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Oberwallis / Im Vorfeld der Abstimmung über
die Fristenlösung sowie die Ini-tiative Für Mutter und
Kind schlagen die Wellen hoch. BefürworterInnen und GegnerInnen
beider Vorlagen setzen sich mit Vehemenz für ihre Anliegen ein. Worin
sich aber die meisten einig sind, ist, dass die Beratung für angehende
Mütter ausgebaut werden muss. Am 2. Juni ist die Abstimmung.
Es sind alle aufgerufen hinzugehen.
Von Ruth Seeholzer
Ja, es kommen häufig schwangere Frauen
zu uns, die sich nicht ganz schlüssig sind, ob sie das Kind behalten
wollen, erklärt Annemarie Guler von der Briger Stelle für
Eheberatung, Familienplanung und Schwangerschaftshilfe. Allerdings
hätten die wenigsten einen ganz klaren Abbruchswunsch. Für
uns ist das Wichtigste, die Frauen und ihre Partner zu informieren und
ihnen die Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen, so Annemarie Guler.
Die Beratungsstellen haben ein Mandat des Kantons. Sie werden auch von
Sitten subventioniert. Sollte das Gesetz zur Fristenlösung angenommen
werden, so sieht der Bundesrat spezielle Beratungsstellen für Schwangere
unter 16 Jahren vor. Heute sähe sie nur sehr vereinzelt so junge
schwangere Frauen in der Beratungsstelle, so Annemarie Guler.
Nie leichtfertig
Ob sie persönlich denn für oder gegen den Schwangerschaftsabbruch
sei? Das steht hier überhaupt nicht zur Diskussion,
erklärt Guler klipp und klar. Wichtig ist einzig, dass die
Klientinnen sich gegenüber ihrem Umfeld abgrenzen lernen, indem ihnen
eine neutrale Stelle hilft, sich ihrer Gefühle wahr zu werden.
Das und nichts anderes wolle sie in der Beratungsstelle vermitteln. Und
noch etwas möchte sie loswerden: In meiner jahrelangen Tätigkeit
habe ich gelernt, dass keine einzige Frau leichtfertig ein Kind abtreibt.
Es ist immer eine schwierige Entscheidung. So oder so.
Abstimmungsmodus
Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Wer dafür ist, dass
Abtreibung bis zur zwölften Schwangerschafts-woche straffrei
werden soll, muss JA(zur Fristenlösung)/NEIN(Für Mutter
und Kind) stimmen. Wer dafür ist, dass das heutige Gesetz beibehalten
wird, welches den Abbruch nur bei Gefahr schweren Schadens für die
Schwangere straffrei lässt, muss NEIN/NEIN stimmen. Wer möchte,
dass das heute geltende Gesetz noch verschärft wird dadurch, dass
eine Abtreibung nur noch bei akuter Lebensgefahr der angehenden Mutter
straffrei ist, muss NEIN/JA stimmen.
Paradox aber erlaubt
Natürlich darf man auch JA/JA stimmen, auch wenn das völlig
paradox ist. Theoretisch könnten demnach auch beide Vorlagen angenommen
werden. Dann hätte die Initiative mehr Gewicht, weil diese eine Verfassungsänderung
verlangt gegenüber der Fristenlösung, die nur eine Gesetzesänderung
bedingt. Dennoch gilt ein solches Ergebnis als unwahrscheinlich. Kommt
hinzu, dass der Fristenregelung ein blosses Volks-Ja genügt
der Initiative aber nicht: Sie muss auch die Mehrheit der Stände
erreichen.
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Contra Fristenlösung - Pro Initiative Für
Mutter und Kind
Markus Schalbetter ist wohnhaft in Grengiols und
Präsident von Ja zum Leben Oberwallis. Der 35-jährige
gibt als Beruf allerlei an.
Wie werden Sie am 2. Juni 2002 abstimmen?
Nein zur Fristenlösung,
Ja zur Initiative Für Mutter und Kind.
Warum sind Sie gegen die Fristenlösung, wie
sie das Parlament und der Bundesrat beschlossen haben?
In der Gesetzgebung soll festgelegt sein, was Recht
ist und nicht, was praktiziert wird. Mit der Fristenlösung wird Abtreibung
als Dienstleistung an der Allgemeinheit anerkannt.
Werten Sie den Schutz des Ungeborenen höher
als das Selbstbestimmungsrecht der Frau?
Ja. Wenn das nicht schon immer so gewesen wäre,
würde es mich auch nicht geben. Auch ich war kein Wunschkind, das
sechste Kind von sieben. Die meisten von uns sind keine Wunschkinder.
Jetzt, wo wir die Wunschkinder-Kultur kennen, schaffen wir Platz für
andere.
Warum engagiert sich ein Mann in der Abtreibungsfrage?
Ich bin ein Egoist. Ich fürchte, dass die Mutter
Erde, das Universum, uns schlagen wird, bis wir mit diesem Tun aufhören
werden. Das wird auch mich und meine Kinder betreffen, und das wird wehtun.
Eigentlich ahnen wir alle, dass es nicht immer so weitergehen wird, und
wir alle sind gespannt darauf, was als nächstes auf die Erde zukommt.
Haben Sie in Ihrem näheren oder weiteren
Umfeld schon einmal konkrete Diskussionen um eine Abtreibung mitverfolgt?
Wie haben Sie reagiert?
Ich halte mich stark zurück, und mich interessiert
die Meinung des anderen. Seitdem ich mich im Lebensschutz engagiere, hat
mich das Leben jener Frauen immer stark interessiert, welche selber abgetrieben
haben. Denn der Schlüssel, wie Abtreibungen verhindert werden können,
bekommen wir nur von diesen Menschen.
Die Gegnerinnen und Gegner der Fristenlösung
gebrauchen so markige Worte wie Mord für einen Schwangerschaftsabbruch.
Ist das nicht pure Polemik?
Wenn es auch nicht mein Stil ist, so zu argumentieren,
glaube ich doch, dass wir uns nicht im Klaren sind, was wir da tun. Es
gibt innerhalb unseres Glaubensbekenntnisses einen wunderbaren Satz: Ich
glaube an die Auferstehung der Toten. Ein Satz, dessen Bedeutung
uns nicht bewusst ist, und welcher eine wunderbare Zusage für jene
Frauen ist, welche eine Abtreibung bereuen und wieder gutmachen möchten.
Es gibt ein Wiedersehen mit den bewusst getöteten Kindern. Dann werden
die Letzten begreifen, was Abtreibung war, und ob die Gründe ausreichten.
Wann entsteht für Sie ein menschliches Wesen?
Mit der Verschmelzung des Samens mit der Eizelle.
Die DNS, unser äusseres Erscheinungsbild und vieles mehr, sind damit
vollständig definiert.
Warum wird Ihrer Meinung nach die Abstimmungsdiskussion
dieses Mal so emotional geführt?
Dieses Thema betrifft viele Menschen. Jeder könnte
betroffen sein, als Vater, Mutter, Enkelkind bis zum Arzt. Die
ganze Auseinandersetzung hat der Gesellschaft schlussendlich gut getan.
Es ist wichtig, dass das Thema Kinder ein Thema bleibt und sich noch vieles
ändert, wenn unsere (auch Walliser) Kultur nicht zusammenbrechen
soll.
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Pro Fristenlösung - Contra Initiative Für
Mutter und Kind
Brigitte Hauser-Süess
Brigitte Hauser-Süess, ehemalige Präsidentin
der CVP-Frauen Schweiz und ehemalige Präsidentin der CVPO, Jahrgang
1959, ist heute Informationschefin im Bundesamt für Flüchtlinge.
Wie werden Sie am 2. Juni 2002 abstimmen?
Ja zur Fristenlösung;
Nein zur Initiative Für Mutter und Kind.
Warum braucht es eine Änderung des Strafgesetzbuches
betreffend Schwangerschaftsabbruch?
Die heutige gesetzliche Situation ist unbefriedigend.
Die gesetzlichen Bestimmungen werden in den einzelnen Kantonen unterschiedlich
gehandhabt. Gesetze, die nicht vollzogen werden, fördern Rechtsunsicherheit
und Willkür. Wir brauchen ein Gesetz, das auch angewendet
wird und das die betroffene Frau nicht noch zusätzlich kriminalisiert.
Daneben braucht es aber auch die Förderung und Unterstützung
der sexuellen Aufklärung und den erleichterten Zugang zu Verhütungsmitteln
und dass sie von der Krankenkasse übernommen werden.
Warum sind Sie gegen die Initiative Für
Mutter und Kind?
Die Initiative ist noch strikter als das geltende
Gesetz. Schwangerschaftsabbrüche lassen sich aber, das zeigt die
Geschichte, mit Verboten nicht verhindern. Ein Verbot treibt die betroffenen
Frauen in die Illegalität oder ins Ausland. - Weltweit gilt, dass
dort, wo eine liberale Abbruchpraxis mit gutem Zugang zu Sexualinformation
gekoppelt ist, die niedrigsten Abbruchraten zu finden sind und illegale
Abtreibungen mit ihren katastrophalen Folgen kaum mehr eine
Rolle spielen.
Werten Sie das Selbstbestimmungsrecht der Frau
höher als den Schutz des Ungeborenen?
Nein, für mich sind beide gleichwertig. Ich
bin jedoch überzeugt, dass sich das Ungeborene und Geborene nur mit
der Mutter und nicht gegen ihren Willen schützen lässt.
Frauen haben eine sehr nahe und ganzheitliche Beziehung zum Leben und
setzen sich immer wieder für ihre Mitmenschen, aber auch für
die Natur ein. Ist der Staat so schlecht beraten, wenn er die Verantwortung
für das werdende Leben in die Hände jener gibt, die schon immer
bereit waren, Leben zu schützen, Kinder zu erziehen?
Haben Sie in Ihrem näheren oder weiteren
Umfeld schon einmal konkrete Diskussionen um eine Abtreibung mitverfolgt?
Wie haben Sie reagiert?
Ja. Betroffen, mitfühlend und gesprächsbereit.
Diese Gespräche haben mir gezeigt, dass der Entscheid, eine Schwangerschaft
abzubrechen oder nicht, nicht leichtfertig gefällt wird, dass die
Frauen sich ihrer Verantwortung bewusst sind.
Abtreibungsgegner werfen den Befürwortern
vor, dass mit der Abtreibung die Kultur des Todes Eingang
ins Recht fände.
Wer die Fristenregelung, befürwortet, befürwortet
noch lange nicht die Abtreibung. - Unser Ziel muss es sein, dass es wieder
attraktiv ist, Kinder zu haben, ihnen Geborgenheit, Liebe und Vertrauen
zu schenken. Dazu braucht es die sozialpolitischen Rahmenbedingungen.
Warum wird die Abstimmungsdiskussion so emotional
geführt?
Weil uns die Fragen wie Schwangerschaftsabbruch,
Leben und Tod immer wieder betroffen machen. Unsere jeweilige Haltung
hat viel mit unseren Erfahrungen, unserer Biografie zu tun. Für
mich ist es deshalb sehr wichtig, dass wir die andere Haltung, andere
Ansichten respektieren und nicht verurteilen.
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