| Sitten / Die Walliser Kantonsregierung reagiert
auf den Amoklauf im Zuger Kantonsparlament vor Monatsfrist und verschärft
die Sicherheitsmassnahmen im Grossen Rat. Erste Vorkehrungen sind schon
für die November-Session geplant.
Von Walter Bellwald
Seit dem grauenvollen Attentat im Zuger Kantonsparlament
fürchten auch unsere Politiker um ihre Sicherheit. Darum hat die
Kantonsregierung beschlossen, schon für die kommende November-Session
erste Sicherheitsmassnahmen einzuleiten.
Der schwarze Donnerstag
Rückblende: Am 27. September 2001 kurz nach 10.30 Uhr stürzt
Fritz Leibacher mitten in die Parlamentsdebatte der Zuger Kantonsregierung.
Hasserfüllt feuert er Schuss um Schuss aus seinem Sturmgewehr auf
die wehrlosen Kantons- und Regierungsräte. Die furchtbare Tragödie
fordert 15 Tote und ebenso viele Verletzte. Die Schweiz ist geschockt!
Nach der Bluttat von Zug fordern auch bei uns Politiker vermehrte Sicherheitsvorkehrungen
im Grossen Rat. Jetzt hat das Grossratspräsidium reagiert: Die ersten
Massmahmen sollen schon in der November-Session greifen.
Massnahmenkatalog
In einem ersten Schritt sollen Beamte in Zivil während den Sessionen
im Parlamentsgebäude anwesend sein. Franziskus Escher von der Kantonspolizei:
"Die Beamten sind angewiesen, auf ungewöhnliche Vorkommnisse
zu reagieren und die Zuschauertribüne im Auge zu behalten."
Weiter sollen die Eingangskontrollen verschärft werden. So soll künftig
der Grossratssaal nur durch einen Eingang betreten werden. Alle anderen
Türen werden geschlossen. Grossratspräsidentin Marie-Therese
Schwery: "Die Polizei hat das Gebäude inspiziert und erste Direktmassnahmen
beschlossen." Zurzeit wird abgeklärt, ob man im Parlament eine
elektronische Eingangskontrolle einführen will.
Einhelliger Tenor
Eine Umfrage unter den Oberwalliser Parteipräsidenten
ergibt: Die Vorsichtsmassnahmen im Parlament werden zwar begrüsst,
trotzdem ist keine Panikmache angebracht. "Eine totale Sicherheit
gibt es ohnehin nicht", meint FDPO-Parteipräsident Ambros Bumann.
Auch Richard Kalbermatter von der CVPO erklärt: "Es macht Sinn,
dass in einer ersten Phase das Sicherheitsdispositiv verstärkt wird.
Aber längerfristig sehe ich keinen Polizeistaat." "Die
Eingangskontrollen und die Polizeipräsenz während der Novembersession
finde ich in Ordnung", meint Marie-Therese Schwery. "Aber das
bleibt wohl eine Ausnahme." Für die Zukunft wünscht sich
die Grossratspräsidentin weiterhin einen offenen und natürlichen
Umgang mit der interessierten Öffentlichkeit auf der Zuschauertribüne.
|