D i e   a u f l a g e s t ä r k s t e   Z e i t u n g   d e s   O b e r w a l l i s

      
Der Tourismus fristet im Wallis ein Stiefmütterchen-Dasein
Tourismus auf dem Abstellgleis?

 
Oberwallis / Vergleiche mit anderen Tourismusregionen zeigen: Der Tourismus wird von der Walliser Politik zu stark vernachlässigt. Das Fehlen einer einheitlichen Tourismuspolitik rächt sich dabei bitter.

Von Waldemar Schön

„3,3 Milliarden Franken werden im Walliser Tourismus pro Jahr direkt umgesetzt. Mit 30‘000 Angestellten beschäftigt der Tourismus 27 Prozent aller Erwerbstätigen des Kantons. Im gesamten Kanton werden 26 Prozent des Bruttoinlandproduktes durch den Tourismus erwirtschaftet, in den Berggebieten gar 44 Prozent“, erklärte Joseph Bonvin, Präsident des Walliser Hoteliers-Vereins, anlässlich dessen Jahresversammlung in Montana. Rund 12 Millionen Übernachtungen kommen so im Laufe eines Jahres im Wallis zusammen. Und trotzdem: Weder die politische Unterstützung noch das touristische Bewusstsein bei der Bevölkerung werden der lebenswichtigen Bedeutung des Tourismus im Wallis gerecht.

Wallis weit zurück
„In der Tat hinken wir im Wallis hinter anderen, vergleichbaren Tourismusregionen hinterher“, ist sich Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus, bewusst. So stehen dem Dachverband mit 5 Millionen Franken Budget nicht genügend Mittel zur Verfügung, wie ein Vergleich zeigt. Wallis Tourismus stehen pro 100 Übernachtungen 41 Franken zur Verfügung. Im Kanton Graubünden kann der Dachverband 71 Franken pro 100 Übernachtungen aufwenden, in der Waadt 169 Franken und in Genf gar 279 Franken. Noch härter der Blick ins Ausland: Im Südtirol hat die zentrale Tourismusorganisation bei einem Budget von 14,4 Millionen Franken 350 Franken pro 100 Übernachtungen in der Kriegskasse. Tatsachen, die sich auf die Vermarktung der Marke Wallis nach aussen negativ auswirken. „Während andernorts höhere Geldsummen und viel einfachere Verfahren zum Beispiel beim Bau von Wintersportanlagen zur Anwendung kommen, wurden bei uns gerade erst die künstlichen Beschneiungsanlagen nachträglich legalisiert“, wundert sich Urs Zenhäusern über die ungleichen Spiesse im internationalen Konkurrenzkampf.

Tourismuspolitik von Nöten
Dabei gehe es nicht nur um Geld, erklärt der oberste Walliser Tourismusdirektor. „Auch wir auf der Tourismusseite müssen nicht nur fordern, sondern auch leisten. Parallel dazu braucht es aber eine einheitliche Tourismuspolitik des Kantons.“ RZ Recherchen ergaben, dass dem Walliser Staatsrat schon vor drei (!) Jahren ein Papier vorgelegt wurde, das die Richtlinien einer kantonalen Tourismuspolitik beinhaltet. Es dauert aber noch bis Ende Oktober, bis sich Wallis Tourismus mit den Staatsräten Schnyder, Fournier und Roch an einer halbtägigen Sitzung treffen wird, um die Umsetzung dieser bisher nicht öffentlichen politischen Richtlinien zu besprechen.

Was ist zu tun?
RZ-Recherchen in politik- und tourismusnahen Kreisen ergaben, dass die angestrebte Tourismuspolitik in den Bereichen Qualität, Gesellschaft, Wirtschaft, Umwelt und Sicherheit Leitplanken setzen will. Besserstellung der Ausbildung der Arbeitskräfte im Tourismus, Erhöhung der touristischen Wert-schöpfung, Stärkung der Hotellerie und Verkaufsorganisationen stehen dabei ebenso auf der Wunschliste wie die Sensibilisierung der Bevölkerung (z.B. Tourismus als obligatorischer Teil des Lehrplans an Schulen), umweltschonende, sichere und den öffentlichen Verkehr fördernde Verkehrserschliessungen und Umweltschutz. In Bezug auf die Inhalte der Tourismuspolitik blockt Urs Zenhäusern ab. „Zuerst muss die Sitzung mit dem Staatsrat über die Bühne gehen.“ Doch in diese Sitzung steckt Zenhäusern hohe Erwartungen: „Ich hoffe, das wir uns auf eine künftige Tourismuspolitik einigen und das Tourismusgesetz revidiert werden kann.“ Dies würde die Spiesse des Wallis im internationalen Konkurrenzkampf finanziell und strukturell entscheidend verlängern.


 

 

      
Heute & morgen

/

/


RZ-Newsletter
Email-Adresse eingeben und Sie werden informiert:
Suchen


Have a look at: