| Zermatt / Brig / Morgen Freitag wird in
Brig die SVP Oberwallis gegründet. Designierter Präsident ist
der Zermatter Markus Schwery, Versicherungsfachmann und Vater zweier Kinder.
Er sagt: Die Politik ist ein Lernprozess wie so vieles andere im Leben
auch. Was er sonst noch über das Leben und die Politik zu sagen
hat, und wo die SVP Oberwallis in zehn Jahren stehen will, das erläutert
Schwery im grossen RZ-Interview.
Von Ruth Seeholzer und Walter Bellwald
Sie haben vier Jahre lang eine Theatersendung
auf RRO moderiert und spielen selbst Theater. Machte es Ihnen Freude,
vor zigtausend Leuten aufzutreten und diese zu unterhalten?
Es macht immer noch sehr viel Spass. Angefangen hat
es mit Thea-terspielen auf der Laienbühne in Täsch. Später
wurde ich spontan angefragt als Tafelmajor bei einer Hochzeit. Aus zeitlichen
Gründen kann ich das nur ein- bis zweimal pro Jahr machen. Was die
Radioarbeit anbelangt: In den ersten Sendungen war ich aufgeregt und nervös.
Man stellt sich ja vor, dass viele Leute zuhören. Aber nach ein paar
Sendungen legt sich dann das Lampenfieber. Ich sah es danach nur noch
als einen ganz normalen Job, den ich versuchte, so gut wie möglich
zu machen.
Dann sind Sie ja in Sachen Öffentlichkeitsarbeit
als zukünftiger Präsident der SVP Oberwallis gerüstet?
Ich denke schon. Bis anhin habe ich mich zwar noch
nie auf der grossen Bühne der Politik bewegt. Ich kam zur SVP wie
die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. Ich bin mir auch sicher, dass
es in der Politik mehr braucht als Kommunikationsfähigkeit. Jedoch
ist dies ein ganz wichtiger Aspekt. Man muss gegenüber der Bevölkerung,
aber auch gegenüber anderen Parteien kommunikativ sein. Diese Bereitschaft
möchte ich signalisieren. Ich will nicht nur Farbpolitik, sondern
vor allem Sachpolitik machen. Nach der Gründung der SVP Oberwallis
von morgen Freitag werde ich mich dafür einsetzen, auch mit anderen
Parteien Sachfragen diskutieren zu können. Und zwar vernünftig
diskutieren, ohne dass man sich gegenseitig einen Schutt in den
Hintern geben muss. Ich bin sehr gespannt auf diese Herausforderung
und bin mir bewusst, dass ich noch einiges dazulernen muss. Es werden
ja nur ganz wenige als Politiker geboren.
Wie lernt man eigentlich, wie man sich als Parteipräsident
zu verhalten hat?
Ich glaube, dass man dieses Verhalten nicht lernen
muss. Man ist, wie man ist. Allerdings gibt es für mich noch viel
zu tun. Die Politik ist ein Lernprozess, wie so vieles andere auch im
Leben. Selbstverständlich habe ich grossen Respekt vor dieser neuen
Herausforderung. Hier ist es ganz anders als im Theater, wo zum Beispiel
ein Versprecher sogar belustigend sein kann. Fehler in der Politik werden
kaum verziehen.
Sind Sie schon lange Parteimitglied?
Nein, ich bin noch nicht so lange Parteimitglied.
Ich fungierte vor etwa eineinhalb Jahren zum ersten Mal auf einer SVP-Liste
als Suppleant für den Grossrat. Damals merkte und spürte ich
zwar, dass die Politik mich nicht unbedingt braucht, aber trotzdem habe
ich mich entschieden, weiterzumachen und Verantwortung zu übernehmen.
War das Coming out als SVP-Anhänger
schwierig?
Im nachhinein, muss ich sagen, war es eigentlich
gar nicht so schwierig. Im Vorfeld habe ich natürlich schon versucht,
alle Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen und habe mir auch
einige Gedanken gemacht. Ich habe mich mit dieser Entscheidung am Anfang
sehr schwer getan.
Wie reagierte Ihr Umfeld darauf?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich durch mein öffentliches
Stehen zur SVP eigentlich keine negativen Erfahrungen gemacht habe. Darüber
war und bin ich natürlich froh. Es zeigt aber auch, dass die Leute
sehr offen sind und Neues nicht immer nur ablehnend betrachten. Ich bin
mir aber auch bewusst, dass die Leute eine sehr grosse Erwartung in die
neue SVP Oberwallis haben.
Ueli Maurer hat entschieden, die SVP Wallis in
zwei Sprach-Sektionen aufzuteilen. Ich denke, Sie finden das eine gute
Idee?
Ich finde das tatsächlich eine gute Idee. Ich
habe dieses Thema eigentlich schon sehr früh mit Oskar Freysinger
besprochen. Man muss ganz klar sehen, dass vor allem in der Politik die
Fronten zwischen dem Ober- und dem Unterwallis nicht immer harmonisch
sind. Das hängt einerseits von der Mentalität ab, andererseits
ist das Oberwallis schon rein zahlenmässig dem Unterwallis unterlegen.
Eine gewisse Angst und Sorge darüber, dass bei einer Partei für
das gesamte Wallis der obere Teil etwas untergehen könnte, ist sicher
berechtigt. Die SVP hat zumindest versucht, das gesamte Wallis in eine
Parteistruktur zu binden. Es hat sich leider nicht ganz bewährt.
Oskar Freysinger verliert damit an Macht. Wie
sieht Ihr Verhältnis zu ihm aus?
Da muss ich intervenieren: Bei dieser Gebietsaufteilung
handelt es sich nicht um Abtretung von Macht. Die Trennung der SVP Wallis
in zwei Teile ist ein sauberer Schnitt. Durch diesen versucht man auch,
die Altlasten und Fehler, welche früher passiert sind, hinter sich
zu lassen. Ich meine, ich bin ja nicht der erste, der hier im Oberwallis
eine SVP gründen will. Oskar Freysinger und ich haben das von Anfang
an sauber miteinander diskutiert. In diesem Sinn gibt es auch keine Aufsplittung
der SVP Wallis. Die SVP Oberwallis ist die 27. Sektion der SVP Schweiz.
Dieses Konzept wurde ohne Probleme vom Gesamtvorstand der SVP Wallis angenommen.
Das hat nichts mit Machtkämpfen zu tun. Freysinger ist seit langem
dahinter, im Oberwallis eine eigenständige Sektion aufzubauen.
Wenn man sieht, wie er zum Beispiel mit Peter
Tscherrig, dem damaligen Vizepräsidenten, umgesprungen ist, könnte
man in Ihrer Position leicht besorgt sein?
Ich nehme an, die meisten Leute haben ihre Informationen
aus der Presse, was die Sache mit Tscherrig und Freysinger von damals
betrifft. Die Meinungen dazu sind gemacht, also belassen wir es dabei.
Mit dem Schritt, den wir jetzt vollziehen, möchten wir, speziell
im Oberwallis, die Sache abgehakt wissen. Es bringt politisch mir und
meinen Leuten nichts, wenn man wieder Altlasten diskutiert. Wir versuchen,
hier im Oberwallis eine eigene Sektion zu gründen, politisch Fuss
zu fassen und alles andere, wie auch immer diese Machtkämpfe ausgeschlachtet
und ausgetragen worden waren, möchte ich nicht weiter debattieren.
Ich hatte Einblick in alle Dossiers. Das damals war eine Sache zwischen
jenen beiden Männern.
Auch Lukas Jäger hat der SVP Wallis und vor
allem dessen Präsidenten den Rücken zugekehrt. Haben Sie vor,
diese Männer wieder an den Tisch der SVP Oberwallis zurück zu
holen?
Lukas Jäger hat sich auf eine Zeitungsannonce
hin, die wir bezüglich einer Sitzung der SVP in St. Niklaus aufgegeben
hatten, im Herbst letzten Jahres gemeldet. In dieser Sitzung, übrigens
war Ueli Maurer auch anwesend, wollte Lukas Jäger aus freien Stücken
das Präsidium für das Oberwallis übernehmen. Damals waren
wir alle sehr froh, dass wir einen Kandidaten gefunden hatten, der politisch
versiert ist. Was danach im Detail gelaufen ist, ob es zwischen Freysinger
und Jäger ein Problem gab, will ich nicht kommentieren. Das ist ein
Thema, das vorbei ist, und es interessiert mich in diesem Sinn eigentlich
auch nicht mehr. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Bei der SVP Oberwallis
ist wirklich jedermann und jede Frau herzlich willkommen.
In einem Jahr bereits sind die nächsten Nationalratswahlen.
Wird es einen gemeinsamen Kandidaten mit der Unterwalliser Schwesterpartei
geben?
Das ist richtig. Dieses Thema wurde bereits eingehend
besprochen und diskutiert. Es wird zwar keinen gemeinsamen Kandidaten,
jedoch eine gemeinsame Liste geben. Wer und wieviele Leute es sein werden,
das steht noch nicht fest.
Welche Bezirke im Oberwallis haben Sie im Auge?
Die Schwerpunkte müssen wir in der Anfangsphase
da setzen, wo wir viele Mitglieder haben. Das ist der Fall im Bezirk Visp.
Danach sind auch die Zentren Brig-Glis und Naters in unserem Blickpunkt.
Wir werden dort versuchen, so schnell als möglich Bezirkssektionen
zu gründen. Dies sind schon die ersten beiden Ziele, die wir uns
gesteckt haben. Natürlich ist auch ein Goms oder eine Region Susten-Leuk
sehr wichtig für uns. Dieser Aufbau braucht einige Zeit.
Die SVP-Goldinitiative wurde im Oberwallis deutlich
abgelehnt. Fehlt der SVP im Oberwallis doch der gute Nährboden?
Gut, diese Abstimmung ist nicht so gut gelaufen.
Für uns ist aber der Volkswille ebenfalls zwingend. Auf der anderen
Seite muss man klar sagen, dass ein wichtiges Ziel der SVP bei dieser
Abstimmung erreicht wurde nämlich, dass die Solidaritätsstiftung
gebodigt wurde.
Wo steht die SVP Wallis in zehn Jahren?
Ich möchte mich da nicht auf die Äste hinaus
wagen. Es hängt ab von unserer Arbeit, die wir in den nächsten
Jahren vollbringen und davon, wie uns die Oberwalliser als neue Partei
akzeptieren und von den Leuten, die mitmachen. Unser Hauptziel in den
nächsten Jahren: Die nötigen Strukturen aufbauen und festigen.
Man muss sehen, die SVP Oberwallis ist eine Partei, die aus dem Nichts
entsteht und ich würde mich sehr freuen, wenn die SVP Oberwallis
in einigen Jahren zu einer akzeptierten Partei wachsen könnte.
So wie die SPO?
Das ist ein guter Vergleich.
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