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Zürich / Brig / Seine journalistischen Sporen hat er sich bei
Radio Rottu abverdient. Nach seinem Fernseh-Einstieg beim TAF wechselte
er schon kurze Zeit später als Moderator zu Schweiz aktuell. Vor
zwei Jahren wurde er zum Arena-Nachfolger von Filippo Leutenegger bestimmt.
Morgen moderiert der sympathische Oberwalliser mit Glarner Wurzeln zum
erstenmal die Informationssendung Quer. Patrick Rohr spricht im RZ-Interview
über seinen Werdegang im Leutschenbach, die Angriffe auf seine Person
als Arena-Moderator und Über sein Coming-Out im Blick.
Von Walter Bellwald und Caroline Zenklusen
Morgen moderieren Sie erstmals die Informationssendung "Quer".
Sind Sie nervös?
Absolut. Wobei: Es ist mehr ein Lampenfieber als Nervosität. Nach
10 Jahren Fernsehen weiss ich, dass ich vor einer Kamera stehen und durch
eine Sendung führen kann. Aber ich habe immer noch vor jeder Sendung
einen gewissen Kitzel, weil ich persönlich immer den Ehrgeiz habe,
das Bestmögliche herauszuholen.
Wie sind Sie dazu gekommen, die Sendung "Quer" zu übernehmen?
Ich hatte jetzt zweimal grosses Glück. Vor drei Jahren hat man mir
die "Arena" angeboten ich habe zugesagt, weil ich viel
dazulernen konnte. Am Anfang war es nicht leicht, aber diese Erfahrung
hat mich gestärkt. Und dann kam im letzen Herbst die Anfrage, ob
ich die Sendung "Quer" übernehmen möchte. Ich habe
wieder zugesagt, weil ich in dieser Sendung mit ihrer breiten Themenpalette
eine grosse Herausforderung sehe.
War demnach der Zeitpunkt richtig, vom Polit-Talk zum Infotainment
zu wechseln?
Früher wäre ein Wechsel für mich nicht in Frage gekommen.
Ich wollte zuerst in der "Arena" sicher und sattelfest sein.
Die Anfrage für den neuen Job kam zu dem Zeitpunkt, als die "Arena"
mit einer fünfteiligen Serie zum Niedergang der Swissair bzw. zur
Gründung der Swiss einen regelrechten Höhenflug erlebte. So
gesehen war der Zeitpunkt für mich richtig: Ich konnte auf dem Höhepunkt
abtreten...
Wie schwer ist es für Sie, in die Fussstapfen von Röbi Koller
zu treten?
Ich mache im Prinzip zum zweitenmal eine Riesendummheit, indem ich von
einem beliebten Vorgänger eine Sendung übernehme (lacht). Ich
glaube, diesmal ist es insofern einfacher, als dass meine Persönlichkeit
in der
ffentlichkeit profilierter ist als beim Wechsel von "Schweiz
aktuell" zur "Arena". Als ich die "Arena" übernommen
habe, hatte ich als Moderator noch kein klares Profil. Durch meine zweieinhalbjährige
Erfahrung als "Arena-Moderator" bin ich heute etablierter. Dazu
kommt, dass ich die Sendung "Quer" schon moderiert habe. Ich
war der Stellvertreter von Röbi Koller und bin während meiner
Zeit als "Schweiz Aktuell-Moderator" dreimal in die Bresche
gesprungen. Ich weiss diesmal also, was auf mich zukommt.
Was ist das Thema Ihrer ersten Sendung?
Das Schwerpunktthema meiner ersten Sendung heisst "Früher Tod":
Wie gehen Menschen damit um, wenn Kinder durch Unfall oder Krankheit plötzlich
aus dem Leben gerissen werden. Als Querkopf ist Bundesrätin Ruth
Metzler eingeladen.
Bleibt die Philosophie der Sendung bestehen?
Wir haben uns am Anfang überlegt, ob wir die Sendung umkrempeln wollen,
kamen aber bald einmal zum Schluss, das Grundkonzept zu belassen. Die
Sendung "Quer" ist ein Erfolgsprodukt, das seit sieben Jahren
läuft und von den Fernsehzuschauern geschätzt wird. Es wäre
falsch, die Sendung komplett auf den Kopf zu stellen. Ich glaube, ein
neuer Moderator bringt schon genug Abwechslung. Einzig bei der Studioeinrichtung
werden ein paar Retuschen vorgenommen.
Nach anfänglichen Startschwierigkeiten haben Sie der "Arena"
Ihren eigenen Stempel aufgedrückt und die Einschaltquoten gehalten?
Der Erfolg der "Arena" hängt nicht so sehr vom Moderator,
als viel mehr vom Konzept ab. Entscheidend ist, jede Woche das richtige
Thema zur richtigen Zeit mit den richtigen Leuten zu bringen. Das ist
das Erfolgsrezept der "Arena" und völlig unabhängig
vom Moderator. Die höchste Einschaltquote bescherte uns das Swissair-Debakel
im Herbst, weil sich alle wichtigen Player am Freitag in der Arena trafen.
Die wirkliche Knochenarbeit in der Arena besteht darin, jede Woche ein
Thema und die dazu passenden Gäste zu finden. Und für diese
Arbeit waren wir nur zu zweit. Das Moderieren ist dann nur noch eine Zugabe.
Trotzdem haben Sie der Politsendung ein eigenes Profil gegeben?
Ich wurde am Anfang immer wieder mit meinem Vorgänger, dem Arena-"Gründervater"
Filippo Leutenegger, verglichen. Solange ich diesem Vergleich standhalten
musste, konnte ich in dieser Sendung keine eigene Persönlichkeit
entwickeln und war entsprechend verunsichert. Irgendwann habe ich aber
plötzlich auf meine eigenen Qualitäten gebaut und auch das Sendekonzept
entsprechend geändert. Ab dann hats funktioniert, denn erst dann
konnte ich meine Stärken richtig ausspielen.
Wie haben Sie die anfängliche, teils harsche Kritik an Ihrer Person
erlebt?
Das war für mich eine ganz neue Erfahrung. Ich muss ehrlich sagen,
ich habe damals ziemlich gelitten, weil ich mit der Kritik wenig anfangen
konnte. Ich hätte wahrscheinlich weniger Mühe bekundet, wenn
man mir vorgeworfen hätte, der Rohr kommt fachlich nicht draus oder
ist schlecht vorbereitet. Es hat aber nie einen inhaltlichen Vorwurf gegeben.
Die Kritik richtete sich nur gegen meine Person, und das war für
mich sehr diffus und verletzend. Ausgegangen ist das Ganze von einem Artikel
in der Sonntags Zeitung nach meiner ersten "Arena", auf den
sich dann immer wieder neue Artikel stützten. Irgendwann, nach der
x-ten Multiplizierung, ist ein Vorurteil oder Klischee schon fast zementiert
und es ist schwierig, dagegen anzukämpfen. Ausser man steht zu sich.
Hand aufs Herz: Haben Sie nie daran gedacht, den Bettel hinzuschmeissen
und als "Arena-Moderator" abzutreten?
Im ersten Moment war ich in der Tat sehr verunsichert, ich geriet in eine
Negativspirale. Ich wusste plötzlich nicht mehr, was richtig und
was falsch war. Nach drei Monaten war die Verunsicherung so gross, dass
ich den Bettel hinschmeissen wollte. Dann kam der Punkt, wo ich mich auf
meine Qualitäten besonnen habe und meine Stärken ausgespielt
habe. Von da an lief es plötzlich gut.
Haben Sie diese negativen Erfahrungen geprägt?
Ich habe gelernt, mit Lob und Kritik vorsichtiger umzugehen. Man wird
schnell von der Presse hochgelobt, aber auch schnell niedergeschrieben.
Ich habe zum Abschluss meiner "Arena-Zeit" viele Komplimente
eingeheimst, aber ich bilde mir nichts darauf ein, weil ich weiss, wie
schnell ein Lob in Kritik umschlagen kann.
Vor rund einem Jahr haben Sie sich im Blick geoutet. Wieso haben Sie sich
zu diesem Schritt entschlossen, sich in der grössten Schweizer Tageszeitung
zu Ihrem Schwulsein zu bekennen?
Der "Blick" hat beschlossen, diesen Schritt zu machen
ich habe dann einfach mitgemacht, indem ich ein Interview gab. Ich fand
diese Offensivstrategie schlauer, als irgend etwas verstecken zu wollen,
für das ich mich nicht zu schämen brauche. Im Nachhinein finde
ich die Geschichte allerdings ziemlich aufgeblasen und überflüssig
was spielt es denn für eine Rolle, wie ein Mensch in der Liebe empfindet?
Vor allem glaube ich, dass das mit meinem Job herzlich wenig zu tun hat,
denn es ist ja nur ein Teil meiner Persönlichkeit. In diesem Zusammenhang
finde ich übrigens auch das Wo "bekennen" ziemlich daneben.
Bekennen heisst für mich, dazu zu stehen, etwas Schlechtes oder Schlimmes
begangen zu haben.
Was für Reaktionen hatten Sie auf Ihr Coming-Out?
Null Reaktion. Das mag überraschen. Ein paar Leute in meinem Freundeskreis
haben mein Coming-Out okay gefunden, aber aus der breiten
ffentlichekeit
gab es absolut keine Reaktionen. Das ist das Positive am Ganzen: Diese
Geschichte hat mir gezeigt, dass dieses Thema zu Beginn des 3. Jahrtausends
kein Thema mehr ist. Das ist doch eine schöne Erkenntnis.
Sie waren im letzten Jahr auch an der Gay-Pride in Sitten. Haben Sie
die Polemik um die Schwulen- und Lesbenparade im Vorfeld der Veranstaltung
verstanden?
Ich kann dem Bischof keinen Vorwurf machen, denn ich nehme an, er hat
seine €usserungen als Würdenträger der katholischen Kirche
gemacht, deren Glaubenslehre er vertreten muss. Ich hoffe aber, dass er
persönlich nicht so denkt. Als gläubiger Christ versuche ich
nämlich, jedem meiner Mitmenschen mit Respekt zu begegnen. Ansichten,
wie sie im Vorfeld der Veranstaltung zu hören waren, machen mir weh
- da war von Krankheit die Rede, von Degenerierung und von Widernatürlichkeit.
Sie leben seit zehn Jahren in Zürich. Wie gefällt Ihnen das
Stadtleben?
In der Stadt zu leben, hat mich schon immer fasziniert, ich brauche aber
gleichzeitig auch die Natur und die Berge. In Zürich lebe ich in
einem recht grünen Quartier, habe einen Garten vor meiner Wohnung
und gehe oft und gerne an die Limmat. Gleichzeitig liebe ich die Möglichkeiten,
die mir die Stadt bietet, sei es die kulturelle Vielfalt oder die vielen
Ausgehmöglichkeiten.
Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Ich reise sehr gerne, vor allem die europäischen Metropolen haben
es mir angetan. Ich war dieses Jahr schon in Barcelona, Berlin, Amsterdam
und Kopenhagen. Ich habe es mir zur schönen Aufgabe gemacht, Menschen,
Städte und Länder in Europa in ihrem Kontext kennen zu lernen.
Ansonsten liege ich gerne auf der faulen Haut und lese Zeitungen. Das
mache ich leidenschaftlich gerne. Zwischendurch lade ich auch gerne Freunde
ein und koche für sie.
Trotz immensem TV-Stress sind Sie immer wieder im Oberwallis anzutreffen...
Die letzten zweieinhalb Jahre hat mich die "Arena" stark beansprucht.
Dadurch hatte ich kaum Zeit, regelmässig zurück ins Oberwallis
zu kommen. Auch meine sozialen Kontakte haben darunter gelitten. Aus dieser
Situation heraus habe ich mir überlegt, meine Wohnung im Zentrum
von Brig aufzugeben. Jetzt bin ich froh, dass ich sie behalten habe. Diesen
Sommer konnte ich wieder ein paar Tage hier im Oberwallis verbringen.
Hier fühle ich mich zuhause und wohl nicht zuletzt deshalb, weil
der hektische Zürcher Medienkuchen weit weg ist.
Was sind Ihre Zukunftspläne?
Ich habe meine Zukunft noch nie geplant. Vielleicht ist gerade das der
Grund, dass ich in meinem Beruf bisher so viele verschiedene und spannende
Herausforderungen annehmen durfte. Und ich möchte es gerne auch weiter
so halten es wäre schlecht, wenn ich jetzt, wo ich am Anfang einer
neuen Aufgabe stehe, schon an die Zeit danach denken würde. Jetzt
möchte ich zuerst einmal ein guter Quer-Moderator werden...
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