| Oberwallis / Visp / In der Beziehung zwischen
dem Oberwalliser Schreiner- und Zimmermeisterverband und den Gewerkschaften
ist der Wurm drin. Seit diesem Jahr existiert kein Gesamtarbeitsvertrag
mehr. Und ein Ende der Streitereien ist nicht in Sicht. Der Bundesrat wird
entscheiden müssen.
Von Ruth Seeholzer
Wir haben schon immer mit der Deutschschweiz
zusammengearbeitet, meint Verbandssekretär Armand Pfammatter.
Darum sehe er auch gar nicht ein, warum ihr Verband sich jetzt dem Westschweizer
Gesamtarbeitsvertrag für das Baunebengewerbe anschliessen soll. Genau
das aber verlangen die Oberwalliser Gewerkschaften. Die Westschweizer
Patrons sind viel sensibilisierter in der Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern,
meint Kurt Regotz von der Gewerkschaft SYNA. Wir würden den
Beitritt zum Gesamtarbeitsvertrag der Deutschschweizer bevorzugen,
hält demgegenüber Pfammatter die Meinung der im Verband angeschlossenen
Schreiner- und Zimmermeister fest.
Die Vorgeschichte
Bis im Jahr 1999 lebten Oberwalliser und Unterwalliser, sowohl Arbeitnehmer
als auch Arbeitgeber, Schreiner und Zimmerer in Wohlklang und Einheit
miteinander. Es bestand ein gemeinsamer Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Als
für das Jahr 2000 zum ersten Mal ein GAV für das Baunebengewerbe
(Maler, Gipser, Schreiner, Möbelschreiner und Zimmerer) für
die gesamte Westschweiz erarbeitet wurde, entschlossen sich die Unterwalliser
Schreinermeister, diesem beizutreten. Also löste man die Zusammenarbeit
mit dem Oberwallis auf. In unserem Kantonsteil einigten sich die Patrons
und die Büezer, den alten GAV so lange einzuhalten, bis
ein neuer ausgehandelt ist.
Der Eklat
Heute nun sind sich die beiden Parteien überhaupt nicht mehr
einig. Die Patrons wollen zur Deutschschweiz, die Arbeiter aber in die
Westschweiz. Ein Vertreter der Arbeitnehmer, der Gewerkschaftssekretär
Kurt Regotz von der SYNA: Der Westschweizer GAV bietet dem Arbeiter
durchwegs die besseren Konditionen. Und tatsächlich: Der Stundenlohn
ist um einige Rappen höher und Ferien gibt es zwei Tage mehr in der
Westschweiz. Der Berufsbeitrag allerdings, welcher dem Arbeitnehmer ab
dem Lohn genommen wird, ist in der Westschweiz doppelt so hoch wie in
der Deutschschweiz. Das ist doch Wasser auf die Mühlen der
Gewerkschaften, ereifert sich Armand Pfammatter, je höher
der Berufsbeitrag für die Arbeiter, desto eher wird der Gewerkschaftsbeitrag
bezahlt! Den Gewerkschaften ist es nämlich erlaubt, die Beiträge
ihrer Mitglieder nicht bei denen selber, sondern via Arbeitgeber einzukassieren.
Ein probates Mittel, um die Mitglieder bei der (Gewerkschafts-)Stange
zu halten? Wir müssten damit rechnen, dass wir Mitglieder verlieren,
wenn der Berufsbeitrag zu tief ist, um unsere Kosten zu decken,
gibt Kurt Regotz zu. Dann nämlich müssten die Gewerkschaften
ihren Mitgliedern eine Rechnung für den Jahresbeitrag zukommen lassen.
Da wären viele nicht so sehr erfreut.
Die Lösung
Die Lage ist schon so verfahren, dass der Bund wird entscheiden müssen.
Nathalie Kocherhans, Juristin im Staatssekretariat für Wirtschaft
(Seco), meint gegenüber der RZ: Unser Büro macht zuhanden
des Bundesrates einen Vorschlag. Danach entscheidet dieser, ob die Oberwalliser
Schreiner und Zimmerer zukünftig dem Westschweizer oder dem Deutschschweizer
GAV angeschlossen sind.
Apropos Bundesratsentscheid: Ein pikantes Detail
ist, dass Pascal Couchepin entscheiden wird, ob man das Wallis trennen
soll, oder ob die deutschsprachigen Walliser Holzwürmer
der französischsprachigen Westschweiz angeschlossen werden. Wie sich
der Unterwalliser Bundesrat entscheiden wird, steht noch in den Sternen.
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