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Der Hausarzt und Allgemeinmediziner: Eine aussterbende Spezies?
Ärztemangel oder -überschuss?

 
Oberwallis / Nicht nur St. Niklaus hat das Problem, eine leerstehende Arzt-Praxis nicht mehr besetzen zu können, wie das Schweizer Fernsehen berichtete. Vor allem in den ländlichen Gebieten wird es immer schwieriger, Ärzte zu finden, die bereit sind, die hohen Präsenzzeiten auf sich zu nehmen.

Von Ruth Seeholzer

Das Lötschental zählt circa 2000 Einwohner. Im Winter kommen in Spitzenzeiten bis zu 2500 Gäste dazu. Für alle vier Gemeinden ist nur ein einziger Arzt zuständig. Dieser allerdings mag sich gar nicht beklagen. „Wenn man daran denkt, dass viele Leute, die unten im Tal arbeiten, auch dort zum Arzt gehen“, so Dr. Karl Gennheimer, Allgemeinmediziner in Wiler, „dann ist der Andrang in unserer Praxis gar nicht mehr so hoch.“

Hohe Präsenzzeiten
Was das Leben eines Landarztes wirklich schwer machen kann, sind die Präsenzzeiten. Von einem Dorfarzt wird verlangt, dass er rund um die Uhr erreichbar sein soll. „Wenn ich an einem Sonntag keinen Dienst habe, es aber wage, im eigenen Garten zu grillen, dann wehe mir“, schmunzelt ein anderer Allgemeinmediziner. „Dann ist für die Leute klar: Der Doktor ist da, also können wir zu ihm gehen.“ Seine Frau wage abends kaum mehr, das Licht im Haus anzuzünden, weil sonst die Leute für jeden (Not-)Fall zu ihm kämen. „Das ist ein Problem“, erklärt Dominique Evéquoz, Präsident der Oberwalliser Ärztegesellschaft. „Ein Arzt in der Stadt oder einer grossen Agglomeration kann sich viel besser abgrenzen, ohne seine Patienten zu verärgern.“

Mehr Verwalter als Arzt
Dabei wäre der persönliche Kontakt zum Patienten erwünscht. Ein Landarzt kennt seine Patienten. Vielleicht waren schon dessen Eltern, manchmal sogar dessen Grosseltern bei ihm, wenn sie ein Gebresten hatten. Doch in der Hausarztpraxis von heute fehlt es schon aus zeitlichen Gründen an „emotionaler Intelligenz“. Der Allgemeinpraktiker befasst sich zunehmend mit Verwaltung, Korrespondenz, Richtlinien und Krankenkassen statt mit Patientengesprächen. Wochenarbeitszeiten von siebzig und mehr Stunden sind Normalität.

Ärztestopp
Der vom Bund verhängte Ärztestopp lässt Befürchtungen wach werden, dass in den ländlichen Gebieten plötzlich eine ärztliche Unterversorgung droht. Gesundheitsminister Thomas Burgener ist da jedoch anderer Meinung: „Der vom Bundesrat erlassene Zulassungsstopp kann durchaus dazu führen, dass sich ÄrztInnen in abgelegeneren Regionen niederlassen, weil dies anderswo nicht mehr möglich ist.“ – Für das Beispiel Lötschental gilt aber, was Karl Gennheimer unmissverständlich ausdrückt: Eine weitere Praxis im Lötschental wäre finanziell nicht tragbar – Überstunden hin oder her.


 

 

      
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