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Frontal-Interview:
„Pendelzüge zwischen Brig und Visp sind durchaus denkbbar“


Hans-Rudolf Mooser
 
Brig / Visp / Zermatt / Die Oberwalliser Bahnwelt ist im Umbruch. Und mittendrin steht Hans-Rudolf Mooser, der vor einem halben Jahr vom Chemiekonzern Lonza an die Direktionsspitze der BVZ Zermatt Bahn gewechselt hat. Im grossen RZ-Interview spricht er über das Top Terminal Täsch, die künftige Bedeutung der Briger und Visper Bahnhöfe und natürlich über die laufenden Fusionsgespräche FO und BVZ.

Von German Escher und Walter Bellwald

Seit rund einem halben Jahr sind Sie Direktor der BVZ Zermatt Bahn. Wie war die Umstellung vom Chemiekonzern zum Bahn- und Dienstleistungsbetrieb?

Die Umstellung war beachtlich – und zwar in mehrfacher Hinsicht. Ein Bahnunternehmen ist überblickbar und in der Funktionsweise verständlicher und steht natürlich in einem ganz anderen, regionalen Umfeld. Aber es entspricht meinen Erwartungen.

Die BVZ ist im Umbruch. Kooperationen mit Postauto Oberwallis und Zerzuben Touristik zeigen das. Steuert die BVZ wieder zurück aufs Kerngeschäft, den Bahnbetrieb?

Das Kerngeschäft der BVZ ist das Bahngeschäft. Daneben haben wir verschiedene andere Aktivitäten, die in einer Asset-Managementgesellschaft zusammengefasst sind. Dazu gehört auch die Zermatt Tours. Die von Ihnen angesprochene Kooperation ist für uns eine wichtige Plattform für den nicht schienengebunden Regionalverkehr und das touristische Geschäft, was ja letztlich auch unser Kerngeschäft wiederum befruchtet. Das Oberwallis ist ein zu enger Markt, um das touristische Busgeschäft alleine zu betreiben.

Geht’s auch darum, die Rentabilität zu steigern, um Anschaffungen wie etwa die bestellten Shuttle-Züge für Täsch-Zermatt zu finanzieren?

Das sind zwei getrennte Themen. Die Zermatt Tours sind in die roten Zahlen gefahren. Die Vorwärtsstrategie mit dem Kauf grosser Ausflugsbusse war zwar interessant. Aber wir mussten einsehen, dass wir für diesen hartumkämpften Markt einfach zu klein sind. Jetzt haben wir mit der Kooperation eine zukunftsgerichtete, erfolgsversprechende Lösung gefunden.

Und die Shuttle-Züge?

In Zukunft wird der Bund grundsätzlich die Anschaffung von Rollmaterial nicht mehr direkt mitfinanzieren. Die Bahnen sind hier gefordert. Für die BVZ heisst das, dass wir die noch fehlenden Gelder für die Shuttle-Züge selber aufbringen müssen.

Um wieviel geht’s da?

Ein Paar Shuttle-Züge, also zwei Kompositionen, kosten rund 20 Millionen Franken. Die ersten beiden Züge, die unabhängig voneinander oder aneinander gekoppelt fahren können, sind jetzt in Produktion und werden auf die Wintersaison zur Verfügung stehen. Das zweite Zugspaar ist noch nicht bestellt. Der Zeitpunkt dieser Anschaffung hängt auch mit der Realisierung des Top Terminals zusammen. Aber ab 2007 könnten auch diese Shuttles zum Einsatz kommen.

Sie haben den Top Terminal in Täsch angesprochen. Mit der Subventionszusage des Bundesamtes für Verkehr muss Ihnen ein gewaltiger Stein vom Herzen gefallen sein?

Das ist in der Tat so. Als gebürtiger Täscher sind mir die Gegebenheiten auf dem Teilstück Täsch-Zermatt sehr wohl vertraut. Bei meinem Amtsantritt bei der BVZ war für mich klar: Das Top-Terminal Täsch hat für mich höchste Priorität. Es wurden ja bereits grosse Vorleistungen erbracht. Im Juni letzten Jahres kam aber dann die Meldung, dass der Bund nicht bereit sei, im Rahmen des 8. Rahmenkredits einen Finanzierungsbeitrag zu leisten. Die BVZ hätte also erst ab 2005 wieder über allfällige Investitionsbeiträge diskutieren können. Seither haben wir von der BVZ mit der Unterstützung des Kantons, der Gemeinden Täsch und Zermatt einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Ging es dem Bund nicht darum, den Fusionsdruck auf BVZ und FO zu erhöhen?

Als regelmässiger Zugfahrer zwischen Visp, Brig, Zürich oder Basel, der von der BLS-Südrampe hinunter auf den Glisergrund blickt, betrachtete ich schon lange vor meinem Amtsantritt ein Zusammengehen von FO und BVZ als strategische Option. Natürlich hat der Bund auch ein klares Interesse an der Fusion von BVZ und FO. Deshalb war es naheliegend in dieser Diskussion um die Fusion auch den TopTerminal Täsch, den Bahnhof Visp und die FO-Ostausfahrt zu thematisieren. Das mag also durchaus auch eine Rolle gespielt haben.

Ist die Fusion auf gutem Weg?

Auf der Baustelle Fusion wird intensiv gearbeitet. Derzeit werden die Entscheidungsgrundlagen für die Verwaltungsräte erarbeitet, damit diese dann die Grundsatzfragen beantworten können: Übungsabbruch ja oder nein? Die künftigen Besitzverhältnisse und die Frage, ob und welchen Platz die privaten Aktionäre in dieser neuen Gesellschaft haben werden, stehen im Vordergrund. Das bedingt, dass man über die Bewertungen der einzelnen Bahnen spricht. In der BVZ als börsenkotiertes Unternehmen mit einem privaten Aktionariat gelten z.B. andere Abschreibungsmechanismen. Die FO ist eine Bahn im Besitze der Öffentlichkeit, wenn Sie so wollen, eine Staatsbahn. Um hier eine vergleichbare Bewertung vornehmen zu können, musste man fast eine 30jährige Eisenbahngeschichte aufarbeiten. Kurzum: Wir sind gut unterwegs. Aber die Weichenstellung liegt bei den Verwaltungsräten und dann bei den Generalversammlungen der beiden Bahnen. Aber unser Ziel ist klar. Der Grundsatzentscheid auf der Ebene der Verwaltungsräte zur Fusion sollte vor dem Sommer gefällt werden.

FO und BVZ mögen ähnliche Betriebe sein, aber die Kulturen sind schon sehr unterschiedlich.

Das stimmt. In unserem Verwaltungsrat beispielsweise sitzt ein Grossaktionär, dem 37 Prozent gehören. Das ist ein globaltätiger Geschäftsmann. An unserem Verwaltungsratstisch sitzen noch andere Unternehmer und Bankiers. Diese wollen wissen, wie das private Geld in diesem fusionierten Bahnunternehmen Platz hat und welche Einflussmöglichkeiten die privaten Aktionäre noch haben.

Aber es wären auch Zwischenformen, also Betriebskooperationen, denkbar?

Beide Verwaltungsräte haben sich die Fusion als strategisches Ziel gesetzt. Sollten BVZ und FO nicht fusionieren, sind Kooperationen denkbar. Ich bin mir sicher: Auch wenn es nicht zur Fusion kommt, die Führung der beiden Bahnen wird in Zukunft nicht mehr gleich aussehen wie heute. Der neue Bahnhof Visp kommt. Unsere Werkstätten in Visp müssen weg. Wir müssen uns im Glisergrund integrieren. Also schon anhand von diesem Beispiel wird es Änderungen geben.

Die Oberwalliser Eisenbahnwelt ist im Umbruch: Wie wird sich ihrer Meinung nach die NEAT auswirken?

Die NEAT ist für das Oberwallis wirklich eine riesige Chance. In 54 Minuten von Bern nach Visp zu fahren, das ist eine neue Dimension. In zwei Stunden wird man von Basel oder Zürich nach Visp reisen, wo wir den Gast auf der Schiene in Richtung Zermatt weitertransportieren möchten. Darum werden intensive Gespräche mit den SBB geführt, wie man die optimale Anbindung an den regionalen Öffentlichen Verkehr verwirklichen will.

Ist das Bahnhofprojekt Visp gut unterwegs?

Ja. Bei der NEAT-Eröffnung 2007 werden die Züge in Visp in einen neuen Bahnhof einfahren. Es würde ja keinen Sinn machen, die zahlreichen Bahnreisenden bis Visp zu transportieren, und hier bringt der regionale öffentliche Verkehr die Reisenden nicht mehr weg. Das muss noch organisiert werden. Wenn der Umstieg nicht klug organisiert wird, dann werden sich die Betreiber der internationalen Linien auch fragen, welche Rolle Visp oder Brig überhaupt spielen sollen.

Welche Bedeutung wird Brig für die BVZ in Zukunft haben?

Brig ist ein wichtiger schweizerischer Eisenbahnknoten. Als Grenzort und Agglomeration wird Brig auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Eine Behördendelegation diskutiert jetzt die Aufgaben und die Organisation dieser beiden Verkehrsstandorte. Es gibt klar eine Verlagerung nach Visp. Aber Brig wird nicht bedeutungslos. Am Bahnhof Brig gibt es interessante Projekte. Auch die BVZ hat die Möglichkeit, sich gemeinsam mit der FO auf dem heutigen Perron 1 der SBB einzubringen. Ebenfalls bringt das geplante Parking eine Aufwertung des Bahnhofs. Letztlich wird die Bahnhofdiskussion keine Schwarz-Weiss-Frage. Aber Visp wird eine Aufwertung erfahren – vor allem für den touristischen Verkehr.

Und im Regionalverkehr?

Im Regionalverkehr will die BVZ oder allenfalls die neue fusionierte Bahn eine wichtige Rolle spielen. Pendelzüge zwischen Brig und Visp sind durchaus denkbar. Das sind Themen, die wir heute auch mit den SBB und letztlich mit dem Besteller, d.h. dem Kanton, diskutieren.

Und wenn’s nicht zur Fusion kommt, ist nicht auszuschliessen, dass die BVZ gar nicht mehr bis Brig fährt?

Das ist kaum vorstellbar, zumal unser gemeinsames Produkt, der Glacier-Express, immer hier durchfahren wird. Wir sind mit den Partnerbahnen FO und Rhätische Bahn zur Zeit damit beschäftigt, auf das 75-Jahr-Jubiläum im Jahr 2005 für 60 Millionen Franken neues Rollmaterial anzuschaffen.

A propos Geld: Das Top Terminal hat eine wichtige Hürde genommen. Aber reichen 30 Mio. nicht aus, um ein 70 Mio-Projekt zu finanzieren?

Bund und Kanton haben diese 30 Millionen im Sinne eines strategischen Entscheides in ihre Finanzplanung aufgenommen. 45 Prozent davon muss der Kanton aufbringen. Und das muss noch vor den Grossen Rat. Auch wir haben noch einige grosse Hausaufgaben zu machen, beispielsweise die Wirtschaftlichkeitsrechnung, die Finanzplanung und das Finanzierungsgesuch. Aber Bund und Kanton werden sich nur an der Bahninfrastruktur und nicht am Parking beteiligen. Das ist Sache der Parkinggenossenschaft, die grosse Vorarbeiten, etwa die Abkommen mit den Bodeneigentümern, geleistet hat. Auch hier ist die Finanzierung auf gutem Weg. Bahnseitig belaufen sich die Investitionen ohne Rollmaterial auf rund 45 Millionen Franken, wovon 30 Millionen durch den Bund und Kanton in Aussicht gestellt sind. Für die restlichen 15 Millionen wird die BVZ selber aufkommen müssen. Aber aufgrund unserer Finanzplanung sind wir der Ansicht: Jetzt können wir mit dem Top Terminal Täsch vorwärts machen.

Und das, obwohl die Strasse bis nach Zermatt immer wieder heftig diskutiert wird?

Die Strasse ist ein emotionsbeladenes Thema – und das seit bald 30 Jahren. Und daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Aber Tatsache ist ebenso, dass eine für alle befahrbare Strasse bis nach Zermatt und die Schaffung der notwendigen Parkplätze bei den beschränkten Platzverhältnissen in Zermatt sich nur sehr schwer finanzieren lassen. Zudem wäre der Gast noch nicht im Zentrum von Zermatt. Und das ist eine der Stärken der BVZ. Wir bringen den Gast bequem ins Herzen des Weltkurortes. Zudem erreichen wir mit dem Bau des Top Terminals in Täsch die notwendige Qualitätsverbesserung und damit kann einer der grossen Schwachpunkte bei der Anreise der Gäste nach dem Weltkurort Zermatt eliminiert werden.


 

 

      
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