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Patrizia
Pacozzi (24) aus Brig ist eine der besten Geigerinnen der Schweiz
Süchtig
nach Musik
Brig-Glis / Privatkonzerte für den Papst persönlich und das Gefühl,
in einer anderen Dimension zu sein: Das alles erlebt man, wenn man so
gut Geige spielt wie Patrizia Pacozzi aus Brig.
Von
Denise Jeitziner
Kaum
aus den Windeln raus, hatte Patrizia Pacozzi bereits ihre erste Geige
in der Hand. "Alle meine Geschwister spielten ein Instrument, da wollte
ich natürlich auch eins spielen." Die Geige habe ihr auf Anhieb am besten
gefallen. So nahm sie bereits mit 4 Jahren ihren ersten Geigenunterricht,
ganz normal, einmal pro Woche, bis Patrizias Geigenlehrerin ihre besondere
Begabung entdeckte.
Ein
Wunderkind?
Beim Begriff Wunderkind denkt man sofort an karrieresüchtige Eltern, die
sich durch ihre Kinder selbst verwirklichen wollen. "Meine Eltern waren
eher in einem dauernden Zwiespalt. Einerseits glaubten sie, es mir schuldig
zu sein, mein Talent zu fördern. Andererseits machten sie sich grosse
Sorgen, dass ich dadurch meine Kindheit verpasse", meint Patrizia. Vermisst
habe sie jedoch nichts. Einzig auf die Hänseleien der Mitschüler hätte
sie verzichten können, sagt sie lächelnd. Und wie hält man den Druck aus,
von allen als Wunderkind angesehen zu werden? Dazu Patrizia: "Ich war
damals so klein, dass ich das gar nicht realisierte. Du kommst da einfach
rein und irgendwann wachst du auf und bist mitten drin. Dann fühlst du
dich schon irgendwie verpflichtet, etwas daraus zu machen."
Vitamin
B wichtig
Nach der Entdeckung des Talents gings Schlag auf Schlag. Wechsel zu einem
bekannten Geigenlehrer in Sitten, mit neun das erste Konzert und 1996
Aufnahme in die "International Menuhin Academy" in der Nähe von Montreux.
"Talent allein reicht nicht. Es braucht auch das Glück, zur rechten Zeit
am richtigen Ort zu sein", ist sich Patrizia bewusst. Dass dem Glück aber
manchmal auch etwas nachgeholfen wird, musste sie auch erfahren: "Bei
Wettbewerben hast du fast nur mit Vitamin B eine Chance", ärgert sich
die Musikerin. "Die reinste Mafia ist das!"
Sport
verboten
Gibt es überhaupt noch etwas anderes als Klassik in Patricias Leben? "Natürlich!
Mir gefällt fast jede Musik, vor allem Pop und Heavy Metal", erzählt sie
begeistert. Leider müsse sie aber wegen des Geigens auf ihre Lieblingssportarten
Reiten und Skifahren verzichten. "Das sind halt die Regeln der Schule",
meint die ausgebildete Primarlehrerin achselzuckend. "Da braucht es manchmal
schon eine riesige Überwindung, jeden Tag stundenlang zu üben!"
Vor
Rockertypen... und dem Papst
Ob langhaarige Rockertypen bei einem spontanen Strassenkonzert in Italien
oder der Papst persönlich, Patrizia, die süchtig nach Musik ist, versucht
jeden Zuhörer in eine andere Dimension zu versetzen. Eine Karriere als
Solistin interessiert sie aber genauso wenig wie eine Lebensstelle in
einem berühmten Orchester, da würde sie nur ‘versüüru’. "Mein Traum wäre
es, in einem Quartett zu spielen", schwärmt die junge Musikerin, deren
nächstes Ziel die Aufnahmeprüfung für eine Musikhochschule in Köln ist.
"Und eines Tages die Geschichte meiner 200-jährigen Geige zu erfahren."
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