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Die Ladendiebstähle in der Adventszeit nehmen weiter zu
Langfinger auf Weihnachts-Tour


Weihnachtsmänner und Diebe haben Hochsaison
 
Oberwallis / Weihnachten steht vor der Tür, das Fest der Freude: Vor allem für Geschäftsinhaber. Die schönste Zeit des Jahres lässt die Kassen ganz schön klingeln. Aber: Nicht alle halten sich an die Spielregeln. Im Klartext: Die Ladendiebstähle in der Adventszeit nehmen drastisch zu.

Von Walter Bellwald

Tatort Brig: In einem grossen Geschäftshaus wird ein 28jähriger Mann gestoppt, der acht(!) Stangen Zigaretten auf sich trägt. Er wird der Polizei übergeben und später dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Tatort Visp: Eine 40jährige Frau wird am Ausgang eines Geschäfts angehalten, ihre Umhängetasche auszuleeren. Der Inhalt: Mehrere Parfüms im Gesamtwert von über 300 Franken. Auch sie muss mit einer Anzeige rechnen. (Geschäfts-)Alltag in Oberwalliser Warenhäusern.

Grosse Schadenssumme
Die meisten Geschäftsführer sind machtlos: Trotz modernster Sicherheitseinrichtungen und Ladende-tektiven wird in (Oberwalliser) Kaufhäusern geklaut wie die Raben. Nach Einschätzung von Markus Hauser, Geschäftsführer der Sicherheitsorganisation Procontas GmbH, beläuft sich der Schaden in einem Einkaufszentrum der Region jährlich auf bis zu 70‘000 Franken. Die Zahlen in grösseren Agglomerationen sind noch erschreckender. „Im Unterwallis ist die Schadenssumme jährlich zwischen 250‘000 Franken und einer halben Million“, ergänzt Hauser. Bis zu zwanzig(!) Diebstähle werden hier pro Tag registriert. Vor allem die Weihnachtszeit zieht das Gesindel förmlich an. Der Grund: Je grösser der Andrang und die Menschenmassen, umso dreister werden die Diebe.

Kein Motiv
Ein eigentliches Täterprofil gibt es nicht. Sowohl Kinder, Jugendliche, Erwachsene wie auch Senioren greifen zu. Die meisten von ihnen ohne eigentliches Motiv. Markus Rieder von der Kantonspolizei: „Die Täter kommen aus allen sozialen Schichten. Sowohl arme wie auch wohlhabende Leute werden überführt.“ Nur wenige von ihnen stehlen aus wirklicher Armut. „Bei vielen Jugendlichen beispielsweise ist es der sogenannte Kick, etwas mitlaufen zu lassen.“ Andere wiederum sind einem zwanghaften Trieb unterworfen, in Fachkreisen bekannt als Kleptomanie. Die gestohlenen Dinge haben dabei meist nur einen geringen materiellen Wert. Pikant: Nicht immer sind es Kunden, die verbotenerweise zugreifen. In vielen Fällen kann auch das Personal der Versuchung nicht wiederstehen und nimmt ein Schnäppchen mit nach Hause.

Zigaretten, Alkohol & Kosmetika
Die Nummer eins auf der schwarzen Liste sind Zigaretten. Aber auch Parfüm, Unterwäsche, Alkohol, Jeans, Lederwaren und Elektronik-Spiele sind begehrte Artikel. „Geklaut wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist“, weiss Markus Rieder. Die einzelnen Produkte werden möglichst unauffällig am erstbesten Ort verstaut: Im Rucksack, in der Einkaufstasche, unter der Jacke, in der Hose oder direkt am Körper. Andere Diebe lassen ihrem Einfallsreichtum freien Lauf: So wurde kurzerhand eine Kiste mit Toilettenpapier geleert und mit Zigaretten-Stangen aufgefüllt, eine andere Täter-Gruppe versteckte hochprozentigen Alkohol in einer Wein-Kiste. Die meisten Langfinger, die auf frischer Tat ertappt werden, sind geständig und lassen sich wehrlos überführen. Andere werden ausfällig und schlagen auch mal zu. Wer beim Stehlen erwischt wird, dem droht eine saftige Busse und eine Anzeige beim Untersuchungsrichter. „Kleinere Delikte werden mit einer Umtriebsbusse geahndet“, erklärt Markus Rieder. „Vergehen ab 300 Franken haben strafrechtliche Konsequenzen.“


 

 

      
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