| Ernen / Kommt die Fusion zwischen den vier
Gommer Gemeinden Ernen, Mühlebach, Steinhaus und Ausserbinn zustande?
Die (Vor-)Zeichen stehen gut, auch wenn die Stimmung in der Bevölkerung
angespannt ist.
Von Walter Bellwald
Es darf nicht angehen, dass wir Ernen aus der
finanziellen Patsche helfen müssen, ereifert sich ein Einwohner
von Ausserbinn. Die Erner haben jahrelang ihren Steuerfuss niedrig
gehalten, dafür einen umso grösseren Schuldenberg angehäuft,
den wir jetzt bezahlen sollen. Und ein einheimischer Gast im Jägerheim
ergänzt: Die Erner werden den Takt angeben und den kleinen
Gemeinden bleibt das Nachsehen.
Grosse Unsicherheit
Die Ängste und Sorgen der Bevölkerung sind in den letzten
Tagen und Wochen nicht kleiner geworden. Trotz verschiedener Rundschreiben
und Informationsabenden fühlen sich viele Einheimische überfordert.
Die Folge: Eine zunehmende Verunsicherung, die sich auf die Stimmung niederschlägt.
Der Fusionsrat hat es verpasst, sich genau zu informieren und die
entsprechenden Infos und Zusagen an die Bevölkerung weiterzugeben,
erklärt ein Insider. Auch der Zeitdruck mache in der jetzigen Situation
wenig Sinn. Vielleicht wäre eine Abstimmung zu einem späteren
Zeitpunkt besser gewesen. Auch von einem gewissen Sparpotenzial
durch den Zusammenschluss der Verwaltung sei die Rede. In Wirklichkeit
sparen wir keinen Rappen, mutmasst der Mann.
Steuererleichterungen zugesagt
Auch bei den versprochenen Steuer-erleichterungen sind viele Stimmbürgerinnen
und -bürger sehr skeptisch. Das wellti de zerscht gseh,
lacht eine rüstige Ernerin. Schon in der Vergangenheit wurden
wir mit vielen Versprechen gelockt, die nicht eingehalten wurden.
Ihrer Meinung nach bringt eine Fusion nur zusätzliche Aufwändungen.
Der öffentliche Unterhalt an Gebäuden und Infrastruktur
wird noch grösser und mit den wenigen zusätzlichen Steuereinnahmen
lässt sich nicht viel bewegen, ist sie überzeugt. Auch
der Kanton kommt nicht ungeschoren davon. Die wollen uns nur erpressen,
befürchtet eine Mittvierzigerin aus Mühlebach. Ständig
wird uns gedroht, den Geldhahn zuzudrehen, wenn wir der Fusion nicht zustimmen.
Das hat doch nichts mehr mit freier Meinungsbildung zu tun, ereifert
sich die resolute Dame.
Positive Stimmung
Nichts desto trotz ist die Mehrheit der Bevölkerung gegenüber
einer Fusion positiv eingestellt. Wir können alleine nicht
überleben, erklärt eine Frau in Steinhaus. Wenn
die Gelder aus Sitten gestrichen werden, können wir einpacken.
Auch die Rekrutierung für das Amt eines Gemeinderates werde immer
schwieriger. In einer kleinen Gemeinde wird jeder früher oder
später dazu verdonnert, sich in den Dienst der Gemeinde zu stellen,
erinnert eine zweifache Mutter und Hausfrau. Das allein darf doch
kein Beweggrund sein, ein Mandat zu übernehmen. Darum plädiert
sie für einen Zusammenschluss. Auch die vermehrte Abwanderung aus
dem Alpenraum beschäftigt die Einwohner von Steinhaus. Mit
der Fusion könnte der Abwanderung vielleicht Einhalt geboten werden,
erklärt die Familienfrau. Eine gewisse Unsicherheit sei vorhanden,
meint sie, aber wir müssen näher zusammenrücken,
auch in menschlicher Hinsicht.
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