| Oberwallis / Was im Oberwallis die längste
Zeit nur verdeckt möglich war, blüht plötzlich auf: Die Prostitution.
Zugleich ist die Zahl der HIV-Ansteckungen im Wallis deutlich angestiegen.
Ungeschützter Geschlechtsverkehr und falsches Verhalten im Umgang mit
Prostituierten zwingen zum Handeln.
Von Ruth Seeholzer
Die Aidshilfe Oberwallis spricht an ihrer Generalversammlung
deutliche Worte: Die Aidsfälle nehmen seit einem Jahr wieder markant
zu. Schuld daran ist einerseits, dass der Schrecken vor dieser
immer noch tödlichen Krankheit abgenommen hat in der irrigen Meinung,
Aids sei heute heilbar. Andererseits ist gerade im Oberwallis die Prostitution
stark auf dem Vormarsch. Ausser den zwei bekannten Cabarets/Dancings,
wo vor allem Ausländerinnen mit dem bekannten sogenannten Künstlerpermis
auftreten, schiessen viele Sex-Salons wie Pilze aus dem Boden der grösseren
Oberwalliser Talgemeinden.
Grossbaustellen als Freier-Lieferanten
Wie in den Kantonen Tessin und Bern spürt auch das Wallis, insbesondere
der obere Teil, die andere Seite des wirtschaftlichen Aufschwungs
durch die Grossbaustellen. Wie das kantonale Arbeitsamt bestätigt,
werden pro Monat 80 bis 90 sogenannte Tänzerinnen-Permis ausgestellt.
Dies sind aufs Jahr hochgerechnet an die 1000 Permis, die den Damen den
Aufenthalt und die Arbeit in einem Dancing erlauben. Im Oberwallis machen
diese Tänzerinnen allerdings nur ein kleines Stück des Kuchens
des ältesten Gewerbes der Welt aus. Den weit grössten Anteil
an Liebesdienerinnen bieten die verschiedenen Massagesalons an.
Projekt Belladonna
Die Aidshilfe Oberwallis (AHO) reagiert
auf die veränderten Verhältnisse und hat das Projekt Belladonna
gutgeheissen. Präsident Silvio Pacozzi: Wir wollen die Tänzerinnen,
die zu praktisch 100 Prozent Ausländerinnen sind, über die Gefahren
von Aids aufklären. Diese nicht ganz einfache Aufgabe gedenkt
die AHO mit sogenannten Streetworkerinnen auszuführen. Vorgesehen
für diese Aufgabe sind Frauen, die früher selber Prostituierte
waren. Das erleichtert den Zugang zu den Tänzerinnen,
ist Silvio Pacozzi überzeugt. Wäre es denn nicht effizienter,
wenn man auf die Freier zugehen und diese eingehend über die Gefahren
einer HIV-Ansteckung informieren würde? Der Präsident der AHO
nickt: Dies wäre ein weiterer wichtiger Ansatz. Nur ist das
auch nicht ganz einfach. Man kann ja nicht alle Freier zu einem Informationsabend
im Restaurant Sowieso aufrufen! Noch in der Evaluierungsphase ist
aber das Projekt einer Wanderausstellung, die an den verschiedenen Grossbaustellen
aufgestellt werden könnte. Wir müssen einfach wieder
mehr Gas geben, so Silvio Pacozzi. Der HIV-Virus ist tödlich.
Und er wird sehr häufig bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr
übertragen.
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