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"Ich bin in der Tat vom Hockeyvirus befallen"

Visp / Heute Abend kommt es in Lausanne zum grossen Showdown zwischen Visp und Lausanne um den Einzug in den Hockeyfinal der NLB. Als Baumeister des Erfolges im Hintergrund gilt Pius-David Kuonen, TK-Chef des EHC Visp. Er nimmt Stellung zu Hockeyträumen und Finalchancen und sagt ganz klar: "In einer Kommerzliga hat der EHC Visp nichts verloren!"

Von Waldemar Schön und
Walter Bellwald

Schweben Sie im Moment im siebten Hockeyhimmel?
Pius-David Kuonen: Wir waren immer überzeugt, dass wir eine gute Rolle in der NLB spielen können (schmunzelt). Im siebten Himmel schwebe ich deshalb nicht. Aber es ist eine riesige Genugtuung, dass die grosse Arbeit durch den sportlichen Erfolg belohnt wurde.

Sie gelten als der stille Bauer des EHC-Erfolges?
P.-D. K.: Das ist schön, aber alleine gar nicht möglich. Denn der Erfolg des EHC beruht auf Teamwork. Natürlich stehe ich mehr im Zentrum, weil ich die Verantwortung für die Spielerauswahl trage, seit bald 20 Jahren im Hockeybusiness tätig bin und über sehr gute Kontakte verfüge. Und Kontakte schaden ja nur dem, der sie nicht hat. Aber die Meriten auf mich alleine zurückzuführen ist vermessen.

Hand aufs Herz: Haben Sie jemals daran gedacht, Ende Saison vor der Türe zum Final zu stehen?
P.-D. K.: Nein, das ist auch für mich eine sehr schöne Überraschung. Dass wir es in die Finalrunde der acht Besten schaffen, stand für mich immer fest. Aber Lausanne, den Favoriten, mit dem höchsten Budget an den Rand der Niederlage zu bringen, ist ein sehr schönes Gefühl - ob wir nun heute den Final erreichen oder nicht. Das zeigt mir, dass im Sport eben alles möglich ist und gute Arbeit belohnt wird. Geld ist im Sport sehr wichtig, aber das Herz ist entscheidend. Und Spiele werden auf dem Eis und nicht im Checkbuch entschieden.

Sie haben kein Gesuch um die Aufnahme in die NLA gestellt. Rächt sich das jetzt?
P.-D. K.: Dass wir nicht in die NLA aufsteigen können, ist für mich kein Problem. Denn in einer reinen Kommerzliga hat der EHC Visp nichts verloren. Wir stossen bereits mit 1,35 Millionen Budget an die Grenzen. Wo sollten wir da 5 Millionen für die NLA hernehmen?

Da schon am 30. März die NEUWA anfängt, können Sie die Finalserie ja gar nicht auf eigenem Eis fertigspielen?
P.-D. K.: Wir sind noch nicht im Final. Und wenn das der Fall sein sollte, werden wir trotz der knappen Zeit die Saison in der eigenen Halle zu Ende spielen können. Das ist mit der Litternagenossenschaft so abgesprochen.

Sie spielen mit dem tiefsten Ligabudget um den Einzug ins Final. Vermutlich sind alle TK’s der Nationalliga scharf auf Tipps von Ihnen, wie man mit so wenig Geld solche Resultate herzaubert? Her mit dem Geheimnis!
P.-D. K.: (lacht) Das ist einfach: Wir bieten in Visp ein sehr gutes Umfeld an, in dem sich die Spieler wohl fühlen und entwickeln können. Wir haben Spieler nach Visp geholt, die keinen Namen hatten und erst durch das Umfeld in Visp zu diesen Leistungen kamen. Zudem haben wir seit Jahren mit Bruno Zenhäusern und jetzt Bruno Aegerter sehr gute Trainer, die von den Spielern geschätzt werden. Und wir geben den Spielern nicht nur auf dem Eis die Chance, sich zu entwickeln, sondern auch daneben. Denn die jungen Spieler können sich hier gut aufbauen und sich im Schaufenster präsentieren, weil sie nicht den selben Druck erhalten, wie dies in Lausanne oder Olten der Fall wäre.

Wie steht es mit der Entlöhnung, vor allem bei den Ausländern?
P.-D. K.: Laplante und Ketola sind Profis und spielen sicher nicht nur für ein Butterbrot. Sie erhalten Marktlöhne, die aber weit unter dem liegen, was zum Beispiel Olten seinen Stars bezahlt. Und das Beispiel Visp zeigt, dass auch ausländische Spieler mit weniger Geld sehr gute Leistungen bringen können, wenn sie sich wohlfühlen. Laplante und Ketola gehören schon fast zum Inventar des EHC Visp, sind Teil des Dorfes Visp geworden. Das zeigt auch die Tatsache, dass sie im letzten Jahr Zweijahresverträge unterschrieben haben.

Frage am Rande: Sie haben im Wallis den HC Siders als Nummer eins im Hockey abgelöst. Für Sie muss das doch ein besonderes Gefühl sein?
P.-D. K.: Ich habe selber beim HC Siders gespielt und verspüre daher keinerlei Schadenfreude. Aber eine gewisse Genugtuung macht sich schon breit, wenn man die selbsternannte Nummer Eins des Walliser Hockeys hinter sich lässt, die das Walliser Hockey jahrelang geprägt hat. Aber ich habe keine Illusionen: Das kann auch wieder anders werden, auch wenn ich überzeugt bin, dass sich der EHC Visp langfristig in der NLB etablieren kann.

Der Erfolg beruht auf der einen Seite auf bezahlten Profis, auf der anderen Seite leisten Freiwillige sehr viel Arbeit im Hintergrund. Kein Widerspruch?
P.-D. K.: Das stimmt schon. Aber es ist die Stärke eines Dorfclubs wie Visp, dass man mit Leib und Seele hinter seinem Verein steht. Denn ohne diesen persönlichen Einsatz eines jeden wäre der Erfolg nicht möglich.

Sie werden auch mal als "Hockeyverrückter" bezeichnet?
P.-D. K.: (lacht) Ich bin in der Tat schwerstens vom Hockeyvirus befallen. Ob ich aber deshalb "verrückt" bin ...

Während auf dem Eis der Kampf um Tore tobt, stehen Sie sicherlich schon Gewehr bei Fuss, was die nächste Saison anbelangt. Wie steht es mit den Vertragsverlängerungen der bestehenden Spieler?
P.-D. K.: Natürlich wollen sich einige Spieler verändern und es drängen jetzt auch dank unseren Erfolgen junge und gute Spieler nach Visp. Das erweitert unsere Möglichkeiten. Der eine oder andere Spieler wird sicherlich abgeworben und es werden auch Verstärkungen hinzukommen. Zudem bin ich der Meinung, dass es nicht gut ist, immer mit den selben Spielern anzutreten. Eine Blutauffrischung ist immer gut. Aber wir werden auch mit der neuen Mannschaft für Kontinuität sorgen.

Und was für Wundertransfers gibt es zu vermelden?
P.-D. K.: Wundertransfers kann der EHC Visp nicht tätigen, weil uns dafür die Mittel fehlen. Wir schaffen die Wunder lieber auf dem Eis als auf dem Transfermarkt.

Im letzten Jahr wurde das Budget aufgestockt.Richtet jetzt der EHC Visp mit grosser Kelle an?
P.-D. K.: Wir bleiben bescheiden und werden das Budget nur um wenig aufstocken. Durch den neuen IMG-Vertrag wird jeder NL-Club zwischen 70’000 und 90’000 Franken erhalten. Und das werden wir in die Mannschaft investieren.

Die Zusammenarbeit im Walliser Hockey stockt?
P.-D. K.: Auf Walliser Ebene stimmt dies. Aber wir müssen zuerst die Zusammenarbeit unter den Oberwalliser Clubs verbessern. Und das Beispiel mit Saas Grund zeigt, dass eine solche Zusammenarbeit sehr gut funktioniert. Denn der diesjährige Erfolg von Saas Grund beruht auch auf dieser Zusammenarbeit. Einen HC Wallis in der NLA, denn in diese Richtung zielt ja Ihre Frage, sehe ich kaum, weil auch dort das Potenzial fehlt, die notwendigen 5 Millionen für die NLA aufzubringen. Das Beispiel des FC Sitten zeigt ja, wie schwierig dies ist. In meinen Augen ist es besser, zwei oder gar drei Walliser Clubs in der NLB zu haben, die sich konkurrenzieren und mit den Derbys die Aufmerksamkeit der Medien und Zuschauer auf sich ziehen.

Stellt sich noch die Frage nach der Eishalle. Die Litterna ist ja kaum noch 1-Liga würdig?
P.-D. K.: Es gibt Eishallen in der NLB, die schlechter sind als die Litternahalle. Auch hier stellen sich in erster Linie finanzielle Probleme. Visp alleine kann eine neue Halle nicht bauen. Und ob ein gemeinsames Projekt der grossen Oberwalliser Talgemeinden zustande kommen wird, ist fraglich. Vorerst müssen in der Litterna einige Dinge wieder hergerichtet werden. Dann sehen wir weiter.

Zum heutigen entscheidenden Spiel in Lausanne: 2-0 hat Visp gegen Lausanne geführt. Jetzt steht es 2-2. Flattern da die Nerven?
P.-D. K.: Wieso sollten unsere Nerven flattern? Wir haben keinen Druck, haben jetzt schon mehr erreicht, als wir uns erträumten. Hingegen ist Lausanne unter Druck. Die wollen in die NLA und müssen uns deshalb schlagen. In der Halle in Lausanne werden 8000 Fans von Lausanne erwarten, dass sie das kleine Visp aus dem Rennen werfen. Wenn wir heute nach Lausanne gehen, können wir eigentlich nur gewinnen.

Und wie schätzen Sie die Chancen ein?
P.-D. K.: Eine Finalserie geht über fünf Spiele und ist erst mit dem Abpfiff des letz- ten Spiels entschieden. Ich glaube nicht, dass wir drei Spiele hintereinander ge- gen die selbe Mannschaft verlieren. Unsere Chancen für heute Abend sind voll intakt.

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