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"Es
müssen nicht immer Zermatter sagen, wo’s lang geht"

Zermatt
/ Am 1. Dezember ging für ihn und seine Familie ein alter Traum in
Erfüllung: die Eröffnung des Luxushotels Riffelalp-Resort hoch über Zermatt.
Christian Seiler (57), der führende Nachkomme der Hoteldynastie Seiler,
nimmt Stellung zu Geld, zur Zermatter Clanpolitik und sagt: "Frischer
Wind ist gut für Zermatt!"
Von Waldemar Schön und
German Escher
Christian Seiler, die Eröffnung des Riffelalp-Resorts auf 2222 Metern
über Meer muss für Sie ein grosser Moment sein?
Christian Seiler: In der Tat endet mit der Eröffnung ein 20jähriger Traum.
Denn schon 1980 fing die Planung an — nur uns fehlte bisher das Geld.
Und ich muss sagen: Wenn ich durch das Hotel laufe, beschleichen mich
ganz eigenartige, aber schöne Gefühle. Denn ein Traum wurde wahr und die
Eröffnung ist nicht nur für die Familie Seiler, sondern auch für den Kurort
Zermatt ein historischer Moment.
Träume sind zwar schön, aber vor allem auf 2222 Metern über Meer auch
teuer...
Ch. S.: ... und ich bin immer wieder überrascht, wie sehr sich vor allem
diejenigen für das Geld interessieren, die es nicht investieren. Wir hatten
das Glück, dass die Sandoz Familienstiftung den Gedanken des Pioniergeistes
der alten Seiler wieder aufnahm und sagte: Was die Hotelpioniere im 19.
Jahrhundert mit bescheidenen Mitteln schafften, sollten wir doch heute
auch zu Stande bringen.
Und
wie hoch sind jetzt die Kosten?
Ch. S.: Sie sind hartnäckig (lacht) ... aber es sind rund 50 Millionen
Franken. Die Seiler Hotels haben den Boden und die Infrastruktur eingebracht
und die Sandoz Familienstiftung besorgte die finanziellen Mittel.Das heisst,
dass das Riffelalp Resort ohne Gelder der Banken erstellt wurde.
Auf der einen Seite leidet die Hotellerie an akutem Geldmangel. Auf der
anderen Seite werden 50 Millionen in ein einziges Projekt investiert?
Ch. S.: Wir messen auf der Riffelalp nicht mit den gleichen Massstäben
wie in unseren Zermatter Hotels. Das Riffelalp Resort ist in unserer Branche
eine absolute Besonderheit. Dieses Hotel ist einmalig in der Welt. Und
Zermatt und das ganze Wallis sollten dankbar sein, dass sie dieses Haus
einfach geschenkt kriegen. Denn wir sind uns auch bewusst, dass sich Teile
der Investitionen schwierig rentabilisieren lassen.
Wie
bitte?
Ch. S.: Keine Sorge, wir wissen schon, in welche Richtung wir mit dem
Hotel gehen wollen. Unsere Busi-nesspläne sind sehr detailliert. Aber
wir rechnen mit gewissen Beträgen, die sich nicht sofort rentabilisieren
lassen. Das weiss jeder, der etwas von der Hotellerie versteht. Beim Riffelalp
Resort wurde nicht gespart.
Was
für Gäste sprechen Sie mit dem Haus an?
Ch. S.: Wir unterscheiden Sommer und Wintersaison. Im Winter sprechen
wir den traditionellen Fünf-Sterne-Gast an, der das Besondere sucht, das
er sonst nirgends auf der Welt findet. Blicken Sie zum Fenster hinaus
und Sie wissen mit dem begeisternden Blick auf das Matterhorn, was ich
meine. Im Sommer werden wir sehr stark mit Geschäftsleuten arbeiten. Zudem
haben wir viel in den Wellnessbereich investiert. Denn wir wollen nicht
den Massentourismus vom Dorf Zermatt auf die Riffelalp verfrachten.
Mit
was für Preisen muss der Gast rechnen?
Ch. S.: Mit Nebenkosten, Skiabo und Skilehrer wird der Tag im Riffelalp-Resort
um die 500 Franken pro Person kosten.
Und wo endet die Preisliste am oberen Ende?
Ch. S.: (lächelt) Das entscheidet der Gast selber ... aber wir haben keine
Luxussuiten oder ähnliches im Angebot. Die sehr hohe Qualität zieht sich
bei uns überall durch. Im Winter sehe ich da wenig Probleme.
Aber vor allem im Sommer wird bei diesen Preisen die Kundenschicht
dünn?
Ch. S.: Wir wollen ja nicht die grossen Massen. Dafür haben wir mit 128
Betten auch nicht die Kapazität. Aber Sie würden staunen, wie viele Firmen
sich für Seminare und anderes im Riffelalp-Resort interessieren. Und eines
wissen wir heute mit Sicherheit: Wir haben auf keinen Fall am Markt vorbei
gebaut. Eine Zahl: Für den Winter 2001 haben wir schon um die 10’000 Übernachtungen
gebucht.
Das
Into Hotel ist ja ein Luxushotel ...
Ch. S.: ... sind Sie sicher mit dem Luxus?
OK,
nennen wir es ein "extravagantes Hotel". Da hat man ja die Erfahrung gemacht,
dass dieses Segment sehr heikel ist?
Ch. S.: Heinz Julen hat sich nicht Gedanken zur Rentabilität gemacht,
sondern hat nur die Kunst gesehen. Das war eine Sackgasse, aus der er
jetzt zurück muss. Das Hotel wird wieder umgebaut und von der ursprünglichen
Idee wird nicht mehr viel übrig bleiben. Beim Riffelalp-Ressort hatten
wir eine ganz klare Strategie, die sich jetzt als richtig erweist. Denn
wir sind seit längerer Zeit wieder eine gute Schlagzeile für Zermatt.
Am
Anfang war man in Zermatt von Ihrem Projekt wenig begeistert?
Ch. S.: Am Anfang war sicherlich ein gewisser Widerstand zu spüren, auch
von Seiten Burgergemeinde. Aber mittlerweile hat sich das Ganze gedreht
und man erkennt jetzt in Zermatt die grosse Bedeutung dieses Hauses für
den Kurort.
Und
wie klappt die Zusammenarbeit mit dem einzigen Zubringer zum Hotel, der
GGB?
Ch. S.: Die wird immer besser. Und da die Sandoz Familienstiftung jetzt
auch Aktionär bei der GGB ist, sehe ich dort gute Zeiten auf uns zukommen.
A propos Erreichbarkeit: Wir werden immer um Mitternacht einen Zug von
Zermatt auf Riffelalp und umgekehrt führen.
Ich nehme an, dass Sie beim Aktiendeal GGB/Sandoz kräftig mitgeholfen
haben?
Ch. S.: (schmunzelnd) Davon können Sie ausgehen...
Was
geht in Ihnen vor, wenn Sie heute die Massen von Menschen in der Zer-
matter Bahnhofstrasse sehen?
Ch. S.: Das ist Ausdruck des Massentourismus, der vor allem im Sommer
von Zermatt Besitz ergreift. Solange die Strasse noch nicht ins Tal führte,
also bis 1970, blieben wir vom Massentourismus verschont. Jetzt ist das
anders. Hinzu kommt, dass Zermatt zu billig geworden ist.
Thema
Strasse: Wie sehen Sie die Bemühungen, die Strasse bis vor die Tore Zermatts
zu verlängern?
Ch. S.: Ich bin grosser Befürworter einer wintersicheren Strasse nach
Zermatt. Das wird auch nicht mehr Massentourismus bringen. Denn das Problem
ist die fehlende Parkplatzfläche vor Zermatt. Die Autos werden nach wie
vor in Täsch bleiben. Aber eine wintersichere Strasse ist wichtig für
Zermatt. Das sieht mittlerweile sicher auch die BVZ ein.
Zermatt
gilt als Hochburg der Familienclans, die sich gegenseitig bekämpfen. Wie
denken Sie über die Clanpolitik, mit der schon ihr Urgrossvater kämpfte?
Ch. S.: Das sind Sachen aus der Vergangenheit und längst vorbei. Wir haben
nie politisiert in Zermatt, weder in der Munizipal- noch in der Burgergemeinde.
Wenn man uns braucht, dann findet man uns, wie das Beispiel des Verkaufs
der GGB-Aktien an Sandoz bewiesen hat. Zum Beispiel die Burgergemeinde
ist auch zu stolz, sich an mich zu wenden, wenn es um Geld geht. Dann
erhält mein Vizedirektor und Finanzchef den entsprechenden Brief, nicht
ich (schmunzelt).
Das ging jetzt etwas gar schnell. Sie müssen sich doch für die Politik
in Zermatt interessieren - zum Beispiel im Kur- und Verkehrsverein?
Ch. S.: Ich war Mitglied im Vorstand des Kur- und Verkehrsvereins Zermatt,
bis dieser auf 16 Mitglieder aufgeblasen wurde. Das war mir zuviel und
ich verliess den Vorstand. Denn in einem solchen Gremium können keine
Entscheide gefällt werden. Es braucht in meinen Augen eine neue Plattform,
wo sich die Leistungsträger in Zermatt treffen. Nach den Gemeindewahlen
werde ich versuchen, diesbezüglich etwas zu unternehmen und eine Plattform
zu schaffen, wo man sich drei oder vier Mal im Jahr trifft. Es geht doch
nicht, wenn jeder nur in seiner Ecke geschäftet.
Wegen
der Geldsorgen droht auch der Ausverkauf von Zermatt. Wäre es nicht schade,
wenn die nächste Generation der Zermatter nicht selbst bestimmen könnte,
was mit den Zermatter Bahnunternehmen geschieht?
Ch. S.: So kann man heute nicht mehr denken. Man muss froh sein, wenn
man überhaupt noch Investoren findet. Das heisst nicht, dass jetzt die
Compagnie des Alpes unbedingt nach Zermatt kommen muss. Denn dieser geht
es nur um die Rentabilität der Bahnen. Die Art der Gäste ist ihr egal.
Das Konzept der Compagnie des Alpes wäre also für die Zermatter Hotellerie
nicht gut. Aber wenn eine Sandoz Familienstiftung in Zermatter Hotels
und Bahnen investiert, ist das etwas anderes. Es müssen nicht immer die
Zermatter sagen, wo es lang geht. Ein bisschen frischer Wind tut Zermatt
gut. Das Problem ist auch nicht das Geld. In Zermatt herrscht ein Machtkampf
zwischen den Clans. Das Beispiel der Burgergemeinde zeigt dies deutlich.
Da hat ein Clan den anderen an die Wand gedrückt, bis alle am Boden waren
und "Auswärtige" geholt werden mussten.
Das
heisst auch, dass die Bergbahnen in Zermatt stärker zusammenarbeiten,
vielleicht sogar fusionieren müssten?
Ch. S.: Das stimmt schon. Aber es wird schwierig sein, die verschiedenen
Interessen der Bahnen unter einen Hut zu bringen. Auf der einen Seite
steht die Gor-nergrat-Bahn mit einem sehr konservativen Verwaltungsrat,
der sich mehrheitlich nicht aus Zermattern zusammensetzt und auf der anderen
Seite die übrigen Bahnen, die eigene Interessen verfolgen. Man müsste
besser zusammenarbeiten und man müsste das Kapital der Bahnen nochmals
erhöhen. Denn ohne Investitionen in die Bahnen werden wir in Zermatt sehr
schnell ins Hintertreffen geraten.
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