| Zermatt / Sitten / Der Zermatter Rettungschef
Bruno Jelk schlägt Alarm: Eine grosse Anzahl von Vermisstmeldungen
sind Fehlanzeigen und kosten viel Zeit und noch mehr Geld.
Von Walter Bellwald
Die Retter der Lüfte sind wieder im (Dauer-)Einsatz:
Neben vielen gelungenen Rettungsaktionen mussten in diesem Sommer schon
mehr als zehn Alpinisten tot geborgen werden. Über die kantonale
Rettungsorganisation (Rufnummer 144) werden Bruno Jelk und seine Fliegerkollegen
aufgeboten, nach vermissten Personen zu suchen. Aber: Viele unnötige
Flugeinsätze kosten Zeit und Geld. Bruno Jelk: Weit über
hundert Einsätze pro Jahr werden nur geflogen, weil Angehörige
und Freunde allzu schnell zum Telefon greifen. In den allermeisten
Fällen ist das vermeintliche Opfer aber schon lange in Sicherheit.
Handy-Falle
Der Grund für die häufigen und unnötigen Angst-
und Stresssituationen ist die sogenannte Handy-Falle. Ruft ein Bekannter
nach seinem Eintreffen am Urlaubsort nicht sofort zurück oder meldet
sich nicht von einer Tour, wird gleich das Schlimmste vermutet,
erklärt Louis Salzmann, Präsident der Rettungskommission SAC
Schweiz. Vielfach wird dabei ausser Acht gelassen, dass in den Bergen
das Natel-Netz nicht überall funktioniert oder das die betreffende
Person den Rückruf ganz einfach vergessen hat. Die Folge: Über
die Notrufnummer 144 oder eine Polizeidienststelle wird eine Suchmeldung
aufgegeben. Was viele nicht wissen: Bei einem Fehlalarm müssen die
Betroffenen oder Angehörigen für die Unkosten aufkommen. Dabei
geht die Rechnung schnell in die Tausende von Franken. Ein Suchflug
ist sicher keine Frage des Geldes, erklärt Jelk. Aber: Vielfach
will niemand die anfallenden Kosten berappen. Dadurch muss der Kanton
für nicht einbringbare Rettungskosten jährlich rund 150`000
Franken bezahlen.
Verhaltensregeln
Die Angst der Angehörigen
und Freunde ist verständlich, meint Bruno Jelk. Vielfach
wird aber vergessen, sich vorher über einen möglichen Aufenthaltsort
der Vermissten zu informieren. Aber auch die Urlauber und Alpinisten
sollten sich an bestimmte Spielregeln halten. Bruno Jelk: Vor allem
wer allein unterwegs ist, sollte nicht vergessen, sich vorher irgendwo
ab- bzw. wieder anzumelden. Bei einer Vermisstenanzeige nimmt Jelk
die Identität des/r Vermissten auf und klärt nach einem bestimmten
Fragenkatalog weitere Details. Dann erst wird entschieden, ob zu einem
Suchflug gestartet wird. In den meisten Fällen tauchen die Vermissten
glücklicherweise wieder von selbst auf. Nicht jedes Natelloch
ist eine Gletscherspalte, lacht Bruno Jelk und startet zum nächsten
Suchflug.
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