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"Spitalschliessungen
würden zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führen"
Visp / Als Nachfolger von Peter Bodenmann trat er an, wollte die Politik
der Öffnung im Wallis fortsetzen und musste sich vor allem mit zwei heissen
Staatsdossiers auseinandersetzen: Walliser Elektrizitätsgesellschaft und
Spitalkonflikt. Staatsrat Thomas Burgener zum Gesundheitsstand der Walliser
Spitäler, zum Verhältnis Ober/Unterwallis und zu seinen Wahlchancen.
Von
Waldemar Schön
und German Escher
Mit
der Wahl eines SP-Vertreters in den Staatsrat war viel von Öffnung die
Rede. Was hat sich in den letzten vier Jahren in der Republik Wallis geöffnet?
Thomas
Burgener: Sicherlich hat sich das politische Image des Kantons auf Schweizer
Ebene verbessert, weil jetzt auch die Partei in die Regierung eingebunden
ist, die in der Bundesversammlung tonangebend ist. Die Wahl der SP in
die Regierung hat auch die Kontrolle innerhalb des Staatsrates verstärkt.
Die Dossiers "miessend öi im Staatsrat
verhä". Und wenn etwas nicht sauber läuft, wird dies heute viel eher publik
als noch vor ein paar Jahren.
Ist
jetzt aber eine transparentere Politik Tatsache geworden?
Th.
B.: Als ich als Grossrat einer Regierung mit vier C- und einem FDP- Vertreter
gegenüberstand, kam ich an Informationen oft gar nicht ran. Wer heute
Infos will, der erhält diese auch - insofern nicht der Persönlichkeitsschutz
oder das Steuergeheimnis dagegen sprechen. In Sachen Information hat ganz
klar ein Kulturwandel stattgefunden. Und bei Ernennungen wird heute unabhängig
vom Parteibuch die beste Bewerbung berücksichtigt.
Damals
war auch von Aufräumen im Verwaltungsapparat die Rede — etwa im Baudepartement.
Aber das Beamtendenken dominiert nach wie vor.
Th.
B.: Die Anstrengungen bezüglich einer bürgernahen Verwaltung müssen verstärkt
werden. Aber vor allem die Informationspolitik gegenüber dem Bürger hat
sich verbessert. Praktisch alle wichtigen Dokumente sind über Internet
(www.vs.ch; die Red.) abrufbar. Zum Teil mag bei den Beamten in Sachen
Information noch eine gewisse Zurückhaltung herrschen. Aber ich halte
die Leute in meinem Departement an, gegenüber Bevölkerung und Medien offen
zu " Wir können die Spitäler nicht zu Fusionen zwingen" sein. Auch wenn
Spitzenbeamte ungerechtfertigt von Grossräten angegriffen werden, wie
das Beispiel des Kantonsarztes zeigt. Denn es ist einfach, auf der einen
Seite offene Information zu fordern und sich auf der andern Seite als
Grossrat hinter der parlamentarischen Immunität zu verstecken, um strafrechtlich
relevante Vorbehalte über Dr. Dupuis zu verbreiten. Das ist unter jedem
Niveau!
Thema
Baudepartement?
Th.
B.: Hier will man den Gebäuden ausserhalb der Bauzone mit mehr Kontrolleuren
zu Leibe rücken. Das ist in meinen Augen falsch. Denn was fehlt, sind
nicht die Anzeigen bezüglich Bausünden. Es fehlt der politische Wille,
solche widerrechtlich erstellten Gebäude auch abzureissen. Wenn es im
Vollzug hapert, muss nicht der Beamtenapparat zusätzlich aufgebläht werden.
Die
SP-Regierungsbilanz ist zumindest zwiespältig. Als Peter Bodenmann vor
vier Jahren das Gesundheitsdepartement übernahm, lobte er Deferrs Spitalpolitik.
Heute stehen wir vor einem Scherbenhaufen?
Th.
B.: Das Problem des Staatsrates in der Spitalpolitik ist, dass er die
einstimmig getroffenen Entscheide nicht umsetzen kann. Wir können die
Spitäler nicht zu Fusionen zwingen, weil die Spitäler im Besitz der Gemeinden
sind. Es gibt zwei Möglichkeiten: In Bern oder Zürich schloss man einige
Spitäler vom Akutbereich aus. Spitalschliessungen würden aber im Wallis
zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führen. Und mit Bürgerkrieg kann man
" Wir können nicht frei bestimmen, was in der Spital- und Energiepolitik
läuft" keine Spitalpolitik machen. Wir wählen die zweite Möglichkeit,
indem wir den Spitälern selbst die Möglichkeit geben, über das Wie und
den Umfang der Zusammenschlüsse zu entscheiden. Tatsache ist: Es kann
auf dem kleinen Raum Brig-Visp nicht zwei Spitäler mit dem selben Angebot
geben.
Nach
dem Streit zwischen den Spitälern spitzt sich jetzt der Konflikt zwischen
den Spitälern und Ihnen als Staatsrat zu?
Th.
B.: Das Klima hat sich im Verlauf des letzten Jahres verschlechtert, weil
wir nicht allen Wünschen der Spitäler gerecht werden können. Visp ist
nicht mit mir zufrieden, weil ich ihrem Ansinnen nicht nachgekommen bin,
den Akutbereich in Brig zu schliessen. Und Brig ist nicht zufrieden mit
mir, weil ich ihnen ihre Forderungen nicht auf dem Tablett serviere, nur
weil sie in letzter Zeit etwas braver waren.
Die
Gesundheitspolitik ist Ihr besonderes Sorgenkind. Denn jeder im Wallis
ist davon direkt betroffen?
Th.
B.: Das ist bei der Energiepolitik auch nicht anders. Denn in beiden Orten
haben wir ein Problem: Wir können nicht frei bestimmen, was in der Spital-
und Energiepolitik läuft. Wir haben es mit Partnern zu tun, mit denen
gemeinsame Lösungen gefunden werden müssen. Aber es stimmt: Das Spitalwesen
wirkt sich natürlich viel direkter auf den Bürger aus, wenn er einen Monatslohn
für die Prämien abliefern muss. Es gibt aber in der Gesundheitspolitik
auch positive Meldungen. So konnten in Leukerbad die Rheumaklinik und
die Neurologische Fachklinik zusammengeführt und dadurch Wissen und Arbeitsplätze
erhalten werden. Vor allem für Leukerbad, das unter den Fehlern der ehemaligen
CVP-Grössen leidet, ist dies ein sehr wichtiger und positiver Entscheid.
Die kantonale Rettungsorganisation konnte unter meiner Führung auch einer
guten Lösung zugeführt werden.
Thema
Energiepolitik: Hier schlummert das zweite Sorgenkind?
Th.
B.: Das ist ein schwieriges Dossier, das ich da geerbt habe. Hier muss
ich die Suppe auslöffeln, die andere gekocht haben. Denn ich habe als
Visper Gemeinderat dagegen gekämpft, dass die WEG die ROWAG kauft - und
das, wie man heute weiss, zu einem überhöhten Preis. Ich stand vor der
Wahl, " Man hat das Gefühl, dass sich die Spannungen im Kanton vergrössern"
die WEG mittelfristig in den Konkurs zu schicken oder sie mit 150 Millionen
Franken aus einem Fonds wieder auf Kurs zu bringen. Aber mit diesen 150
Millionen ist das Problem nicht gelöst. In der Westschweiz hat man sich
jetzt mit anderen Gesellschaften zu einer Stromhandelsgesellschaft zusammengeschlossen.
Und mit weiteren Partnern geht man Betriebsgesellschaften ein.
Streben
Sie nach Ihrer Wiederwahl einen Departementswechsel an?
Th.
B.: Spital- und Energiepolitik sind sehr schwierige Angelegenheiten und
ich denke nicht, dass sich die anderen Staatsräte darum reissen werden.
Ich wurde auch nicht gewählt, um mich mit einfachen Dingen zu beschäftigen,
sondern um meinen Job als Staatsrat möglichst gut zu erledigen. Rochaden
stehen aber sicher an. Denn ich gehe davon aus, dass die FDP das Erziehungsdepartement
nicht wird halten können.
Nimmt
man den Autobahnbau, die NEAT und die Bahnhoffrage, müsste das Baudepartement
ins Oberwallis wechseln?
Th.
B.: Peter Bodenmann wollte damals aus diesen Gründen das Baudepartement,
erhielt es aber nicht. Und es wäre sicher ein Departement, das auch mich
interessieren würde. Aber ich bin gerade mal 20 Monate im Amt und habe
Freude an meinen Dossiers. Zu den Departementen nur dies: Man sollte das
Fell des Luchses nicht verkaufen, bevor man den deutschen Touristen gefunden
hat!
Gibt
es so etwas wie eine Oberwalliser Koalition zwischen Ihnen und Staatsrat
Schnyder?
Th.
B: : Wir sind als Oberwalliser auch gewählt, um dafür zu sorgen, dass
das Oberwallis im ganzen Umzug nicht unter die Räder kommt und dass die
legitimen Anliegen der sprachlichen und kulturellen Minderheit vertreten
werden. Auch wenn alle Sitzungen im Staatsrat auf Französisch abgewickelt
werden (lacht).
Sie
fahren jeden Tag von Visp nach Sitten: Wie erleben Sie das Verhältnis
Ober- und Unterwallis?
Th.
B.: Abstimmungsergebnisse zeigen, dass im Ober- und im Unterwallis unterschiedliche
Positionen vertreten werden. Hier ist es auch meine Aufgabe, das Unterwallis
für die Anliegen des oberen Kantonsteils zu sensibilisieren.
Stop:
Staatsratssitzungen laufen nur auf Französisch, Unterwalliser Grossräte
rebellieren, wenn nicht Französisch gesprochen wird, Erziehungschef Serge
Sierro spricht nach zehn Jahren als kantonaler Bildungschef immer noch
nicht Deutsch: Da stimmt doch etwas nicht?
Th.
B.: (nachdenklich) Es gibt nicht viele Anlässe mehr, an denen sich Ober-
und Unterwallis treffen. Früher war das noch der FC " Sieben Staatsräte
wären zwei zuviel" Sitten, heute vielleicht noch der Ringkuhkampf in Aproz.
Es gibt sogar Leute, die sagen, dass man Englisch fördern soll, damit
sich Ober- und Unterwalliser Jugend wieder verstehen. Man hat das Gefühl,
dass sich die Spannungen im Kanton vergrössern.
Werden
nicht allmählich Unterwalliser Machtgelüste auf den zweiten Oberwalliser
Sitz frei?
Th.
B.: Dieser Prozess ist sicherlich im Gang. Aber gerade meine Wahl hat
ja gezeigt, dass erstens die SP in der Regierung bleiben und zweitens
das Oberwallis zwei Sitze behalten soll.
Wie
steht es mit der Aufstockung des Staatsrates?
Th.
B.: Ich habe immer gesagt, dass sieben Staatsräte zwei zuviel sind. Denn
alles wird doch nur darauf hinauslaufen, dass sowohl die Oberwalliser
wie auch die Unterwalliser C-Flügel je mit einem Staatsrat vertreten sind.
Zurück
zu den bevorstehenden Wahlen: Sie machen einen lockeren Eindruck. Gehen
Sie so siegessicher in die Bestätigungswahl?
Th.
B.: Ich gehe nicht übermütig in den Wahlkampf. Denn es gibt "unterirdische
Strömungen" bei den Oberwalliser C-Parteien, die dafür sorgen wollen,
dass ich im ersten Wahlgang kein gutes Resultat mache. Dann möchte man
mich im zweiten Wahlgang mit einem CVPO-Kandidaten bedrängen. Mein Ziel
ist es also, im ersten Wahlgang ein möglichst gutes Resultat zu erzielen,
um den Machtgelüsten einiger Parteistrategen der Oberwalliser C-Parteien
Paroli zu bieten.
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