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"Der Verteilkampf zwischen Brig und Visp ist völlig unnütz"

Brig-Glis / Er ist der erste Vertreter der Minderheiten als Briger Stadtpräsident. Und ihm werden eher verwalterische denn visionäre Qualitäten nachgesagt. Peter Planche (FDP) nimmt Stellung zu Visionen, dem Machtkampf Brig-Visp und lüftet das Geheimnis, ob er erneut als Präsident kandidiert.

Von German Escher
und Waldemar Schön

Politik ist ein undankbarer Job. Was reizt Sie eigentlich am Amt des Stadtpräsidenten? Peter Planche: Undankbar ist vielleicht falsch ausgedrückt. Klar danken mir nicht alle. Das ist auch nicht möglich. Trotzdem ist ein politisches Amt interessant, weil man meiner Ansicht nach viel bewegen kann. Natürlich dauert alles länger und kostet meist auch mehr als in der Privatwirtschaft. Aber wir haben doch in den letzten Jahren einiges erreicht.

Sie kandidieren im Dezember für eine weitere Amtsperiode?

P. P.: Ich werde mich im Herbst für die Wiederwahl zur Verfügung stellen. Mir gefällt die Arbeit als Stadtpräsident. Aber man muss sich auch eine Elefantenhaut zulegen. Denn ohne diese Elefantenhaut macht man sich selbst kaputt.

Testen wir diese Elefantenhaut: Ihre Kritiker bemängeln, der Stadtrat habe weder Führung noch Visionen?

P. P.: Diese Kritik ist zum Teil berechtigt und wir sind dahinter, der Stadtgemeinde ein neues Leitbild zu geben. Das Problem besteht darin, dass oft die Zeit fehlt, sich mit Visionen und Ideen auseinander zu setzen. Projekte anreissen und durchziehen ist uns, so glaube ich, gut gelungen. Aber ich hätte Mühe damit, Ihnen heute zu sagen, wie Brig-Glis in zehn Jahren aussehen würde. Mittelfristig müssen wir dafür sorgen, dass Brig-Glis auch in Zukunft ein lebhaftes Städtchen bleibt. Ich glaube, dies gelingt uns im Moment recht gut. Die Zahlen aus dem Tourismus und die Belegung der Simplonhalle zeigen auch nach oben.

Das gleicht doch einer Bankrotterklärung, wenn Politiker keine Visionen haben?

P. P.: Das ist sicherlich keine Bankrotterklärung der Politik. Denn man muss berücksichtigen, dass der Stadtrat an die engen Grenzen der Finanzen gebunden ist. Dazu kommt, dass das Leitbild nach jeder Amtsperiode überarbeitet werden muss. Es kann ja nicht sein, dass ein Gemeinderat dem ihm nachfolgenden Kollegium "Hypotheken" auferlegt. Da trifft das Wünschbare eben hart auf das Machbare. Man kann doch nicht ständig investieren, nur um sagen zu können, dass man so ‘Sau gut’ sei. Wir machen, was der Mehrheit der Bevölkerung dient.

Beispiele?

P. P.: Sanierung des Schwimmbades mit Kopplung der Holzschnitzelheizung zu andern Gebäuden, Baulanderschliessung hinter dem Zeughaus, das neue Verkehrskonzept, die Neugestaltung des Schlossgartens: Das sind Projekte, die der Bevölkerung und auch den Gästen dienen.

Genau diese Projekte werden ja kritisiert: Zu teuer und zu wenig Nutzen?

P. P.: Ach was. Wenn jemand selten oder nie ins Schwimmbad, wie ich selber, oder in den Schlossgarten geht, dann sieht er auch den Nutzen nicht. Aber wegen einzelnen Kritikern dürfen wir nicht darauf verzichten. Der neue Schlossgarten und das Schwimmbad sind jeden Franken wert. Wir sind aber bemüht, die Stadt besser zu verkaufen. Denn viele Leute kennen Brig nur als Verkehrsknotenpunkt - wenn diese dann die Altstadt besuchen, sind sie überrascht, wie schön es hier ist.

Stichwort Freizeit und Sport: Es macht den Eindruck, als ob Brig-Glis in Bezug auf Sport- und Freizeitanlagen konzeptlos vorgeht?

P. P.: Natürlich wäre es schön, wenn man vis-à-vis der Geschina ein Sportzentrum hätte. Doch momentan genügen die dezentralen Sportanlagen in Brig-Glis für die Bedürfnisse der Bevölkerung. Ein grosses Sportzentrum ist in den nächsten Jahren in Brig-Glis aus finanzieller Sicht nicht realisierbar.

Kommen wir vom Sport zur Gesundheit: Im Spital wird der Standort Brig Federn lassen müssen?

P. P.: Brig wird in Sachen Spital keine Federn lassen müssen. Wichtig ist für mich, dass man jetzt die Fusion durchzieht und den Verwaltungsrat paritätisch zusammensetzt. Dieser muss dann festlegen, wie Brig und Visp in Zukunft gewichtet werden. Eines ist klar: Es kann mit den Spitälern nicht so weitergehen wie bisher. Aber eine Lösung ist möglich, wenn die Spitalverantwortlichen von Brig und Visp das wollen.

Sie lassen sich also das Spital wegschnappen?

P. P.: Nein, auf keinen Fall! Der Staatsrat hat Brig mit seinem Vorschlag links liegen lassen. Damit können wir als Standortgemeinde nicht einverstanden sein. Aus dem Briger Spital soll nicht ein Alters- und Psychiatriezentrum entstehen. Das käme einem Getto für Alte und psychisch Kranke gleich. Aber wenn sich beide Seiten, Visp und Brig, einen Schritt näher kommen, können beide Spitäler gut weiterleben.

Nächstes Beispiel ist der Bahnhof Brig. Offenbar hat der Stadtrat die Situation als gottgegeben und damit falsch eingeschätzt?

P.P.: Nein, denn man ging beim Bau der NEAT davon aus, das Oberwallis an ein europäisches Hochgeschwindigkeitsnetz anzubinden. Da spricht man nicht von der Strecke Bern - Visp oder Brig, sondern von Hamburg - Basel - Mailand und Paris - Genf - Mailand. In diesen Dimensionen kann man nicht zwei Haltestellen im kleinen Oberwallis haben. Sonst läuft man Gefahr, die Haltestelle total zu verlieren. Schon aus Geschwindigkeitsgründen macht ein Halt in Brig mehr Sinn, ganz abgesehen von den Platzverhältnissen, die in Brig besser und teils ungenützt vorhanden sind.

Zwischen Brig und Visp tut sich ein eigentlicher Graben auf.

P. P.: Das Oberwallis ist der Verlierer in diesem Hahnenkampf. Aber noch können wir ja etwas dagegen tun. Visp war immer der Industriestandort im Oberwallis. Und Brig-Glis hat Visp dabei unterstützt, indem Briger Stadtrat und Bevölkerung die Lonzadeponie in Gamsen ermöglichten. Das ist ein wesentlicher Pluspunkt der Lonza. Im Gegenzug soll sich Visp aber auch von der Stärke Brigs fernhalten - denn Brig ist das Dienstleistungszentrum und das"Quartier Latin" des Oberwallis. Dass sich der Gemeinderat für seine Bevölkerung einsetzt, gehört sich so. Aber der Verteilkampf zwischen Brig und Visp ist völlig unnütz und von mir nicht gesucht.

Es gibt ja auch den Zweikampf OGA gegen VIFRA?

P. P.: Unabhängig vom Standort Brig-Glis, Visp oder Naters bin ich überzeugt, dass alles in einer Messe, in der Oberwalliser Gewerbeausstellung, integriert werden müsste. Das Einzugsgebiet im Oberwallis ist sehr klein. Eine Oberwalliser Gewerbemesse reicht.

Visp und Brig ist ja nur ein Schauplatz. Zwischen Brig und Naters ist die Koordination ja auch nicht gerade gut, wie das jüngste Beispiel mit dem UNESCO-Zentrum in Naters zeigt?

P. P.: Leider muss ich Ihnen da zustimmen. Ich und auch der Verkehrsverein erfuhren aus der Zeitung von der Idee, in Naters so ein Zentrum zu bauen. Gegen ein UNESCO-Zentrum ist nichts einzuwenden. Wenn aber neben dem Informationsbüro im Bahnhof Brig ein zweites touristisches Informationszentrum geschaffen werden soll, sieht es anders aus. Im Hinblick auf die Destination Aletsch müssen wir aufpassen, dass nicht wieder jeder nur sein eigenes Gärtchen bewirtschaftet. Dadurch gerät die Destination in Gefahr, auseinander zu fallen. Und dann verlieren wieder alle. Ich suche mit den umliegenden Gemeinden weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Und gerade bei der Natischer Präsidentin stosse ich auf offene Ohren. Wir müssen interkommunale Dienstleistungen besser und billiger anbieten.

In der immer rasanter werdenden Wirtschaftswelt ist zunehmend die Politik überfordert — ganz besonders ehrenamtliche Gemeinderäte?

P. P.: Ich würde nicht sagen, dass ehrenamtliche Ratsmitglieder überfordert sind. Was mir aber Sorgen bereitet, ist die zunehmende Schwierigkeit, fähige Leute von einer Kandidatur zu überzeugen. Denn Politik ist eine Knochenarbeit, in der nicht von Lohn, sondern von Ehre die Rede ist. Schade ist, dass heute die Wirtschaft nicht mehr ihre Leute unterstützt, um öffentliche Ämter zu übernehmen wie dies früher der Fall war. Es entsteht ein Graben zwischen der Politik und der Wirtschaft. Das Resultat: Politiker und Wirtschaftler werfen sich gegenseitig vor, nichts von der Sache zu verstehen.

Man könnte doch die Stadträte im Voll- oder Teilpensum anstellen?

P. P.: Das ist sehr heikel. Erstens ist dies eine grosse finanzielle Belastung für die Gemeinde. Und zweitens wird es auch für Politiker schwierig, wenn man abgewählt wird oder zurücktreten will, nach mehreren Jahren im angelernten Beruf wieder voll Fuss zu fas- sen. Aber eines möchte ich hier festhalten: Es braucht nicht nur Akademiker, um in einer Gemeinde Entscheide zu fällen. Das kann jeder vernünftig denkende Mensch - wenn er bereit ist, die Arbeit zu übernehmen, die hinter den Entscheiden steckt.

Plaudern Sie mal aus der Ratsstube: Wie gut funktioniert eigentlich die Blau-Rote Allianz noch?

P. P.: Im Gemeinderat gibt es doch keine Allianzen. Ich kann mich in meiner Amtszeit vielleicht an höchstens eine oder zwei Abstimmungen erinnern, wo die Fronten zwischen Mehrheits- und Minderheitsparteien klar zum Vorschein kamen. Es geht doch darum, in einem Rat Entscheide zu Gunsten der Bevölkerung zu fällen. An guten und weniger guten Entscheiden ist der ganze Rat beteiligt. Jedes Ratsmitglied und auch der Präsident muss sich an den Entscheid halten, ob es ihm passt oder nicht. Einzig im Wahlkampf wird dann das Wasser auf die eigenen Mühlen geleitet - aber das gehört zur Politik dazu.

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