| Bratsch / Oberwallis / Im Jahr 2001 bekamen
16 Walliserinnen und Walliser dank einer Organspende die Chance auf ein
neues Leben. Gesamtschweizerisch waren es 424 Transplantationen. Über
tausend allerdings waren (und sind) auf einer Warteliste, einige seit Jahren.
Die Schweiz ist eines der spendeunfreudigsten Länder Europas. Vielen
Menschen ist nicht bewusst, was eine Spende bedeuten kann.
Von Ruth Seeholzer
Ich hatte überhaupt keine Angst vor der
Operation, meint Brigitte Schnyder. Der 44 Jahre jungen Frau aus
Bratsch wurden vor anderthalb Jahren während einer zehnstündigen
Operation ihre eigenen Lungenflügel entfernt und mit gespendeten
Lungen ersetzt.
Langer Leidensweg
Anfangs 1998 traten bei Brigitte zum erstenmal Beschwerden
auf. Eigentlich war es nur eine Grippe, erklärt die Braderin.
Aber danach wollte es einfach nicht mehr besser werden. Brigitte wurde
nun plötzlich sehr schnell müde. Die einen hätten sie schon
ein wenig schräg angesehen, ob sie denn simuliere, kann die sympathische
junge Frau heute darüber lächeln. Gegen Ende des Jahres spürte
sie öfters ein Stechen in der Brust. Sie hatte Mühe zu atmen,
wenn sie Treppen steigen musste. Im Januar 1999 schickte der Hausarzt
Brigitte Schnyder zuerst zu einem Kardiologen und danach zu einem Lungenspezialisten.
Endlich eine Diagnose!
Der Lungenspezialist stellte fest, dass Brigitte Schnyder eine viel
zu tiefe Sauerstoffsättigung hatte. Er verordnete per sofort täglich
zwei Liter Sauerstoff. Nun war die Verkäuferin zu 100 Prozent arbeitsunfähig.
Bis dahin hatte sie noch 50 Prozent gearbeitet. Mit der Sauerstofftherapie
ging es mir ein wenig besser, erklärt Brigitte. Doch danach
verschlechterte sich der Allgemeinzustand der jungen Frau wieder drastisch.
Geschwollene Beine, kaum mehr Hunger und Durst waren Symptome, die sie
ein paar Monate später für längere Zeit ins Spital Visp
brachten. Zu diesem Zeitpunkt hörte ich zum ersten Mal, dass
man eine Lunge transplantieren kann, meint Brigitte Schnyder. Eine
Abklärung in der Pneumonologie des Unispitals Zürich führte
zutage, dass Brigittes Krankheit schon sehr weit fortgeschritten sei.
Die einzige Möglichkeit einer Heilung sei die Lungentransplantation.
Auf der Warteliste
Am 25. Januar 2000 kam Brigitte auf die Warteliste von Swisstransplant.
Diese Stiftung koordiniert die Organ-, Gewebe- und Zelltransplantationen
in der Schweiz. Ich bekam einen Pager, damit ich 24 Stunden am Tag
für das Unispital erreichbar war, meint Brigitte. Jeden Monat
musste Brigitte nun zur Untersuchung nach Zürich, immer mit zwei
Sauerstoffflaschen im Schlepptau.
Das erlösende Telefon
Sieben Monate später kam das ersehnte Telefon. Der Helikopter
holte Brigitte in Bratsch ab. Ich war sehr ruhig und konnte den
halbstündigen Flug nach Zürich sogar geniessen. Dieser
1. August 2000 wird Brigitte immer in Erinnerung bleiben. Die langwierige
und schwierige Operation verlief gut. Allerdings musste Brigitte fast
vier Wochen auf der Intensivstation bleiben. An ihrem Geburtstag durfte
sie zum ersten Mal in den Park. Es war herrlich, wieder einmal frische
Luft einzuatmen, strahlt Brigitte.
Dankbar dem Spender
Heute, eineinhalb Jahre nach der Transplantation,
bezieht Brigitte eine IV-Rente. Ich bin wieder viel unternehmenslustiger
als vorher, erklärt sie. Mein Leben hat sich fast normalisiert.
Allerdings wird sie ihr Leben lang Medikamente einnehmen müssen.
Momentan schluckt sie täglich über 30 Tabletten. Bei Transplantationen
kann es immer wieder schwerwiegende Komplikationen geben. Darum muss Brigitte
jeden Monat für zwei Tage zur Kontrolle nach Zürich. Was ihr
aber wichtig ist: Ich bin den Angehörigen der Spenderlunge
sehr dankbar, dass sie sich bereit erklärt haben, Organe zu spenden.
Mir wurde ein zweites Leben geschenkt.
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