| Grengiols / Naters / Als Architekt und Planer
hat er sich in den letzten Jahren einen Namen geschaffen. Doch ebenso stark
verbunden ist er mit dem Fussball: Hans Ritz, Präsident des FC Naters.
Gegenüber der RZ spricht er über die laufende Saison, Klubfinanzen,
die sportlichen Ambitionen und die Gommer Wirtschaft und Politik.
Von German Escher und Walter Bellwald
Der FC Naters ist gut unterwegs. Ist der Präsident
mit der bisherigen Saison zufrieden?
Der Auftakt in die Saison ist uns geglückt.
Nach drei Startsiegen hatten wir zwar ein kleines Tief. Aber gesamthaft
war die Vorrunde, die wir auf dem 4. Platz beendet hatten, eigentlich
so gut wie schon lange nicht mehr. Der Rückrundenstart hätte
zwar etwas besser sein können. Mit den anstehenden Spielen gegen
eher schwächer eingestufte Mannschaften ist es durchaus möglich,
noch näher an den Strich und an die Aufstiegsspiele zu kommen.
Was sind die Hauptgründe für das gute
Abschneiden der 1. Mannschaft?
Das sind mehrere Gründe: Wir haben einen starken
Torhüter und auf jeder Linie erfahrene Spieler, die mit sehr guten
und willigen Nachwuchsspielern ergänzt werden. Die richtige Mischung
und ein gesunder Konkurrenzkampf um die Stammplätze bringen die ganze
Mannschaft weiter, die von Trainer Gio Ruberti auch sehr gut geschult
und motiviert wird.
Er lässt auch einen gepflegteren Angriffsfussball
spielen.
Diese Beurteilung stimmt. Einige Spieler meinten
sogar, sie hätten erst jetzt richtig Fussballspielen gelernt. Im
Gegensatz zu früher, als man mit langen Bällen auf die Stürmer
das Glück versucht hat, wird heute mit kurzen Pässen aus der
Verteidigung heraus ein gefälliger, offensiver Fussball gespielt.
Das zeigt auch das Torverhältnis. Wir erhalten zwar viele Tore, aber
wir schiessen auch viele Tore.
Das tönt nach attraktivem Fussball. Und trotzdem
ist der Zuschaueraufmarsch enttäuschend.
Mit den Zuschauerzahlen bin ich nicht zufrieden.
Nach dem optimalen Start in die Saison sind die Zuschauerzahlen gestiegen.
Dann waren bis zu 500 Leute im Stapfen. Entsprechend gut war
auch die Stimmung. Wieso in der Rückrunde wieder weniger Zuschauer
unsere Heimspiele besuchen, ist zu bedauern. Wir hoffen auf Besserung
und empfehlen uns...
Sind wir auch im Fussball verwöhnt?
Das stimmt wohl. Unsere Gesellschaft ist in vielen
Belangen verwöhnt. Da macht der Fussball keine Ausnahme. Wahrscheinlich
kommen erst dann wieder wesentlich mehr Leute, wenn wir um einen Aufstiegsrundenplatz
spielen können.
Ist der Aufstieg in die NLB wirklich ein sportliches
Ziel?
Als ich vor zwei Jahren den FC Naters übernahm,
habe ich drei Ziele formuliert: die Reduktion des gesamten Vereinsbudgets,
die Förderung der Junioren über die Vereinsgrenzen hinweg und
eine Top-1.Liga-Mannschaft. Mittelfristig wollen wir mit dem FC Naters
in die Nationalliga B.
Lässt sich eine NLB-Mannschaft überhaupt
finanzieren?
Das ist ein heikles Thema. Man hört ja die verschiedensten
Zahlen über die 1. Liga-Mannschaft. Ich habe ab dem ersten Tag meiner
Präsidentschaft für Transparenz plädiert. Wir bezahlen
den Spielern eine angemessene Entschädigung, wobei wir drei Kategorien
haben: Ersatz- und Nachwuchsspieler sind in der 1. Kategorie. Normale
Stammspieler zählen zur 2. Kategorie. Und in der 3. Kategorie befinden
sich erfahrene Leistungsträger, die auch ausserhalb des Sportplatzes
für den Klub da sind. Die Spieler kennen gegenseitig die Entschädigungen.
Wie hoch ist denn das Budget des FC Naters?
Das Budget für den ganzen Klub liegt bei ca.
einer halben Million Franken. Hievon benötigen wir etwas mehr als
die Hälfte für die erste Mannschaft. Wer in der 1. Liga spielt,
betreibt einen beachtlichen Zeitaufwand. Deshalb ist es gerechtfertigt,
wenn man den Spielern eine gewisse Entschädigung zum Teil
auch für den Lohnausfall und eine Spesenabgeltung bezahlt.
Die Natischer NLB-Jahre waren nicht nur Erfolgs-,
sondern auch Schuldenjahre. Der Aufstieg müsste doch gut überlegt
sein.
Für die Nationalliga B liesse sich das Budget
sicher nicht verdoppeln. Wir müssten auch in der NLB vor allem auf
unsere eigenen Juniorenspieler und Verstärkungen aus dem ganzen Oberwallis
setzen. Vielleicht müsste man noch einen Spielmacher verpflichten.
Aber ich bin überzeugt: Mit einem bescheidenen Mehraufwand liesse
sich eine NLB-Mannschaft finanzieren. In den Jahren 1995/96, als Naters
in der NLB gespielt hat, war der Club wahrscheinlich noch nicht weit genug,
um ein solches Abenteuer einzugehen. Die Verantwortlichen haben damals
zwar einen riesigen Einsatz geleistet, an Erfahrungen im neuen Umfeld
hat es aber gefehlt. Die damaligen Spielerverpflichtungen haben den Rahmen
gesprengt. Wir sind noch heute dabei, Schulden von damals abzubauen.
Wie gehts dem FC Naters heute finanziell?
Uns geht es relativ gut. Nebst unserem Standardbudget,
das wir gut im Griff haben, sind wir bemüht, den Schuldenberg von
heute noch rund 90000 Franken zu reduzieren. Unser Ziel ist klar:
Der FC Naters sollte bis in zwei bis drei Jahren schuldenfrei dastehen.
Geld ist das eine, die Zusammenarbeit mit den
anderen Klubs das andere. Und ohne diese Identifikation mit einem FC
Oberwallis wäre eine Herausforderung in der NLB wohl kaum zu
packen?
Es braucht diese Zusammenarbeit. Das stimmt. Und
wir sind auch auf einem guten Weg. Jeder Verein muss heute einsehen, dass
man alleine nicht weiter kommt. Diese Meinung wird eigentlich heute in
weiten Kreisen geteilt. Praktisch alle Klubs sind inzwischen Mitglied
im Nachwuchskonzept Footplus Oberwallis. Das ist ein erster grosser Schritt.
Aus diesem Grund habe ich auch am Aufbau und an der Entwicklung von Footplus
Oberwallis als Präsident und jetzt noch als Vorstandsmitglied mitgearbeitet.
Hier wird der Grundstein für ein regionales Denken im Oberwalliser
Fussball gelegt. Für die E- und D-Junioren im Oberwallis gibt es
zu wenig gute Trainer. Es macht doch Sinn, diesen ein Zusatztraining anzubieten
und die besten Junioren in einer Mannschaft zusammenzufassen. Das bringt
auch wieder zusätzliche Zuschauer aus verschiedenen Ortschaften des
Oberwallis zu den Spielen.
Sie sind nicht nur Klubpräsident, sondern
führen auch das grösste Architektur- und Planungsbüro im
Oberwallis. Jetzt werden Sie noch Ihre verstorbene Frau im Gemeinderat
ersetzen. Wie bringen Sie das zeitlich noch aneinander vorbei?
Ich habe ein gewisses Organisationstalent. Das Arbeiten
bereitet mir Freude. Es gehört zu meinen Zielen, etwas zu leisten
und auch Neues zu wagen und auf die Beine zu stellen. Allerdings ist durch
die neue familiäre Situation alles schwieriger geworden. Seit dem
Tod meiner Frau am 13. März 2002 habe ich vor allem im familiären
Alltag zusätzliche Aufgaben zu erfüllen und zu organisieren.
Es wird sicher einige Zeit dauern, bis wir meine Söhne und
ich dies alles in den Griff bekommen. Mit der Unterstützung
hilfsbereiter Dritter, seien es Verwandte oder aus dem Freundeskreis,
bin ich aber zuversichtlich.
Haben Sie aufgrund dieser tragischen Erfahrungen
die Prioritäten neu gesetzt?
Am 28. Februar 2001 haben wir erfahren, dass meine
Frau an Krebs erkrankt war. Die Diagnose war für uns niederschmetternd.
Plötzlich sieht man das Leben aus einer anderen Optik. Bei mir haben
sich die Prioritäten verschoben. Bei allem, was ich früher gemacht
habe, habe ich immer das i-Pünktchen gesucht. In der Arbeit hatte
ich immer das Gefühl, an jedem Zeichnungstisch noch meine Korrekturen
anzubringen. Die regelmässigen Spitalbesuche und Abwesenheiten vom
Beruf haben mir gezeigt, dass das Büro mit einigen organisatorischen
Massnahmen auch ohne meine ständige Präsenz weiterläuft.
Aber es war und ist eine schwierige Zeit.
Aber im Büro läuft es ihnen bestens
oder zumindest besser als den meisten Gommer Gewerbetreibenden. Geht es
der Gommer Wirtschaft so schlecht oder klagen die Gommer einfach lauter
als andere?
Das Goms ist durch das Olympia-Nein 1999 regelrecht
lahm gelegt worden. Das spielt sich vor allem in den Köpfen ab. Viele
Gommer haben damals den Mut verloren, eigene Ideen und Projekte umzusetzen.
Ich war damals auch enttäuscht und liess viele meiner Projekte in
der Schublade. Aber nach einer Weile kam ich zur Einsicht, dass wir trotzdem
im Goms Aktivitäten entwickeln, die Bevölkerung beschäftigen
und den Tourismus vorwärts bringen müssen. Die Landschaft und
Infrastruktur im Goms stimmen. Hier kann man schöne Ferien verbringen
und auch gut leben. Aber ein Büro in unserer Grössenordnung
kann und darf sich nicht alleine auf das Goms beschränken. Deshalb
sind wir im ganzen Oberwallis und besonders im Raum Brig-Naters-Brigerberg
aktiv.
Aber man spürt im Goms eine gewisse Lethargie.
Versagt die Politik oder fehlen in der Wirtschaft die innovativen Ideen
und Köpfe?
Es fehlt wohl an beidem. Es gibt zwar innovative
Köpfe, die aber leider häufig auch rasch zurückgebunden
werden. In den kleinen Dörfern richtet der Neid sehr grossen Schaden
an. Das ist nach meiner Erfahrung ein Unterschied zu den grösseren
Zentren, wo man möglichst rasch eine Baubewilligung erhält.
In Baukommissionen von manchen kleineren Gemeinden wird oft lange diskutiert
und eher nachgedacht, wie man ein Projekt verhindern statt zügig
bewilligen könnte. Mit dieser Haltung einiger Baukommissionen hatte
ich in den letzten Jahren immer wieder zu kämpfen.
Wie gehts dem Hochbau eigentlich? Auch hier
hört man häufig Klagen. Wie beurteilt ein grosses Architekturbüro
die Entwicklung?
Anfangs der 90er Jahren war die Situation recht gut.
Dann ist die Nachfrage leicht abgeflacht. Und seither ist die Situation
in etwa konstant. Da ist die Motivation der Promotoren und Planungsbüros
gefragt. Allerdings hat sich die Ausgangslage verändert: Wir stellen
heute fest, dass die jungen Leute im Oberwallis nicht mehr primär
für den Erwerb von Wohneigentum sparen wollen. Man setzt andere Prioritäten;
das spürt der Immobilienmarkt.
Wird sich dadurch auch die Abwanderung aus den
Bergdörfern in die Zentren wieder verschärfen?
Die Bevölkerung im Goms beispielsweise ist weniger
mehr ans Tal gebunden als vor 10 oder 15 Jahren. Die Folge ist absehbar:
Junge Familien ziehts stärker in grössere Zentrumsgemeinden,
wo die Kinder zu Fuss oder mit dem Velo zur Schule können und der
Arbeitsweg ohne Auto zu machen ist. Die Gefahr, dass die Abwanderung ansteigt,
lässt sich nicht wegdiskutieren.
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