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Neuste Gommer Verkehrsstudie bringt es an den Tag
Goms verkommt zur Transitstrecke

 
Gluringen / Eine neue Verkehrsstudie im Goms könnte für hitzige Diskussionen sorgen. Fazit: Die Hälfte des Autoverkehrs im Goms nutzt das schöne Hochtal nur zur Durchfahrt. Statt Verdienst bringt dieser Verkehr Lärm und Gestank ins Goms.

Von Waldemar Schön

Detaillierte Zahlen zur neuen Verkehrsstudie sind noch keine erhältlich. Dionys Hallenbarter vom Verein "Ins Obergoms" gab sich zurückhaltend: "Die Studie wird heute Donnerstagabend in Gluringen vorgestellt. Da können sich Interessierte direkt informieren." Gemeint ist damit der Vortrag und die anschliessende Podiumsdiskussion, die heute Abend in der Mehrzweckhalle Gluringen über die Bühne gehen wird. Doch was die RZ-Recherchen zum Voraus ergaben, ist schon interessant genug.

Professionelle Voraussetzungen
Hinter der neuen Verkehrsstudie steht der Verein "Ins Obergoms". Das Vorgehen: An einem Sonntag im vergangenen Sommer wurden in Fiesch, Münster, auf dem Nufenenpass und in Gletsch die Fahrzeuge in beiden Richtungen erfasst. Doch nicht nur die Anzahl interessierte die freiwilligen Zähler. "Erfasst wurden auch Herkunft und Durchfahrtszeit der Fahrzeuge", erklärt einer der freiwilligen Helfer gegenüber der RZ. Damit konnte festgestellt werden, welche Fahrzeuge das Goms als Startort (Quellverkehr) oder Zielort hatten (Zielverkehr) und welche das Goms nur zum Transit nutzten (Durchgangsverkehr). Zudem wurde ersichtlich, woher die Fahrzeuge stammen. Eine auf Verkehrsfragen spezialisierte Firma wertete die Daten professionell aus.

Transitland Goms
Eine wahre Blechlawine, rund 5000 Fahrzeuge, wälzt sich vor allem an Wochenenden durch die oft engen Strassen der Gommer Dörfer. Schon seit Jahren wird auf politischer Ebene gefordert, dass die Gommer Dörfer von diesem Verkehr entlastet werden. Diese Forderung stützen die Ergebnisse der neuen Studie. RZ-Recherchen ergaben, dass rund 50 Prozent des Verkehrs das Goms bloss zur Durchfahrt nutzen und davon machen nur etwa 10-12 Prozent auch einen Halt im Goms. Mit anderen Worten: 2300 Fahrzeuge (RZ-Schätzung) fahren pro Tag im Sommer durch das Alpental, ohne einmal anzuhalten. Das einzige, was diese Fahrzeuglenker zurücklassen, sind Lärm und Abgase — wenig erfreulich für eine Region, die zu 100 Prozent vom Tourismus abhängig ist.

Fatale Folgen
Doch während der Verkehr von Jahr zu Jahr zunimmt — auch Dank des grosszügigen Ausbaus der Passstrassen — weisen die Übernachtungsstatistiken im Sommer einen negativen Trend auf. Mit anderen Worten: Immer mehr Leute fahren einfach durch das Goms durch. Touristisch gesehen eine Katastrophe. Was ebenfalls fatale Folgen haben kann: Viele Betriebe im Goms haben es in den vergangenen Jahren verpasst, sich vom Durchgangsverkehr unabhängiger zu machen — "Marketing durch Zufall" könnte man dies nennen. Obwohl das Goms im Winter über die Pässe nicht erreichbar ist, sind Auslastung und Wertschöpfung in der Hotellerie höher als im Sommer mit mehr Verkehr. Daher stellt sich die Frage: Macht es Sinn, den Transit durch das Goms und über die Pässe ständig zu verbessern und damit den Durchgangsverkehr zu erhöhen?

Vortrag und Podium
Denn genau von diesem Szenario gehen auch Schätzungen des Bundesamtes für Verkehr aus: Der wertschöpfungsintensive Zielverkehr wird ab- und der teure Durchgangsverkehr zunehmen. Schlechte Aussichten für den Sommertourismus im Goms. Antworten auf diese und weitere Fragen können vielleicht vom heutigen Vortrag und der Podiumsdiskussion in der MZH Gluringen erwartet werden. Genaue Zahlen und Ergebnisse wird Dyonis Hallenbarter vorstellen. In der anschliessenden Gesprächsrunde treffen Grossrat Fredy Hug, Nationalrat Peter Jossen, Hotelier Medard Hischier und Goms Tourismus-Präsident Markus Wenger aufeinander. Beginn der Veranstaltung ist um 20.00 Uhr.


 

 

      
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