| Zermatt / Sie gehört zu den grossen
Hoffnungsträgerinnen im Schweizer-Skikader und hat es mittlerweile
bis ins A-Kader geschafft. Im letzten Winter gab sie einen Klasse-Einstand
im Weltcup und schaffte sogar die Olympia-Qualifikation für Salt Lake
City. Die zweifache Juniorenweltmeisterin Fränzi Aufdenblatten aus
Zermatt spricht im RZ-Interview über ihre Saisonvorbereitung und sagt:
Mein grosses Ziel sind die Weltmeisterschaften in St. Moritz.
Von Walter Bellwald
Sie kommen soeben aus dem Trainingslager auf dem
Stelviogletscher zurück. Wie ist es gelaufen?
Die Trainingswoche war sehr gut. Es hatte zwar wenig
Schnee, aber die Piste war hervorragend präpariert und die Unterlage
war sehr hart. Auch das Wetter spielte mit. Wir konnten wirklich viel
davon profitieren.
War nur das Technikerteam dabei?
Nein. Die ganze Mannschaft war auf dem Stelvio. Wir
haben verschiedene Disziplinen trainiert, sowohl Riesenslalom, Slalom
oder auch Super-G.
Damit konnten sie endlich wieder einmal ihrer
Lieblingsdisziplin frönen?
Ja, es macht richtig viel Spass, wieder einmal Riesenslalom
zu fahren. Im Sommertraining in Las Leñas haben wir vorwiegend
Abfahrt trainiert. Weil das Wetter aber nicht immer mitspielte, konnten
wir nicht wunschgemäss trainieren. Wir haben nur dann Riesenslalom
trainiert, wenn die äusseren Verhältnisse kein Abfahrtstraining
zuliessen. Entsprechend schlecht waren auch die Bedingungen für den
Riesen. Während unseres Aufenthaltes schneite es in- nert kürzester
Zeit drei Meter. So viel Schnee auf einmal habe ich noch nie gesehen.
Wie ist Ihr momentaner Trainingsstand?
Doch, ich denke, ich bin gut in Form. Momentan fehlt
mir noch die nötige Frechheit und Aggressivität in der Fahrweise.
Ich bin noch ein bisschen zu sehr auf Sicherheit bedacht und fahre entsprechend
zahm. Aber das wird schon. Die Trainer führen uns stetig an unser
Limit heran. Bis zum Saisonstart in Sölden hoffe ich, dass ich die
nötige Aggressivität und Risikobereitschaft auf meinen Fahrstil
umsetzen kann.
Neben Ihrer Lieblingsdisziplin, dem Riesenslalom,
wollen Sie in der kommenden Saison auch wieder vermehrt in der Abfahrt
und dem Super-G an den Start gehen?
Es ist für einen Rennläufer sehr schwierig,
nur eine Disziplin zu fahren. Wenns nicht hinhaut, hat man keine andere
Chance, sich über eine zweite Disziplin aufzufangen. Kommt hinzu,
dass es für mich langweilig ist, immer nur Riesen zu fahren. Ich
will nicht eine lange Anreise in Kauf nehmen, nur um ein Rennen zu bestreiten.
Das ist nicht mein Ding. Überdies bringen mehrere Disziplinen auch
eine bestimmte Abwechslung und schaffen den nötigen Ausgleich.
...obwohl Sie nicht gerne Abfahrt fahren?
Das hängt mit der schnellen Fahrweise zusammen.
Weil ich bisher sehr wenig Abfahrt trainiert habe, fehlt mir die nötige
Sicherheit und das Selbstvertrauen, wenn es zügig vorwärts geht.
Dann fühle ich mich nicht wohl und kann auch keine entsprechenden
Leistungen bringen.
Trotzdem haben Sie an der Junioren-WM in Mount
Ste-Anne vor zwei Jahren in der Abfahrt den Weltmeistertitel geholt?
Das ist schon lange her, da war ich noch jung und
bin einfach drauflos gefahren (lacht herzlich). Bei diesem Rennen hatte
ich auch viel Selbstvertrauen und darum war das auch kein Problem.
Also kann man sagen, dass mit dem Alter auch die
Angst gewachsen ist?
Ja, scho biz.... und vor allem die Vernunft
(lacht).
In welcher Disziplin rechnen Sie sich für
die kommende Saison die grössten Chancen aus?
Ganz klar im Riesenslalom. In der Abfahrt weiss ich,
dass ich qualitativ schlechter fahre als im Riesen, obwohl ich das Gefühl
habe, dass es in der Abfahrt einfacher ist, sich unter den besten Dreissig
zu klassieren (grinst). Anderseits bin ich bisher im Weltcup nur Riesenslalom
gefahren und kann daher schlecht beurteilen, wie schwer es ist, sich in
den anderen Disziplinen zu etablieren.
Haben Sie sich auch schon im Spezialslalom versucht?
Die letzten fünf Jahre habe ich das Slalomtraining
total vernachlässigt. Ich habe mir nicht die Mühe gegeben, mich
zu verbessern, das war immer meine letzte Disziplin. Jetzt fahre ich wieder
regelmässig um die engen Torstangen. Mit den neuen Skis geht es auch
immer besser. Jetzt muss ich allerdings schauen, ob es nicht schon zu
spät ist, um mich im Slalom noch an die Welt-spitze zu kämpfen.
Ist die Belastung nicht zu gross, in allen Disziplinen
zu fahren?
Im Europacup bin ich immer alle Disziplinen gefahren.
Das war kein Problem. Wie sich das im Weltcup verträgt, ist schwer
zu sagen. Grundsätzlich hilft es mir, wenn ich mehrere Disziplinen
fahren kann. Ich erinnere mich beispielsweise an meine erste Junioren-WM,
wo ich nur im Riesenslalom gestartet bin. Das ging nicht gut. Seit ich
auf mehrere Disziplinen setze, fahre ich viel besser.
Sie sind in der letzten Saison zum erstenmal im
Weltcup gestartet. Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Europacup-
und Weltcuprennen?
Da gibt es viele Unterschiede. Im Weltcup ist vor
allem das Medien- und Zuschauerinteresse viel grösser. Auch die Organisation
der Anlässe und das Rahmenprogramm sind im Weltcupzirkus viel professioneller.
Im Europacup interessiert sich niemand gross für unsere Leistungen.
Auch wir Rennfahrerinnen stehen im Weltcup viel mehr im Rampenlicht und
spüren dadurch sofort einen viel grösseren Druck.
Was für Ziele haben Sie sich für die
kommende Saison gesetzt?
Ganz klar die Weltmeisterschaften im eigenen Land.
Es wäre schön, wenn ich mich für die Rennen in St. Moritz
qualifizieren könnte. Neben meiner Spezialdisziplin, dem Riesenslalom,
hoffe ich auch, mich in einer anderen Disziplin für den Start zu
qualifizieren. An der Olympiade in Salt Lake City habe ich nämlich
gemerkt, dass es für mich einfacher gewesen wäre, wenn ich nicht
schon gleich im ersten Rennen den Riesenslalom hätte fahren müssen.
Wie ist die Stimmung im Frauenteam vor dem Weltcupauftakt
in Sölden?
Die Stimmung ist hervorragend und wir sind guter
Dinge. Wir hoffen, dass wir im WM-Winter unsere Erwartungen in den Rennen
erfüllen können und ansprechende Resultate bringen. Auf die
neue Saison haben wir uns überdies vorgenommen, vermehrt über
die anstehenden Weltmeisterschaften zu reden und uns entsprechend vorzubereiten.
An den olympischen Winterspielen in der vergangenen Saison wollten wir
uns keinen unnötigen Druck aufbürden und sind die Wettkämpfe
wie ein normales Rennen angegangen. Das hat nicht geklappt. Sportliche
Grossanlässe sind nun mal speziell und man muss sich gezielt darauf
einstellen.
Mit den guten Weltcup-Resultaten bei den Januar-Rennen
(5. und 6. Rang im Riesenslalom von Åre und Berchtesgaden) und der
Qualifikation für Olympia ist der Erwartungsdruck in dieser Saison
noch grösser geworden. Macht Ihnen das zu schaffen?
Nein, eigentlich nicht. Ich setze mich nicht unnötig
unter Druck. Ich hoffe, dass ich eine gute Saison fahren kann und mich
für die WM in St. Moritz qualifiziere.
Nach ihrem Out im Olympia-Riesenslalom in Salt
Lake City haben Ihnen die Trainer vorgeworfen, Sie wären das Rennen
zuwenig seriös angegangen. Das hat Sie fürchterlich geärgert?
Das het mi zTod üfgregt. Natürlich
habe ich den Ruf, ein bisschen légère zu sein. Aber ich
habe daran gearbeitet und mich in den letzten Jahren in dieser Hinsicht
stark verbessert. Der Vorwurf hat mich schwer getroffen, weil an einem
Grossereignis wie Olympia auch der grösste Minimalist alles gibt.
In der Zwischenzeit haben wir die Sache aber aus der Welt geräumt.
Wir sind zusammengesessen und haben das Problem ausdiskutiert.
Als Weltcupfahrerin sind Sie sehr viel unterwegs
und jetten von einem Skiort zum anderen. Gewöhnt man sich an das
Zigeunerleben?
Das ischt sichär äs Gwohnu.
Im Grossen und Ganzen macht es mir nicht viel aus. Ich habe ja mein Natel
und dementsprechend ist die Rechnung (lacht herzlich).
Gibt es einen Weltcuport, wo Sie besonders gerne
hinfahren?
Von der Ambiance her ist Sölden sehr gut. Die
Piste gefällt mir zwar nicht so sehr, dafür sind die Stimmung
und das Rahmenprogramm vom Allerfeinsten. Von der Piste her gefällt
mir Åre (Norwegen) am besten. Wenn dann noch ein Nacht-Riesenslalom
stattfindet, fühle ich mich im Element.
Gegen aussen wirken Sie sehr locker und aufgestellt.
Gibt es auch die nachdenkliche und traurige Fränzi Aufdenblatten?
Ja, die gibt es auch. Zwar eher selten, aber wenn
ich traurig bin, dann überfällt es mich richtig. Meine Familie
und Freunde helfen mir aber über solche Tiefs hinweg. Grösstenteils
bin ich aber glücklicherweise ein lebensfroher und lustiger Mensch.
Wie geben Sie sich privat?
Privat versuche ich es gemütlich zu nehmen.
Wir haben zwischendurch genug Hektik. Zu Hause gilt das Motto jaaa
kei Stress...
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