| Varen / Trotz Ski-Zirkus die Weinlese
hat sich Didier Plaschy nie entgehen lassen. Erstmals seit acht Jahren Profisport
steht er jetzt ohne sportlichen Leistungsdruck im Rebberg und sagt: Ich
lebe jetzt völlig zeitlos!
Von Waldemar Schön
Der Skisport liegt vollständig hinter
mir, erklärt Didier Plaschy, macht eine Bräntu
bereit, die Onkel, Tante und Cousine mit vollreifen Pinot-Trauben füllen.
Jetzt habe ich einfach Spass daran, all das zu tun, was ich in den
Jahren als Profisportler nicht tun konnte. Und dann: Fertig
schgifahru, jetzu geits um dä Wii!
Familienangelegenheit
Vollreif hangen die Trauben im schon leicht herbstlich gefärbten
Rebstock. Das chläbt so richtig, freut sich Didier. 97,4
Grad Oechsle wird die Messung später ergeben. Auch die Salgescher
holen die besten Trauben in Varen, erklärt Didiers Tante lachend
mit einem Seitenhieb auf die Hassliebe zwischen den zwei Weindörfern
Varen und Salgesch. Unkompliziert geht es zu und her, schon fast gemütlich.
Wenn man keinen Zeitdruck hat und mit der Familie zusammenarbeiten
kann, sind die Wimden einfach schön, schwärmt Didier.
Trauben abschneiden, Kisten einsammeln, Transport zum Keller, kippen
- das macht Spass, so Didier.
Didi and Friends
Roten, etwas anderes könne er nicht trinken, gesteht Didier im
Keller seines Onkels Carlo Wenger, der pro Jahr als Selbsteinkellerer
an die 8000 Flaschen Pinot, Dòle, Muscat und Oeil de Perdrix
herstellt. Vor allem an Privatkunden in der Deutschschweiz werden die
Weine abgesetzt. Der Rest des Ertrages aus rund 12000 Quadratmetern
Familienreben geht an grosse Weinhäuser. Nur in den Spezialitäten
hat man eine Chance, weiss Didier. Sonst ist man als Kleiner
verloren. Kommt nach dem Skiprofi ein Leben als Weinprofi? Nein,
auf keinen Fall. Das ist für mich reines Hobby. Er mache bloss
ein paar Flaschen Wein aus dem eigenen Rebberg. Didi and Friends
heisst der Pinot in nummerierten Flaschen, den er mir eine Stunde später
in einem uralten Weinkeller inmitten von Varen zeigt. Die Nummer
Eins des Jahrgangs 1999 liege für Adolf Ogi bereit, so Didier.
Sprachen und studieren
Und die Zukunft? Seine Frau Stefanie habe
jahrelang auf seine Karriere Rücksicht genommen, jetzt sei es an
der Zeit, dass er Rücksicht nehme, erklärt Didier. Ins
Ausland würden wir gerne gehen, sie als Anwältin, ich als Student.
Sprachen, vielleicht Englisch studieren, sei sein Ziel und dann vielleicht
Lehrer werden - vielleicht. Nächstens gehe er nach Italien, um dort
in der Schule Italienisch zu lernen. Dann vielleicht Skischule geben in
Neuseeland Englisch perfektionieren nennt Didier das.
Auf keinen Fall werde er Trainer, höchstens in der Skilehrerausbildung
sehe ich Perspektiven. Aber das sei alles noch weit weg. Ich
hole jetzt mit 28 das nach, was ich wegen dem Skifahren nicht machen konnte.
Ich lebe jetzt völlig zeitlos! Sagts und drückt
mir einen Karton Pinot in die Hand. Didi and Friends lese
ich auf den Flaschen...
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