| Brig / Oberwallis / Vor bald drei Jahren
kam das SVP-Sünneli ins Wallis. Angesagt war eine Oppositionspartei,
die unzufriedene Mitte-Rechts-WählerInnen abwirbt vor allem
bei den C-Parteien. Was mit Pauken und Trompeten begann, verlief bis heute
zumindest im Oberwallis beinahe gänzlich im Sande. Nun
tagen die Delegierten der schweizerischen Mutterpartei in Brig nicht
gerade eine SVP-Metropole.
Von Ruth Seeholzer
Die Geschichte der SVP Wallis kann man in wenigen
Sätzen schreiben. Oder drei Bücher füllen, je nachdem,
ob man die ganzen Streitereien, Rausschmisse und Androhungen auch erzählen
will. Was erfolgversprechend im Ober- wie im Unterwallis anfing, hat deutlich
an Anfangsbonus verloren. Um nicht sogar von einem gänzlichen Versanden
im Oberwallis zu sprechen.
Viele Turbulenzen
Als der damalige SVP-Vizepräsident Peter Tscherrig und seine
Crew das Ruder im Oberwallis noch fest in der Hand hatten, waren Wahlerfolge
erzielt und rasch Neumitglieder geworben. Nach dem unrühmlichen Rausschmiss
des Oberwalliser SVP-Exponenten ging es rasant bergab mit der noch jungen
Partei im Oberwallis. Peter Tscherrig heute:
Die Ereignisse sprechen für sich. Jeder Kommentar erübrigt
sich. Und er fügt hinzu: Die SVP wird in der jetzigen
Konstellation keine Konkurrenz für die C-Parteien sein. Seither
sucht die Parteispitze vergeblich nach einer neuen Vorzeige-Figur für
das deutschsprachige Wallis. Im unteren Kantonsteil hat die SVP weniger
Mühe. Allerdings mehren sich auch hier die Anzeichen, dass nicht
mehr alle Parteimitglieder mit dem autokratischen Stil ihres Präsidenten
Oskar Freysinger einverstanden sind. Zum Eklat kam es vor einem Monat
mit Roger Morisod, SVP-Grossrat und früherer Unterwalliser Parteiverantwortlicher.
Dieser ging in einem Interviev im Nouvelliste hart ins Gericht mit dem
Kantonalpräsidenten. Demokratiedefizit und Extremismus wirft Morisod
seinem grossrätlichen Banknachbarn vor.
Alles wird gut?
Am 6./7. April tagen die Delegierten der SVP Schweiz in Brig. Die
Créme de la Créme der schweizerischen Mutterpartei wird
anwesend sein: Bundesrat Samuel Schmid, Parteipräsident Ueli Maurer,
Nationalrat Christoph Blocher etc. (Siehe Interview mit Ueli Maurer) Wird
die SVP Wallis dieses strategisch wichtige Treffen zum Anlass nehmen,
um endlich einen Oberwalliser Regionalpräsidenten zu präsentieren?
Nein, lautet die einfache Antwort von SVP-Vizepräsident
Fredy Ursprung. Das Generalsekretariat hat uns von diesem Schritt
abgeraten. Nach dem fulminanten Auftakt der SVP an den Nationalratswahlen
1999, als die Newcomer-Partei nur knapp einen Sitz verpasste, sagte Freysinger
zu den Medien: Was jetzt nicht ist, werden wir in vier Jahren nachholen.
Es fragt sich nur, wie. Denn der Wahlherbst 2003 naht mit grossen Schritten.
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Im Vorfeld der Delegiertenversammlung
der SVP Schweiz in Brig nimmt Präsident Ueli Maurer Stellung. Seine
Meinung ist klar und entgegen derjenigen des SVP Kantonalvorstandes: Es
wird zwei eigenständige Sektionen im Wallis geben.
Warum haben Sie Brig als
Austragungsort für Ihre diesjährige Delegiertenversammlung gewählt?
Wir suchen immer wieder Kantone,
in denen wir noch neuere Kantonalparteien haben. Im Wallis war ja der
Start nicht optimal und wir möchten mit unserer Delegiertenversammlung
in Brig demonstrieren, dass uns das Wallis und insbesondere das Oberwallis
wichtig sind.
Wo sehen Sie gerade
im Oberwallis die potenzielle Wählerschaft?
Wir sind eine Partei mit bäuerlichen
und gewerblichen Wurzeln, die auf dem Land gewachsen ist. Genau diese
Leute leben im Oberwallis.
Oskar Freysinger, dem Walliser
SVP-Kantonalpräsidenten, wird von verschiedenen Seiten (zum Teil
sogar innerparteilich) vorgeworfen, zu autokratisch zu herrschen und nichts
zur Integration des Oberwallis in die Kantonalpartei beizutragen. Warum
stützt die SVP Schweiz den jetzigen Kantonalpräsidenten?
Wir sind eine föderalistische
Partei und keine Diktatur. Es liegt an den Wallisern, ihre Vertreter zu
wählen. Wenn man bedenkt, dass die etabilierten Parteien nicht auf
die SVP gewartet haben, hat sich Oskar Freysinger gut geschlagen.
Wie lange kann es sich
die SVP noch leisten, das Oberwallis brach liegen zu lassen?
Wir haben vor den letzten
Nationalrats-Wahlen die Partei sehr schnell gegründet. Wir wollen
und müssen uns jetzt Zeit lassen, eine Partei mit den Oberwallisern,
für die Oberwalliser zu gründen. Nach all den Wirren wollen
wir nun eine gut abgestützte Organisation auf die Beine stellen.
An guten Ratschlägen fehlt es nicht.
Wenn man die Walliser Gegebenheiten
etwas kennt, wird man nicht umhin kommen, einen Verantwortlichen für
das Oberwallis sowie einen für das Unterwallis zu bestimmen, da ansonsten
die gegenseitige Akzeptanz zu gering ist. Ist sich die SVP Schweiz dessen
bewusst? Oder müsste man das Wallis aufteilen in eine SVP Ober- und
eine SVP Unterwallis, so wie es die anderen Walliser Parteien auch tun?
Wir werden das Wallis ebenfalls in zwei völlig
selbstständige Parteien aufteilen. Zeitlich haben wir dafür
noch keinen Rahmen abgesteckt. Uns ist es wichtig, dass wir eine Organisation
haben, die den Leuten entspricht. Dieses Problem haben wir am Anfang nicht
erkannt.
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