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Die Todesstrafe ist für mich kein Thema


Eine echte TV-Legende: Ganoven-Ede
 
Leukerbad / Der Mann ist seit über dreissig Jahren im Krimi-Geschäft. Eduard Zimmermann startete 1964 die Serie „Vorsicht, Falle!“ und 1967 „Aktenzeichen XY ungelöst“. Gleichzeitig schrieb er Kriminalkolumnen für Zeitungen und Zeitschriften sowie Bücher über Verbrechen. Anfang 2001 lancierte er das Internet-Sicherheitsportal www.e110.de. Seit vier Jahren lebt „Ganoven-Ede“ in Leukerbad und geniesst die ruhige Bergwelt. Im RZ-Frontal spricht er über seine Arbeit, die steigende Kriminalität und sein neues Sicherheitsportal.

Von Walter Bellwald und Tamara Locher

Herr Zimmermann, wenn Sie den Begriff „XY“ hören, woran denken Sie zuerst?

Eduard Zimmermann: An Arbeit. An all die Arbeit, die es gemacht hat in den 34 Jahren und bis heute macht.

Während dreissig Jahren sind Sie im TV-Rampenlicht gestanden und haben über Verbrechensbekämpfung und –prävention aufgeklärt. Erinnern Sie sich noch zurück an die Anfänge der Sendung?

E.Z.: Ich erinnere mich noch sehr genau. Ich hatte schon vor XY eine Sendung in enger Zusammenarbeit mit der Polizei produziert. Diese Sendung, sie hiess „Vorsicht, Falle!“, diente in erster Linie der Verbrechensprävention. Bei dieser Tätigkeit habe ich die Arbeit der Kripo sehr schätzen gelernt und erkannt, wo genau die Polizei der Schuh drückt. Von da bis zu XY war es dann nur ein kurzer Weg. Ich wollte das Fernsehen nicht nur für die Vorbeugung, sondern auch für die repressive Verbrechensbekämpfung und die Fahndung nutzen. XY hat die ältere Schwester „Vorsicht, Falle!“ in der öffentlichen Bedeutung dann überflügelt.

Die Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ gehört mittlerweile zu den beliebtesten Sendungen im deutschsprachigen Raum. War dieser unglaubliche Erfolg vorauszusehen?

E.Z.: Der Erfolg war teilweise vorauszusehen, wenn man weiss, wie notwenig es ist, dass sich ein öffentlich-rechtlicher Sender in dieser Problematik engagiert. In der Zeit, in der wir angefangen haben, hatten wir dann ja auch eine Periode von langanhaltenden Kriminalitätssteigerungen. Das hat immer mehr dazu geführt, dass die Leute erleichtert waren, dass da jemand etwas tut und die Sorgen der Menschen thematisiert. Dass die Sendung auch heute noch ein Publikumsrenner ist, konnte damals natürlich niemand ahnen.

Was ist Ihnen von Ihrer Arbeit noch in Erinnerung geblieben?

E.Z.: Sehr viel, nur ein Beispiel. Wir hatten einen Fall aus Süddeutschland mit einem Schulmädchen, das entführt wurde. Der Täter wollte Lösegeld erpressen und hatte das Kind in einer Kiste vergraben. Das Mädchen ist dann jämmerlich erstickt und als man die Kiste später gefunden und aufgemacht hat, da sass das Kind dort unten drin und guckte nach oben. Als uns die Polizei die Fotos zeigte, sahen wir den flehenden Blick dieses Kindes, die Augen noch weit offen. Das ist jetzt zwanzig Jahre her, aber dieses Bild verfolgt mich heute noch.

Wie denken Sie über die Todesstrafe?

E.Z.: Für mich ist die Todesstrafe kein Thema. In der Praxis kann sie nur verhängt werden, wo es keine grossen gesellschaftspolitischen Probleme gibt. Also nur bei klarem Mord. Es gibt schreckliche Mordverbrechen, die natürlich auch aufrütteln. Aber ich sehe die Dinge gesellschaftspolitisch. Unsere echten Probleme liegen in der Eigentums- und Gewaltkriminalität. Denn dort geschieht massenweise grobes Unrecht und entstehen grosse Schäden. Diese Delikte scheiden aber aus für solche Überlegungen und deshalb ist für mich die Todesstrafe kein Thema.

Glauben Sie, dass die Kriminalität in den nächsten Jahren noch zunimmt?

E.Z.: Im Augenblick gibt es eine kleine Entspannung. Das ist unter anderem auf so kuriose Gründe wie den Pillenknick zurückzuführen. Wir haben also viel weniger junge Leute. Die sind nun einmal kriminell aktiver als alte Leute. Infolgedessen wird die Gruppe der Täter kleiner. Es gibt dagegen aber eine Menge anderer Dinge, die wieder kommen. Denken Sie nur an die EU-Osterweiterung. Na, gute Nacht kann ich nur sagen, was da alles auf uns zukommt.

Wie sehen Sie die Kriminalität in der Schweiz im Vergleich mit anderen europäischen Staaten?

E.Z: Die Entwicklungen laufen mehr oder weniger ein bisschen synchron. Aber es gibt schon Unterschiede in gewissen Heftigkeiten. In der Schweiz geht es noch ein bisschen ruhiger zu, aber im Prinzip ist es auch hier eine mitteleuropäische Allgemeinsituation. Abgesehen von einigen Ausnahmefällen.

Sie sind auch heute noch hinter den Kulissen von „XY“ tätig?

E.Z.: Ich bin Berater meiner alten Firma, die „XY“ produziert. Ich sehe alle Drehbücher und Texte durch usw. Das geht wunderbar und die Leute sind auch dankbar dafür, denn ich bin auch so was wie ein Schutzengel. Ich weiss ganz genau, wo die Gefahren liegen, dass man sich irgendwo vertut und plötzlich einen Prozess am Hals hat mit einer grossen Schadenssumme. Ich hab mich in meine Arbeit sehr gut reingefunden und meine Leute auch.

Vor vier Jahren haben Sie das Zepter der Sendung an Ihren Nachfolger Dr. Butz Peters übergeben. In der Zwischenzeit haben Sie mit Ihrer Produktionsfirma eine Web Site über Kriminalität und Sicherheit eingerichtet. Das Sicherheitsportal e110 wurde von renommierten Internet-Experten zu den besten Sites im Internet gewählt. Was erwartet den Besucher?

E.Z.: Er bekommt solide Informationen über die Kriminalität, die für Ihn wichtig sind und bekommt Tipps, wie er sich verhalten und schützen kann. Und er bekommt auch ein Paket an Unterhaltung mit, denn wir machen das alles nicht nur strohtrocken, sondern wir bemühen uns, einen gewissen Boulevard-Unterhaltungswert beizutragen. Ich finde, wir Publizisten haben die Pflicht, den Menschen unsere Informationen so anzubieten, dass Sie unsere Arbeit gerne lesen und Spass daran haben.

Kam Ihnen die über 30-jährige Erfahrung an der Kriminal-Front bei der neuen Arbeit zugute?

E.Z.: Das war mit ein Grund, warum ich das gemacht habe. Ich habe in den 30 Jahren eine Unzahl von Geschichten, Informationen und Schicksalen kennen gelernt, die ich letztendlich in meinen Sendungen nicht verwenden konnte. Das ist für einen Journalisten auch frustrierend, wenn er über einen ganzen Berg von Geschichten verfügt, sie aber nicht loswerden kann. Jetzt habe ich die Möglichkeit dazu gefunden. Im Internet kann man sich viel weniger gezwungen auslassen. Dort gibt es noch nicht diese ganzen starren formalen Grenzen wie bei den anderen Medien. Das hat mich sehr gereizt. Und meine Erfahrungen fliessen natürlich auch in alle möglichen Geschichten, die ich mache. Das ist sicherlich auch ein Teil des Erfolges.

Die Nachfrage nach präventiven Tipps zum Schutz vor Verbrechen scheint immer mehr zu steigen?

E.Z.: Das ist richtig. Es ist zwar so, dass die Kriminalität in einigen Bereichen in den letzten Jahren wieder abgenommen hat, aber trotzdem ist sie immer noch auf einem so hohen Niveau, dass sie für den Menschen eine grosse Last und Bedrohung darstellt. Deshalb sind sie hochinteressiert und dankbar für alle diesbezüglichen Informationen.

Als langjähriger Frontmann von „XY“ sind Sie landesweit bekannt. Mussten Sie für Ihr Privatleben spezielle Sicherheitsvorkehrungen treffen?

E.Z.: Nur sehr selten. Ich habe ein ganz solides Nervenkostüm und bin auch kein überaus ängstlicher Mensch. Wenn man professionell mit der Kriminalität umgeht, kriegt man auch ein Gespür für Gefahren. Gott sei Dank sind bei uns die Verhältnisse noch einigermassen normal und man muss nicht gleich um sein Leben fürchten. Unsere „Kundschaft“ hat sich mehr oder weniger damit abgefunden, dass es bei uns eine geordnete Rechtspflege gibt.

Hand aufs Herz, hatten Sie nie Angst um sich oder Ihre Familie?

E.Z.: Doch, da gab es ein, zwei Situationen. Wenn man zum Beispiel Zuhause angerufen wird und am anderen Ende der Leitung hat sich niemand gemeldet. Und wenn man gleichzeitig ein paar Tage davor eine Warnung gekriegt hat. Dann ist man schon ein bisschen beunruhigt. Aber wenn man das professionell angeht, klärt sich das relativ schnell.

Privat leben Sie schon seit einigen Jahren in Leukerbad. Warum haben Sie sich gerade hier niedergelassen?

E.Z.: Ich habe schon seit vielen Jahren eine recht gute Beziehung zum Wallis. Achtzehn Jahre bin ich in Zermatt im Winter Skigefahren und im Sommer auch ein bisschen gewandert. Ich hatte auch ein sehr schönes Ersterlebnis. Als wir zum erstenmal ins Wallis kamen und durchs Rhonetal nach Brig gefahren sind, habe ich zu meiner Frau gesagt: „Mein Gott, ist das hier traumhaft schön, da möchte ich mal leben.“ Schliesslich bin ich dann mehr oder weniger zufällig in Leukerbad gelandet und habe mir eine Eigentumswohnung gekauft. Mittlerweile bin ich schon vier Jahre hier ansässig.

Wieviel Zeit verbringen Sie im Oberwallis?

E.Z.: Weit mehr als die Hälfte des Jahres. Im Augenblick bin ich vom Juni bis Oktober hier in Leukerbad. Dann fahre ich für ein paar Tage nach Deutschland. In der Sendewoche von „XY“ bin ich fast immer in München anzutreffen. Da kann ich dazuhelfen und da können wir auch alle anstehenden Arbeiten besprechen und erledigen. Dann habe ich wieder mal für fünf Wochen die Berge um mich.

Was macht Eduard Zimmermann, wenn er nicht gerade auf Verbrecherjagd ist?

E.Z.: Ich arbeite genauso viel wie früher, wenn auch nicht gerne. Das kommt wohl daher, dass ich in meiner Jugend nur durch Faulheit glänzte. Meine Arbeit als Journalist ist eine Quälerei mit Worten. Ich habe in der Zwischenzeit zwar viel Routine, aber Arbeit fällt mir immer noch schwer. Wenn ich dann fertig bin, ist es eine Erleichterung. Offensichtlich bin ich zum Workaholic verkommen und bin süchtig. Jeder Süchtige ist ja erleichtert, wenn er den „Schuss“ verdaut hat. Aber zwischendurch finde ich auch immer wieder Zeit, eine Wanderung zu machen. Das tut mir wahnsinnig gut.

Haben Sie einen speziellen Wunsch, den Sie noch verwirklichen möchten?

E.Z.: Wenn es mir gelingt, mein Internet-Portal sicher zu etablieren, dann will ich zumindest nichts Neues mehr anfangen (lacht).


 

 

      
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