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Neues
Ausbildungssystem für Gesundheitswesen
Pflegeberuf
wird aufgewertet
Visp
/ Die Pflegeberufe haben in den letzten Jahren an Attraktivität verloren.
Das könnte sich jetzt ändern. Ab diesen Herbst startet in der Westschweiz,
und damit auch im Wallis, ein neues Ausbildungssystem für den Bereich
Gesundheit.
Von
Tamara Locher
"Mit der Unterstellung der Pflegeberufe zum Bundesamt für Berufsbildung
und Technologie, kurz BBT, bekommen die Gesundheitsberufe ein neues Ausbildungssystem
", erklärt Eva-Maria Näpfli, Ausbildungsverantwortliche des Spitals Visp.
Bis jetzt waren die Pflegeberufe dem SRK, Schweizerischen Roten Kreuz,
unterstellt und stellten damit einen Sonderfall in der Berufsbildung dar.
Das ändert sich jetzt.
Ausbildung
jetzt
Um in die Gesundheitsbranche einzusteigen, musste man bis jetzt zwei Jahre
DMS (Diplommittelschule), die Matura, den Handel oder eine Berufslehre
machen. Danach konnte man die dreijährige Ausbildung in Gesundheits- und
Krankenpflege, besser bekannt als Krankenschwesterausbildung, absolvieren
und erhielt das Diplomniveau I. Mit einem zusätzlichen Jahr erreichte
man das Diplomniveau II. "Diese Unterteilung in zwei Diplomniveaus hat
sich jedoch nicht bewährt", weiss Eva-Maria Näpfli aus Erfahrung. Neun
Jahre wurde dieses System durchgeführt und im Januar 2002 wird es zum
letzten Mal angeboten. Mit dem neuen Ausbildungssystem hat man jetzt die
Möglichkeit, über zwei Wege in das Gesundheitswesen einzusteigen. Ausserdem
werden neu Fachhochschullehrgänge eingerichtet.
Neue
Ausbildung
Der "berufsgestützte" Weg dauert drei Jahre und bietet die Bereiche Hauswirtschaft,
Hauspflege und Pflege an. Diese Ausbildung kann direkt nach der obligatorischen
Schulpflicht in Angriff genommen werden. Nach Abschluss dieser Ausbildung
erhält man einen eidgenössischen Fähigkeitsausweis und kann sich beruflich
im Gesundheits- und Sozialbereich betätigen. Voraussetzung für einen Übertritt
in eine Fachhochschule ist für diesen Weg eine einjährige Berufsmatura.
Der "schulgestützte" Weg sieht ähnlich aus wie der bisherige. Einziger
Unterschied: Drei Jahre DMS anstatt zwei. Der Unterschied dieser beiden
Ausbildungswege liegt auf der Hand. Margreth Müller, Ausbildungsverantwortliche
des Spitals Brig: "Mit dem "berufsgestützten" Weg bekommt man schon während
der Ausbildung einen Einblick in den praktischen Bereich." Beide Ausbildungswege,
bei der DMS das dritte Jahr, werden im Wallis ab dem Herbst 2001 angeboten.
Fachhochschule
Der Entscheid, dass es in der gesamten Westschweiz 18 Standorte der Fachhochsschule
für Gesundheit und Soziales gibt, wurde im Januar 2001 gefällt. Im Oberwallis
wird es eine solche Fachhochschule in Visp und in Leukerbad geben. Das
erste Mal wird der Fachhochschullehrgang im Herbst 2002 angeboten. Nach
drei Jahren erreicht man das Berufsdiplom. Hängt man noch ein Jahr dran,
erreicht man den Fachhochschulabschluss. Die Berufsbezeichnungen sind
noch nicht definitiv. Der Begriff "Krankenschwester" wird wahrscheinlich
aus dem Gesundheitsbereich verschwinden.
Kurze
Übergangszeit
"Diese Bildungsreform ist gesamtschweizerisch gültig. In der Deutschschweiz
ist die Fachhochschule jedoch anders aufgebaut und das Wallis zählt zur
Westschweiz", erklärt Sylvia Z’Brun Schnyder, Zentrumsverantwortliche
der Walliser Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege Visp. Und genau
hier sehen die Ausbildungsverantwortlichen eventuelle Schwierigkeiten.
"Grundsätzlich finde ich das neue Ausbildungssystem gut, besonders auch
den Wechsel zum BBT", fährt Sylvia Z’Brun Schnyder fort. "Nur hätte ich
es lieber gesehen, wenn die Übergangszeit ein wenig länger angedauert
hätte. Es bleibt sehr wenig Zeit, um die grossen Veränderungen seriös
umzusetzen." Westschweizern wird diese schnelle Änderung weniger Probleme
bereiten. Haben doch jetzt schon 80 Prozent der Pflegeberufsabsolventen
die Matura. In der Deutschschweiz sind es deren gerade 15 bis 20 Prozent.
Ein positiver Aspekt ist aber sicherlich, dass durch die Enstehung eines
Fachhochschullehrganges die Forschung in der Pflege mehr Gewicht erhält
und die theoretische Ausbildung intensiviert wird. "Wir hoffen auch, dass
dadurch die Pflegeberufe im Oberwallis für Jugendliche wieder attraktiver
werden", meint Eva-Maria Näpfli optimistisch. Ebenfalls will man sich
um eine Zusammenarbeit mit der Deutschschweiz bemühen, um das Ganze noch
attraktiver zu gestalten.
Dass
noch viele Fragen und Unklarheiten im Raum herum schwirren ist normal.
Denn wie bei jedem neuen System wird auch hier die Zeit zeigen, wo die
Probleme und Chancen liegen. Eine berufspolitische Gefahr kann jedoch
zu diesem Zeitpunkt benannt werden. Nämlich, dass aus finanziellen Überlegungen
Pflegende mit Fähigkeitsausweis angestellt werden und damit klar eine
Verschlechterung der Pflegequalität in Kauf genommen wird. Das hat jedoch
weniger mit dem Ausbildungssystem als mit den Entscheidungsträgern im
Gesundheitswesen zu tun. Trotzdem sind die Ausbildnerinnen von Schule
und Praxis der Überzeugung, dass die Chancen dieser neuen Bildungssystematik
voll genutzt werden müssen.
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