagen werden
konnte. Ich finde es voll neben den Schuhen, dass im Tourismus noch immer
jeder sein eigenes Züglein fährt und das Wallis nicht als Einheit dargestellt
werden kann. Hinzu kommen im Wallis Fragen wie Energie und Umwelt, wo
eine Gesamtlösung im Wallis gefunden werden muss. Die Kirchturmpolitik
muss ein Ende haben.
Ist
das ein PR-Tipp für Ihren Bruder, Staatsrat Thomas Burgener?
A. B.: (lacht) Das könnte man so sagen. Sie kommen aus einer sehr politischen
Familie mit zahlreichen Landeshauptmännern und Politgrössen in der Ahnenreihe.
War
ein Wechsel in die Politik für Sie nie ein Thema?
A. B.: Nein, ein solcher Wechsel in die Politik interessiert mich sicher
nicht. Ehrlich gesagt habe ich mich noch nicht eingehend damit beschäftigt,
was ich nach der Expo.02 machen werde. Aber ein politisches Amt interessiert
mich wirklich nicht - null! Politik ist für mich ein zu grosser Hürdenlauf.
Denn ich bin jemand, der versucht, sein Ziel so schnell wie möglich zu
erreichen. Was mich eher reizt, ist der Weg zurück zum Journalismus, wo
man gewisse Freiheiten geniesst und seine Meinung verbreiten kann.
Die
Familie Burgener am Mittagstisch: SP-Staatsrat Thomas, überzeugter CVPler
Paul, Botschafter Christof, Expo-PR-Mann Anton - das muss doch hoch zu
und her gehen?
A. B.: Sie sind ein kleiner Macho (lacht). Denn ausgerechnet meine Schwester,
welche die gute Seele der Familie ist und für gehörigen Zusammenhalt sorgt,
haben Sie an unserem Mittagstisch vergessen... Aber die Ausgangslage in
unserer Familie ist sehr interessant. Dazu dies: Wir haben von Mutter
und Vater eine sehr wichtige Eigenschaft mit auf den Weg bekommen - eine
grosse Toleranz gegenüber anderen Meinungen und Ansichten. Daraus ergibt
sich eine grosse Offenheit, Themen gerade heraus anzusprechen und zu Boden
zu diskutieren. Aber glauben Sie mir: An unserem Mittagstisch geht es
meist sehr lustig zu und her und wir stufen uns gegenseitig nicht nach
roter, blauer oder schwarzer Farbe ein. Ich bin der Meinung, dass die
Qualität einer Idee nicht von der politischen Farbe abhängig ist. Ist
eine Idee gut, so muss sie von allen unterstützt werden, unabhängig von
der Partei. Wir haben von unseren Eltern mitbekommen, dass man kämpfen
muss, dass man "ab und züe eis uf de Grind verchunt", aber trotzdem seinen
Weg geht.
Und was macht Anton Burgener nach der Expo.02?
A. B.: Wie gesagt: Damit habe ich mich noch nicht befasst. Es wird aber
sicherlich nicht mehr ein Job sein, der mich 16 bis 18 Stunden am Tag
beschäftigt - meiner Familie zu liebe. In einen Grossanlass werde ich
auch nicht mehr einsteigen. Mal abwarten, was sich in Sachen Journalismus
in Zukunft tun wird...
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