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"Nur
ein Oberwalliser Staatsrat wäre nicht tragbar"

Steg / Sein Departement liegt unter Beschuss. Die Affäre Leukerbad
wiegt schwer. Diesen Rucksack will aber CSP-Staatsrat Wilhelm Schnyder
auch in den nächsten vier Jahren tragen. Er zieht Bilanz vor seiner letzten
Staatsratswahl und sagt: "Es ist schwierig, der Oberwalliser Minderheit
in Sitten Gehör zu verschaffen."
Von German Escher und
Waldemar Schön
Vor vier Jahren wurden Sie als einziger bereits im ersten Wahlgang
gewählt. Geht es diesmal auch so locker?
Wilhelm Schnyder: Ein Wahlausgang ist immer schwierig zu prognostizieren.
Ich trage jetzt vier Jahre länger den Rucksack, der mit den Dossiers im
Finanz- und Volkswirtschaftsdepartement derzeit besonders schwer wiegt.
Es könnte diesmal wohl für den zweiten Wahlgang reichen.. (schmunzelt)
Der
Staatsrat und ihr Departement kamen — etwa im Fall Leukerbad — unter Beschuss.
Sind Sie unter Druck?
W.S.: Überhaupt nicht. In der Volkswirtschaft haben wir sehr gute Ergebnisse
vorzuweisen. Die Arbeitslosigkeit ist innert vier Jahren von acht Prozent
auf durchschnittlich zwei Prozent gesunken. Ein ähnliches Bild bei den
Kantonsfinanzen: 90 bis 94 hatte der Kanton einen Fehlbetrag von einer
halben Milliarde. Von 95 bis 99 waren es noch rund 100 Millionen. Das
zeigt: Wir haben in der Finanzpolitik wichtige Pflöcke eingeschlagen.
Es stimmt, dass es auch Probleme — etwa den Fall Leukerbad — gibt. Aber
das kann man nicht immer verhindern.
Der
Kanton will Schulden abbauen und trotzdem werden die Steuern gesenkt?
W.S.: Das ist absolut vernünftig. Der Kanton Schwyz hat bewiesen, wie
man es machen muss. Der CVP-Finanzdirektor von Schwyz hat innert 16 Jahren
fünfmal die Steuern reduziert und trotzdem ein besseres Gesamtergebnis
präsentiert. Es gibt ein grosses Potential an wohlhabenden Personen. Und
wir stellen fest, dass sich immer mehr Personen mit grossen Einkommen
im Wallis niederlassen. Diese Entwicklung hält nur an, wenn wir die Steuern
senken. Ich bin klar der Meinung: Steuern senken heisst nicht, dass man
auch weniger Steuern einnimmt.
Kann
sich der Kanton eine Steuersenkung leisten?
W.S.: Wenn wir keine Gesetzesrevision machen würden, nähmen Kanton und
Gemeinden rund 100 Millionen mehr ein. Das heisst aber nicht, dass wir
100 Millionen gegenüber heute verlieren werden. Der Grund: Die Wirtschaft
hat sich derart erholt, dass dadurch die Steuersenkung praktisch ausgeglichen
wird. Für das letzte Rechnungsjahr werden die Steuereinnahmen rund 30
Millionen Franken über dem Budget liegen.
Regierung und Parlament wollen sparen, aber stellten als Wahlgeschenk
20 Millionen für die Hotellerie zur Verfügung?
W.S.:
Der Kanton wird sich nicht mit 20 Millionen zusätzlich verschulden. Wir
haben einen Investitionshilfefonds. Und aus dieser Kasse fliessen zusätzlich
20 Millionen in den Bereich der Hotellerie. Das Abstimmungsresultat im
Grossen Rat war klar. Natürlich kann man sich fragen, ob man bestehende
Strukturen so erhalten soll. Aber mit diesem Betrag kann man rund 100
Hotelbetriebe auf ein Niveau bringen, auf dem sie überleben können. Das
ist für die gesamte Hotellerie im Kanton wichtig. Wenn man in Siders kein
Hotel mehr hat und in Sitten sind es vielleicht noch drei Betriebe, dann
passt das einfach nicht zu einem Tourismuskanton.
Aber
der Schreiner erhält ja auch keine Unterstützung für seine veraltete Werkstatt?
W.S.: Das ist richtig. Aber der Schreinermeister profitiert von den Renovationsarbeiten.
Dieselbe Frage kann man sich bei der Steuererleichterung für einen Konzern
wie Alusuisse stellen. Aber die Alusuisse erteilt im Raum Chippis-Siders-Steg
pro Jahr Aufträge für rund 100 Millionen Franken. Davon profitieren auch
kleinere und mittlere Betriebe.
Müsste der Kanton nicht besser die Tourismuspolitik intensivieren und
Wallis Tourismus stärken?
W.S.: Die finanzielle Unterstützung ist das eine. Noch wichtiger sind
die Visionen im Tourismus. Und gerade im Tourismus eröffnet uns die NEAT
neue Chancen. Der Gast aus Bern muss dann möglichst schnell und unkompliziert
unsere Kurorte erreichen können. Aber dazu braucht es noch eine engere
Zusammenarbeit. Wir müssen uns von der Kirchturmpolitik verabschieden.
Aber
im politischen Alltag ist der Regionalismus wichtiger.
Das zeigt doch auch das Bahnhof-Seilziehen zwischen Brig und Visp.
W.S.: Entscheidend ist ja nicht, ob Brig oder Visp zur Eisenbahn-Drehscheibe
wird. Wichtiger ist ein zukunftsorientiertes und kundengerechtes Angebot.
Bei der Bahnhoffrage geht es letztlich darum, wie und in welchem Raum
dieser ausgestaltet werden kann, damit man dem Gast den bestmöglichen
Service bieten kann. Ich habe Verständnis für die Gemeinden, die sich
für ihren Standort und Stärken einsetzen. Das darf aber nicht dazu führen,
dass man allfällige Lösungen, die für die ganze Region besser sind, verhindert,
nur weil eine andere Gemeinde etwas mehr profitiert.
Aber
solche Impulse sind für Gemeinden wichtig. Abgesehen vom Call-Center ist
die Ansiedlungspolitik der Walliser Wirtschaftsförderer ja keineswegs
berauschend?
W.S.: Sind wir ehrlich: Es wird unmöglich sein, in unseren Seitentälern
neue Industrien anzusiedeln. Die Scintilla ist ein Ausnahmebeispiel. Aber
die neuen Technologien eröffnen Perspektiven für das Berggebiet. Wir haben
ein entsprechendes Leitbild verabschiedet und auch einen Delegierten für
die neue Kommunikationstechnologie eingesetzt. Bei der Eingabe des Contact-Centers
in Brig oder in der Frage der Satellitenbodenstation in Leuk hatten wir
mit Erfolg die Federführung. Weitere, kleinere Projekte wie etwa die Förderung
eines kleinen Informatikbetriebs im Goms sind im Gang. Aber auch sonst
kann sich unsere Wirtschaftsförderung sehen lassen. Nur zwei Beispiele:
Die Weltgesundheitsorganisation will in Vouvry ein grosses Projekt realisieren.
Die Biotechfirma Debio in Martinach ist Weltspitze.
Themawechsel:
Wie sieht die künftige Oberwalliser Spitallandschaft aus?
W.S.: Erstens: Im Zentrum jeder Spitalpolitik muss der Patient stehen.
Zweitens: Es muss finanzierbar sein. Die Walliser Regierung kann die Lösungen
aber nicht von oben herab befehlen. Dann würden sich weite Kreise gegen
den Staatsrat stellen — und wir hätten noch immer keine Lösung auf dem
Tisch. Lösungen sind also nur im Dialog mit den Spitälern möglich.
Sehen
Sie künftig auch ein Oberwalliser Spital an zwei Standorten?
W.S.: Das kann ein erster Schritt sein. Man kann aber noch weiter gehen.
Nur ein Spital an einem neuen Standort ist in 20 Jahren durchaus möglich.
Da könnten beispielweise der Erreichbarkeit oder Erdbebensicherheit besser
Rechnung getragen werden. Ein solches Szenario ist durchaus denkbar.
Sie
werden der amtsälteste Staatsrat sein. Liebäugeln sie mit einem Departementswechsel?
W.S.: Mein Traumjob war früher das Erziehungsdepartement. Dank sehr viel
Überzeugungsarbeit konnten wir beim Staatspersonal und bei der Lehrerschaft
eine halbe Milliarde sparen. Bei uns ging niemand auf die Strasse, weil
in der wirtschaftlich schwierigen Zeit die Notwendigkeit unbestritten
war.
Aber jetzt machen die Lehrer mobil.
W.S.: Das grösste Problem ist die Überbeanspruchung jener Lehrpersonen,
die schon über 30 Jahre in der Schulstube stehen. Hier braucht es neue
Modelle. Es wäre möglich, dass der Lehrer in jüngeren Jahren etwas länger
Schule gibt, um dann nach dem 50. Altersjahr diese Arbeitszeit wieder
kompensieren zu können. Eines ist klar: Es ist nicht möglich, hier wesentlich
mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Aber zurück zum Departementswechsel:
Wenn ich noch acht Jahre im Staatsrat bleiben würde, wäre das Erziehungsdepartement
verlockend. Da ich aber zum letzten Mal als Staatsrat kandidiere, kommt
ein Wechsel kaum in Frage.
NEAT,
Autobahn und Bahnhof sind wichtige Oberwalliser Anliegen. Eigentlich müsste
das Baudepartements ans Oberwallis gehen?
W.S.: Dieses Departement wird vom jetzigen Amtsinhaber seit vier Jahren
sehr gut geführt. Hier einen Wechsel anzustreben, ist daneben.
Das war jetzt ein schwarz-gelber Schulterschluss.
W.S.: Sehen Sie: Ich bin in meinem Departement sehr zufrieden. Wir haben
ein Problem. Zum grossen Finanzdepartement kam noch die Volkswirtschaft
hinzu. Da wird der Rucksack schon sehr gross. Hier muss der Staatsrat
unabhängig vom Amtsinhaber eine Korrektur vornehmen.
Sie
selber haben auch schon von einem siebenköpfigen Staatsrat gesprochen?
W.S.: Als anlässlich eines Radiogesprächs, an dem alle Kandidaten anwesend
waren, über diese Frage diskutiert wurde, haben sich sechs von sieben
dafür ausgesprochen. Sechs Kandidaten sprachen sich für Proporz, einer
für Majorzwahlen aus.
Staatsrat
Burgener vertrat im RZ-Interview aber die Meinung, dass sieben Staatsräte
zwei zuviel wären...
W.S.: Wenn man heute die Pflichtenhefte der Staatsräte ansieht und wenn
man davon ausgehen muss, dass das Oberwallis trotz eines Wähleranteils
von 34 Prozent bei einer Fünfer-Besetzung vielleicht nur noch einen Staatsrat
haben wird, muss man sich die Aufstockung doch gründlich überlegen.
Provokative
Behauptung: Weil die SP künftig im Staatsrat sitzen wird, sind Sie der
letzte "gelbe" Oberwalliser Staatsrat überhaupt?
W.S.: Das würde in letzter Konsequenz heissen, dass das Oberwallis dann
nur noch einen Staatsrat haben würde. Irgendwann wird die SP Unterwallis
ja den SP-Sitz beanspruchen. Der einzige Oberwalliser Sitz ginge dann
wohl an die CVPO. Dem deutschen Kantonsteil nur einen Staatsrat zu geben,
würde zu riesigen Auseinandersetzungen führen. Nur ein Oberwalliser Staatsrat
wäre nicht tragbar. Bereits heute ist es in Sitten schwierig, sich als
sprachliche Minderheit Gehör zu verschaffen. Selbst wir Staatsräte müssen
Französisch sprechen, um gehört zu werden. Umso wichtiger ist es, dass
das Oberwallis mit zwei Staatsräten vertreten ist. Darum bin ich überzeugt,
dass die CSPO aufgrund ihrer starken Verankerung in den Gemeinden und
Bezirken auch künftig einen Staatsrat stellen wird.
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