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Franz Weissen ist Chorleiter aus Leidenschaft:

"Ein Chor ist Entspannung pur"

Oberwallis / Einen Chor zu leiten ist für ihn ein Genuss. Franz Weissen (52) blickt auf über 30 Jahre Chorleitung zurück - denkt aber auch laut über seinen Rücktritt nach.

Von Waldemar Schön

"Wenn es nach dem Willen von Oskar Lagger gegangen wäre, hätte ich am Konservatorium Gesang studieren sollen", blickt Franz Weissen lächelnd über 30 Jahre zurück. Er habe sich damals am Lehrerseminar anders entschieden und sei beim Lehrerberuf geblieben - über 20 Jahre. Heute ist der 52jährige Adjunkt beim Walliser Erziehungsdepartement. Ohne allerdings die Musik links liegen zu lassen. Seit 31 Jahren nimmt das Walliser Chorwesen einen grossen Stellenwert in dem Leben des Wahlbrigers ("eigentlich bin ich aus Unterbäch") ein.

Der letzte Sander
"Ein Chor heisst für mich in erster Linie Entspannung pur. Wenn ich Sport treibe, Velo oder Langlauf, spukt mir immer etwas im Kopf herum. Nur bei der Musik kann ich vollständig abschalten und den Alltag ausknipsen." Sagts und genehmigt sich einen kleinen Schluck Johannisberg. Als 20jähriger Chorleiter in Turtmann und heute Leiter des Kirchenchors Sitten - und natürlich des Oberwalliser Volksliederchors, und das schon seit 15 Jahren. "Vielleicht schon zu lange", wirft Weissen schelmisch dazwischen. Aber das neuste Projekt des Volksliederchors geht er mit viel Enthusiasmus an. Die musikalische Leitung bei der Aufführung des ‘Letzten Sanders’ Ende Mai Anfangs Juni ist für ihn Herausforderung und Genugtuung zugleich.

Kampf für Öffnung
Herausforderung, weil es nicht einfach ist, einem stark traditionsorientierten Chor neue Töne beizubringen. Genugtuung, weil er die Chance hat, diese neuen Töne an die Sängerinnen und Sänger heranzutragen. "Ich setze mich für eine Öffnung des Oberwalliser Volksliederchors ein. Seine Hauptaufgabe soll zwar weiterhin der Erhalt des Walliser Volksliedes sein. Aber das darf durchaus auch mit neuen und modernen Tönen geschehen", meint Weissen. Damit entfernt er sich schon stark von seinen Dirigentenvorgängern beim Volksliederchor, Felix Schmid und Adolf Imhof, die selber Volkslieder schrieben und diese auch zur Aufführung brachten. Und wie reagieren die Chormitglieder auf die neuen Lieder von Oskar Lagger, die sehr gradlinig und schnörkellos daherkommen? "Am Anfang eher zurückhaltend, skeptisch. Aber je stärker sich die Leute mit den neuen Liedern auseinandersetzten, desto besser gefielen sie ihnen", fasst Dirigent Weissen zusammen.

Letztes Projekt?
Im Mai steigt das Lampenfieber und die Proben werden sich häufen. Bis zu drei Mal pro Woche werden dann Chor und Schauspieler auf der Bühne stehen, bis am 26. Mai die Premiere des ‘Letzten Sanders’ fällig ist. "Schon ein grosser Aufwand, der aber Freude macht", so Weissen. "Denn schliesslich bin ich auch ein ‘Theaternool’, habe selbst schon in Steg beim ‘Sander’ Regie geführt." Er lässt aber auch durchblicken, dass dies sein letztes Projekt mit dem Volksliederchor sein könnte. "15 Jahre sind eine lange Zeit. Ich warte nur auf die Regelung meiner Nachfolge." Eine Sorge, die ihn auch beim Anblick der Chöre beschäftigt. "Die Chorqualität im Oberwallis hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Aber der Nachwuchs fehlt. Das Durchschnittsalter der Chöre steigt. Und das Angebot an verschiedensten Chören ist mittlerweile gewaltig." Vielleicht mit ein Grund, weshalb dem Oberwalliser Volksliederchor eine Neuorientierung gut anstehen würde. Franz Weissen: "Vom Resultat kann sich jeder beim ‘Letzten Sander’ überzeugen lassen."

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