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Bis Ende Sommer soll die Konzeptstudie mit Eignungs abklärungen vorliegen
"Nationalpark Matterhorn wäre eine Chance für Zermatt"


Nationalpark Matterhorn?
 
Zermatt / Die Idee, am linksufrigen Gebiet der Mattervispe einen Nationalpark zu realisieren, nimmt allmählich konkrete Formen an. Bis Ende Sommer sollen die Konzeptstudie und die Eignungsabklärungen vorliegen. Die Initianten sind aus Sicht des Naturschutzes und des Tourismus vom Projekt überzeugt: Der Nationalpark Matterhorn wäre eine Chance für Zermatt."

Von German Escher

Im Vergleich zu den anderen Alpenländern hat die Schweiz zu wenig Schutzparks. Vor diesem Hintergrund hat die Umweltorganisation Pro Natura die Idee zur Schaffung eines oder mehrerer neuer Nationalparks lanciert und gleich einen Wettbewerb ausgeschrieben. Jenes Gebiet, das als erstes die Bedingungen für einen neuen Nationalpark erfüllt, erhält eine Million Franken an die Planungs- und Umsetzungskosten.

Zermatter Pioniergeist
Nicht etwa das Preisgeld reizt die Zermatter. Die Natur ist unser Kapital. Diese müssen wir besser schützen und auch besser nützen", sagt Raphael Biner, der verantwortliche Gemeinderat von Zermatt. Bereits im Rahmen der Diskussionen über das Strategiepapier Vision Zermatt 2000" wurde erstmals die Idee eines Naturparks aufgegriffen. Damit haben initiative Zermatter Weitsicht bewiesen, längst bevor Pro Natura den Millionen-Wettbewerb lanciert hat. Der Nationalpark ist für die Zermatter Initianten auch nur eine der möglichen Strategien. Denkbar ist auch ein kommunaler oder regionaler Naturpark. Um sich die Option Nationalpark offen zu halten, hat der Gemeinderat im April 2001 entschieden, das Interesse der Zermatter anzumelden. Eine breit abgestützte Kommission mit den verschiedensten Interessengruppen und Leistungsträgern begleitet das Projekt, das von einem dreiköpfigen Leitungsteam vorangetrieben wird. Diesem Gremium gehören Gemeinderat Raphael Biner, Burgerrat Willy Biner und Tourismusdirektor Roland Imboden an. Als Experte ist der einheimische Wildbiologe Reinhard Schnidrig an der Arbeit. Bis im August wird er dem Leitungsteam die Konzeptstudie und die Eignungsabklärungen vorlegen. Für Schnidrig ist bereits heute klar: "Ein Nationalpark Matterhorn wäre eine grosse Chance für Zermatt, ja das ganze Mattertal." Der Fachmann denkt dabei auch an die wachsende Bedeutung des Bildungstourismus und die allgemeine Stärkung des Sommertourismus. Es gibt also durchaus auch ökonomische Gründe für den Nationalpark. Aber es ist klar: Es darf keinen Feigenblatt-Naturschutz geben."

Dass dies durchaus möglich ist, zeigt der Nationalpark im Engadin. Eine Studie kam vor zwei Jahren zum Schluss, dass 40 Prozent aller Sommer-Logiernächte in der Nationalparkregion auf Nationalparktouristen zurückzuführen sind. Die direkte nationalparktouristische Bruttowertschöpfung" wird in der Untersuchung mit rund 10 Millionen Franken beziffert. Der indirekte wirtschaftliche Nutzen des Nationalparks wird auf weitere fünf Millionen Franken geschätzt.

"Kein Käseglocken-Naturpark"
Mit den Grundsätzen des Nationalparkes im Engadin lasse sich heute kein Schutzprojekt umsetzen, präzisiert Schnidrig gegenüber der RZ weiter. Schäfer und Jäger sind in einem neuen Nationalpark nicht nur geduldet, sondern erwünscht. Auch sie gehören zur Kulturlandschaft." Dem Oberwalliser Wildbiologen schwebt deshalb kein Park mit ideologischem Gitterzaun, sondern ein Schutzgebiet mit unterschiedlichen Nutzungszonen vor. In der eigentlichen Kernzone soll die Natur aber Vorrang haben. Die sogenannte Umgebungszone würde dann für die Jagd, Schaf- und Ziegenhaltung, aber auch einem sanften Tourismus Platz bieten. Erlaubt ist alles, was der Mensch aus eigener Körperkraft heraus tun kann wie Wandern, Klettern etc.", fasst der Experte zusammen. Keinen Einfluss hätte der Nationalpark auch auf die Berghütten, die sich ohnehin auf eine umweltfreundlichere Entsorgung einstellen müssen. Der Bau neuer Erschliessungsanlagen allerdings müsste in eine dritte Zone, einer sogenannten Entwicklungszone, zu liegen kommen.

Mit Nachbargemeinden?
Die Schaffung eines Nationalparks liegt nicht in der Kompetenz einer Umweltorganisation, sondern ist Sache des Bundesrates. Die eine Million Franken der Pro Natura würden auch nicht ausreichen, um einen neuen Nationalpark zu lancieren. Die jährlichen Betriebskosten mit Parkverwaltung, Parkwächtern etc. dürften in die Millionen gehen. Allerdings: Im Gegensatz zu einem Regionalpark, an dem sich der Bund mit 60 Prozent beteiligt, übernimmt die Eidgenossenschaft bei einem Nationalpark 80 Prozent der Kosten. Der Bund hat kürzlich auch die Kriterien für die Schaffung neuer Nationalparks definiert. Darin wird unter anderem die Grösse von mindestens 100 Quadratkilometern festgelegt. Das wird auf Zermatter Territorium alleine nicht machbar sein. Schnidrig hält aber eine Ausweitung nach Westen oder die Ausdehnung in Richtung Täsch, Randa und St. Niklaus für sinnvoll.


 

 

      
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