| Gamsen / Die Bewohner von Gamsen fühlen
sich von der Gemeinde nicht mehr ernst genommen. An der Jahresversammlung
der IG Gamsen wurde deshalb einstimmig eine Eingabe an den Stadtrat verabschiedet.
Darin fordern die betroffenen Gamsner Massnahmen gegen die Staubentwicklung
im Westen der Dorfschaft.
Von German Escher
Das Mass des Erträglichen ist bei weitem
überschritten. Bernhard Simonini, Präsident der IG Gamsen,
spricht Klartext. Pro Jahr werde in Gamsen rund ein Zentimeter Staub abgelagert.
Wie stark die Lebens- und Wohnqualität der Gamsner leidet, ist schwer
abzuschätzen. Tatsache aber ist: Die Gamsner wollen nicht länger
alles schlucken.
Leere Versprechungen?
In Rage gebracht hat die Gamsner das Vorgehen der Stadtgemeinde. Statt
für weniger Staub besorgt zu sein, verursache die Gemeinde selber
neue Staubbelästigungen, lautet die Kritik. Konkret geht es um eine
Geschiebeumlagerung und Endgestaltung im Gamsensand. Die Gemeinde hat
auf einer Parzelle südlich des KVA sämtliches hier abgelagertes
ARA-Aschematerial der Lonza abgetragen und auf einer westlichen Parzelle
zu einem grossen Hügel aufgetürmt. Die IG Gamsen hat damals
gegen das Baugesuch nicht opponiert, weil ihr klare Zusagen gemacht wurden:
Zum einen würde der neue Aschehügel mit Material aus dem letzten
Hochwasser zugedeckt und anschliessend bepflanzt. Zum andern würde
auf dem vorher ebenfalls begrünten und jetzt von der ARA-Asche der
Lonza befreiten Terrain Geschiebe der Saltina gebrochen und deponiert.
Diese Deponie sollte berieselt werden.
Doppelt soviel ARA-Asche...
Doch das Ganze kam laut Simonini anders: Die Gamsner mussten feststellen,
dass das Geschiebematerial ungebrochen im ausgehobenen Krater gelagert
wurde. Und zudem fiel wesentlich mehr ARA-Asche an. Die Mengenangaben
der Lonza trafen nicht zu: Statt der 42`000 Kubik mussten plötzlich
71`000 Kubik ARA-Asche ausgebaggert werden. Folgedessen wurde auch der
Aschehügel entsprechend grösser und auch nicht begrünt.
Fühlen uns verschaukelt
An der Jahresversammlung der IG Gamsen haben die 67 Anwesenden einstimmig
einen Antrag an den Stadtrat verabschiedet. Die Hauptforderung: Der
doppelt so hohe ARA-Aschenhügel ist im Frühjahr sofort zu begrünen.
Ebenfalls die Parzelle mit Böschungen südlich der KVA ist wieder
zu begrünen, wie sie bereits einmal war. Es kann nicht angehen, dass
ausgerechnet die Gemeinde im Westen von Gamsen neue Staubquellen schafft.
Wir fühlen uns von der Gemeinde verschaukelt. Geht es da um
Stimmungsmache? IG-Präsident Simonini dazu: Wir haben den statuarischen
Auftrag als Verein die Interessen der Gamsner wahrzunehmen. Aber leider
nimmt uns der Stadtrat als Gesprächspartner nicht mehr so ernst.
In einer ersten Stellungnahme erklärte
Stadtpräsidentin Viola Amherd der RZ, dass erstens nur von einer
natürlichen Begrünung die Rede gewesen sei und zweitens die
Endgestaltung im Rahmen des Autobahnbaus Sache der Nationalstrasse sei.
Die eigentliche ARA-Asche sei aber mit Material aus dem Holzgraben zugedeckt
worden, präzisiert Stadtingenieur Willy Zumoberhaus. Zudem entstehe
praktisch kein Staub. Für Gesprächsstoff dürfte an der
Urversammlung vom 11. Dezember jedenfalls gesorgt sein.
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