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„Z‘Walliser Titsch gibt meiner Rolle noch eine andere Farbe“

Brig / Zürich/ Sie übt einen Beruf aus, der in vielen Kinderzimmern geträumt wird und der im Oberwallis eher selten ist: Regula Imboden, Schauspielerin aus Brig-Glis mit Arbeitsort Zürich: Die Sitcom „Fertig luschtig“ auf SF DRS hat sie bekannt gemacht. Doch Interviews meidet sie. Gegenüber der RZ spricht die quirlige Brigerin über die Arbeit im Rampenlicht und sagt: “Mich treibt die Lust, auf der Bühne zu stehen...“

Von Tamara Locher und German Escher

Auf Stippvisite in der Heimat: Hier haben Sie auch Ihre ersten Schauspielversuche gewagt – damals unter anderem als Clown im Briger Jugendhaus?

Regula Imboden (lacht sehr lange): Stimmt. Ich war so zirka 16 oder 17 Jahre alt und noch im Institut. Es existierte für kurze Zeit wirklich eine Theatergruppe. Später haben wir zu zweit den Kindern in der Schule oder in Kindergärten Geschichten vorgespielt.

Wie gings dann weiter?

R.I.: Ich merkte dann während meiner Institutzeit, dass ich viel lieber auf der Bühne stehe, anstatt in der Schule zu hocken. Hatte immer mehr Lust aufs Schauspielern und machte nach meiner Kindergärtnerinnenausbildung die Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule in Bern. Ja, und die dauerte dann vier Jahre.

Und Ihre Ausbildung als Kindergärtnerin haben Sie nie wahrgenommen?

R.I.: Nein, ich habe nie als Kindergärtnerin gearbeitet, sondern ging direkt nach Bern in die Schauspielschule. Ich glaube, es war gut, dass ich nach meiner Erstausbildung vom Wallis wegging. Es war eine interessante Zeit, die mich sehr geprägt hat.

Was war Ihr erstes Engagement nach der Schauspielausbildung?

R.I.: Danach ging ich für ein Jahr nach Erlangen (Bayern), wo ich fest bei einem Theater angestellt war. Dort spielte ich auf einer sehr alten, schönen Theaterbühne. Aber ich fand, Deutschland unterscheidet sich hier von der Schweiz nicht sehr und so kam ich zurück. Ich musste mich dann wie neu organisieren, hatte auch meinen Realtiätseinbruch oder Ausseinandersetzung mit meinem Beruf, den, wie ich glaube, man auch erleben muss.

Dann kamen Sie ins Wallis zurück?

R.I.: Nein, ich ging nach Zürich und arbeitete frei. Ich war mit dem Theater für den Kanton Zürich unterwegs und gastierte unter anderem in Brig. Arbeiten am Radio und eine Sychronisierung gaben mir einen Einblick in die verschiedenen Bereiche dieses Berufes. Das war sehr interessant und wichtig.

Wie kamen Sie dann zur Schweizer Fernsehserie „Fertig luschtig“?

R.I.: Nach meiner dreijährigen Arbeit am Theater für den Kanton Zürich meldete ich mich bei der für die Besetzung im Fernsehen verantwortlichen Frau Hirschfeld und sie lud mich zum Casting für „Fertig luschtig“ ein. Es waren viele Schauspieler dabei. Um so grösser war dann die Freude, als ich die Rolle erhielt. Nach dem Casting ging es dann relativ rasch. Einen Monat später begann bereits der erste Dreh.

Die TV Unterhaltungsserie „Fertig luschtig“ hat durchschnittlich mehr als 900’000 Zuschauer. Sie sind eine berühmte Frau geworden.

R.I.: Äh, ... ja... (lacht herzlich). Was soll ich dazu sagen. Ich finde die Bezeichnung „berühmte Frau“ schon etwas abstrakt. Natürlich spüre ich das Feedback, besonders hier im Wallis. Aber in Zürich, wenn ich am Morgen relativ verschlafen einkaufen gehe, kennen mich zum Glück nicht so viele Leute (lacht). Für mich ist es ja auch das erste Medium in dem Ausmass.

Sie treten nicht so ins Rampenlicht und geben auch wenig Interviews. Wieso?

R.I.: Ja, das stimmt. Die grosse Öffentlichkeit suche ich nicht. Ich muss sicherlich auch noch meine Erfahrungen sammeln. Das Rampenlicht ist natürlich sehr wichtig für mich, aber nicht die Hauptsache in meinem Schauspielberuf.

Für viele Jugendliche ist die Schauspielerei ein Traumberuf. Sie träumen von Ruhm und Karriere, vielleicht auch Geld. Haben Sie als Kind auch davon geträumt?

R.I.: Nein, ganz und gar nicht. Wir spielten zwar schon die üblichen Rollenspiele. Doch da wurde man halt manchmal von seinen Geschwistern zu irgend einer Rolle verbrummt (lacht).

Was fasziniert Sie am Schauspielerberuf?

R.I.: Mich treibt die Lust, auf der Bühne zu stehen, Figuren zu spielen, mit der Sprache und dem Körper umzugehen. Die feste Rolle in „Fertig luschtig“ ist für mich auch spannend, weil ich dort wieder neue Erfahrungen sammeln kann.

Sie spielen in „Fertig luschtig“ eine Mutter, die im Berufsleben steht und sich mit ganz normalen Alltagsproblemen herumschlagen muss. Inwieweit können Sie sich mit der Rolle identifizieren?

R.I.: Ich muss sagen, dass ich zuerst in die Rolle reinwachsen musste. Es gibt sicherlich Punkte im Charakter dieser Figur, in denen ich mich wiedererkenne. Aber es ist schon so, das ich mir den Bezug dazu selber schaffen muss.

Sie fallen natürlich nicht nur durch Ihre Schauspielkunst auf, sondern natürlich auch wegen des Dialekts. Wie sind hier die Reaktionen?

R.I.: Man hört immer wieder von Leuten, dass sie den Walliserdialekt gerne hören. Aber ich finde ja auch, dass ich im Fernsehen einen sehr verständlichen Dialekt rede. Und es sind auch immer öfter Walliser am Fernsehen zu hören. Aber ich denke, es ist weder ein Vorteil noch ein Nachteil. Z’Walliserditsch gibt meiner Figur noch eine andere Farbe.

Sind die Drehbücher eigentlich für Sie in Walliserdeutsch geschrieben?

R.I.: Nein, die sind im 08/15 Zürcherdialekt geschrieben. Wenn ich meinen Text übersetze, sagt mein erfahrener Kollege manchmal: „Nein, das kannst du nicht so sagen, dann ist die Pointe weg.“ Es ist für mich schon eine künstliche Sprache, im Alltag würde ich nicht so Walliserdeutsch reden.

Sie gebrauchen auch nicht so typisch Walliserdeutsche Ausdrücke?

R.I.: Ja, es gibt viele Ausdrücke, die man gar nicht gebrauchen kann. Natürlich muss ich dann halt statt „Frigor“ Kühlschrank sagen und anstatt „Canape“ Sofa. Aber da muss ich mich halt auch anpassen. Wir behaupten ja als Familie zusammenzuleben.

Die letzte Staffel von „Fertig Luschtig“ ist abgedreht. Wie geht’s weiter?

R.I.: Jetzt habe ich bis Ende November Pause. Dann beginnt der Dreh der dritten Staffel. Neu dabei sein werden zwei zusätzliche Drehplätze, um die Möglichkeiten zu erweitern. Ich bekomme beispielsweise mein Büro und der Erich seinen Videoladen.

Jetzt sind also Ferien angesagt?

R.I.: Ich mache sicher auch etwas Pause, weil es ist schon sehr intensiv. Besonders freue ich mich auf ein Seminar in Berlin, wo ich kurzfristig reingerutscht bin. Dort werde ich an einer Figur arbeiten, sie sogar selber schreiben und weiterentwickeln. Im Herbst werde ich im Berner Effingertheater in einem Stück mitspielen.

Also zieht es sie auf die Theaterbühne zurück?

R.I.: Ja und nein. Mich interessiert Fernsehen genau so wie das Theater. Nur im Moment zieht es mich eher auf die Theaterbühne. Einfach als Gegenpol zum Produktionsstress am Set.

Was meinen Sie, wie lange finden sie „Fertig luschtig“ noch lustig?

R.I.: (lacht) Ja, das ist eine gute Frage. Mal sehen, das weiss ich nicht. Ich glaube,das zeigt die Zeit und die einzelnen Veränderungen, die man erfährt. Diese Arbeit ist in der Hinsicht gut, da ich zwischen den einzelnen Staffeln viel Freizeit und Freiraum für andere Engagements habe.

Keine Angst, den Stempel als Serienstar aufgedrückt zu bekommen?

R.I.: (antwortet sofort) „Moll“. Angst ist aber vielleicht das falsche Wort. Die Gefahr ist jedoch schon vorhanden, in die Schublade eines Serienstars gesteckt zu werden. Es ist mir einfach wichtig, dass ich auch weiterhin Theater spielen kann. Ansonsten muss man halt schauen, wo es einen verschlägt. Heute ist alles so schnelllebig. Auch die Werbung gehört in den Bereich dieses Berufes.

Wie sieht man in Zürich das Wallis?

R.I.: (Überlegt sehr lange) Ich glaube da sind alle möglichen Meinungen vertreten. Aber wie sie es jetzt genau sehen, ist schwierig zu sagen. Vielleicht tausche ich mich mit den Menschen über dieses Thema auch zuwenig aus.

Wie sehen Sie heute aus der Ferne Ihren Heimatkanton?

R.I.: Ich komme immer sehr gerne zurück. Eigentlich beobachte ich aber alles aus der Ferne. Manchmal freue ich mich sehr, wenn ich durch den Lötschberg wieder ins Wallis komme. Und dann schwingt natürlich eine gewisse Wehmut mit, wenn ich das Tal wieder verlasse.

Was unternehmen Sie als Gegenpol zur Schauspielerei?

R.I.: (Überlegt lange) Dieser Beruf bietet mir viele Möglichkeiten. Nur schon zum Beispiel eine Fechtszene in einem Freilichtstück bietet mir genügend sportliche Aktivität, sodass ich nicht noch zusätzlich Sport betreiben muss. Natürlich gehe ich gerne raus in die Natur. Und ich geniesse es sehr, den Kulturraum Zürich zu erleben.

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