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Die eigenartigen Tourismus-Kriterien des Kantons
Ist Brig-Glis kein Tourismusort?

 
Brig-Glis / Die Simplonstadt ist nach Ansicht des Staatsrates kein Tourismusort. Eine Feststellung, die der Kanton im Zuge des neuen kantonalen Ladenschlussgesetzes vorgenommen und damit Touristiker, Gewerbetreibende und den Stadtrat in Brig vor den Kopf gestossen hat.

Von German Escher

Was hat Gruben im Turtmanntal, was Brig-Glis nicht hat: die staatsratliche Anerkennung als Tourismusort im Sinne des neuen Ladenschlussgesetzes und somit die Erlaubnis, während der Saison die Geschäfte werktags und sonntags bis 21 Uhr öffnen zu können. Und das macht die Briger nun doch ein wenig stutzig. Kurdirektor Beat Pfammatter: „Das ist ein Affront, wenn das Simplonstädtchen nicht als touristischer Ort anerkannt wird.“ Bereits anfangs Jahr hat er schriftlich beim Staatsrat interveniert. Und im Oktober hat die zuständige Ressortchefin, Stadträtin Claudia Chastonay, nachgedoppelt. Ihre Argumentation: Es sei nicht verständlich, dass die „touristischen Orte“ nur auf Bergkurorte beschränkt würden. Es sei vielmehr auf die jeweilige touristische Bedeutung abzustützen. So weise Brig-Glis nach Zermatt, Saas Fee und Leukerbad die viertgrösste Zahl an Hotel-Logiernächten auf. Insgesamt hat Brig im vergangenen Jahr 244`000 Logiernächte gezählt. Zugleich verweist die Stadträtin in ihrem Schreiben auf die touristische und kulturelle Infrastruktur und die Zentrumsfunktion des Simplonstädtchens – ohne sich dabei allerdings Gehör verschafft zu haben. Auf der Ende Oktober publizierten Liste der touristischen Orte sucht man Brig vergeblich.

Die Kritik aus der Simplonstadt weist Marco Dini, Chef der Dienststelle für Industrie, Handel und Arbeit, entschieden zurück: „Es sagt niemand, dass Brig kein touristischer Ort ist. Aber im Sinne des Gesetzes müssen noch weitere Bedingungen erfüllt werden.“ So muss beispielsweise ein touristisches Bedürfnis nach verlängerten Öffnungszeiten bestehen. „Es geht nicht darum, sofort einen Sonntagsverkauf einzuführen“, räumt die Stadträtin Claudia Chastonay ein. Aber die Briger wollen sich auch nichts für die Zukunft verbauen. Doch das dürfte schwierig sein. Der Grund: Das neue Gesetz über das Ladenöffnungsgesetz ist vor dem Hintergrund der Zustimmung durch die Sozialpartner zu sehen. Und diese haben sich gegen einen Sonntagsverkauf im Talgrund ausgesprochen. Ausgenommen sind die Ortschaften am Genfersee. Deshalb hat sich auch Siders vergeblich um die Anerkennung als Tourismusort im Sinne des neuen Gesetzes über die Ladenöffnungszeiten bemüht. Einziger Hoffnungsschimmer für die Sonnenstadt und die Simplonstadt: In zwei Jahren wird der Staatsrat die touristischen Orte neu definieren.


 

 

      
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