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Frontal-Interview:
„Siders soll ein attraktives Stadt bild erhalten“


Manfred Stucky
 
Siders / Seit zwei Jahren sitzt Manfred Stucky auf dem Präsidentenstuhl von Siders. Seither weht ein neuer Wind durch die Sonnenstadt. Im RZ-Interview spricht Stucky etwa über die Bedeutung der neuen Fachhochschule, das Verhältnis Deutsch-Welsch und die Innenstadt und sagt: „Unser Stadtbauprojekt ist eine wichtige Weichenstellung für Siders.“

Von German Escher und Ruth Seeholzer

Vor zwei Jahren haben Sie überraschend den damaligen Stadtpräsidenten Charles-Albert Antille abgelöst. Wie beurteilen Sie Ihre ersten beiden Präsidialjahre?

Das erste Jahr als Präsident war schwierig. Mein Vorgänger amtete fast neun Jahre als Stadtpräsident. Das hat natürlich zu gewissen Gewohnheiten geführt. Anpassungen an einen neuen Stil und Veränderungen sind in einem solchen Fall nicht einfach. Im Gemeinderat, in dem die CVP ihre vier Sitze behalten und die SP zu Lasten der FDP einen Sitz gewonnen hat, ging das problemlos. Schwieriger war der Druck, den ein bestimmter Flügel des Generalrates ausgeübt hat. Diese Phase dauerte bis im Dezember 2001, als das Budget beraten wurde und sich die Exekutive auch durchsetzen konnte. Seither ist auch die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde- und Generalrat gut.

Den Generalrat, der ja weitgehend die Urversammlung ersetzt, gibt es im Oberwallis nicht. Ist das Regieren mit einem Generalrat schwerfälliger?

Für eine Stadt wie Siders ist der Generalrat ein Vorteil. Die Kontrolle des Generalrates ist viel professioneller. Die Geschäftsprüfungskommission arbeitet sehr genau und schaut dem Stadtrat wirklich auf die Finger. Wir haben aber eine klare Kompetenz-aufteilung. Bis zum Betrag von zwei Millionen Franken ist der Stadtrat zuständig. Für grössere Investitionen braucht es die Zustimmung des Generalrats. Aber ich hatte während den zehn Jahren, die ich nun schon in der Exekutive arbeite, eigentlich nie das Gefühl, dass die politische Arbeit wegen des Generalrats schwerfälliger wird. Das gilt unter einer Voraussetzung: Der Gemeinderat muss seine Geschäfte gut vorbereiten.

Im Oberwallis kennt man die Sorgen der Sonnenstädter kaum. Wo drückt Sie als Stadtpräsidenten der Schuh am meisten?

Grosse Sorgen haben wir nicht. Wir haben einen Zehn-Jahresplan, der jährlich aktualisiert wird. Der Gemeinderat konnte sich einstimmig auf die Projekte für die jetzige Amtszeit einigen. Meine einzige Sorge: Es werden nicht alle Dossiers mit dem nötigen Nachdruck weiterverfolgt. Da braucht es manchmal schon Geduld.

Von der Autobahn erhofft man sich vielerorts Impulse für die Wirtschaft. Was hat sich seit der Eröffnung für Siders geändert?

Die Autobahn kam für uns zu einer wirtschaftlich ungünstigen Zeit nach Siders. Deshalb blieben die erhofften Impulse, wie man sie in anderen Gemeinden kennt, eigentlich aus. Aber natürlich überwiegen auch bei uns die Vorteile der Autobahn.

Die Umfahrung hat auch Schattenseiten. Viele Oberwalliser kennen von Siders nur das Placette. Ärgert Sie das?

Nein, eigentlich nicht, weil es auch nicht stimmt. Aber unser Stadtzentrum ist ein politischer Dauerbrenner. Es liegt auf der Hand, dass die Gewerbetreibenden in der Peripherie und die Gewerbetreibenden im Stadtzentrum das anders sehen. Aber die Weichen wurden im Zuge der Raumplanungsordnung so von unseren Vorgängern gestellt. Dass die Geschäfte im Zentrum darunter etwas leiden, mag stimmen. Aber die Probleme werden wohl auch etwas aufgebauscht.

Aber die Innenstadt hat es schwerer. Was macht der Gemeinderat dagegen?

Einiges. Wir haben ein Stadtbauprojekt für das Zentrum von Siders erarbeitet. Es handelt sich um ein zukunftsorientiertes Vorhaben, das die Entwicklung der Innenstadt in den nächsten 50 Jahren prägen wird. Ich bin überzeugt: Unser Stadtbauprojekt ist eine wichtige Weichenstellung für Siders.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Projekt?

Im wesentlichen soll eine dritte Strassenachse nördlich der Bahnanlagen durch Siders entstehen. Dadurch würde das Zentrum vom Verkehr entlastet. Hier würden sich ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten – sei es als Fussgänger- oder als verkehrsarme Begegnungszone – eröffnen. Gleichzeitig kann mit der neuen Strasse in Zentrumsnähe ein mögliches Wohngebiet mit 25`000 bis 30`000 m2 Wohnfläche errichtet werden. Das Anliegen des Gemeinderates ist klar formuliert. Siders soll ein attraktives Stadtbild erhalten, ein lebendigeres Zentrum und dies mit der Verdichtung der Bauweise im Zentrum.

Wie sieht der zeitlich Fahrplan aus?

Vor einigen Wochen hat der Generalrat das Projekt mit 39 Ja zu acht Nein und drei Einhaltungen klar angenommen. Im Moment zeichnet sich ein Referendum ab. Am 16. Dezember wissen wir, ob das Referendum zustande kommt oder nicht. Wenn die Siderser dem Stadtbauvorhaben zustimmen, wer-
den wir dieses Projekt in zwei bis drei Jahren umsetzen. Für die Detailgestaltung in einzelnen Bereichen möchten wir noch einen Ideenwettbewerb durchführen.

Und wie viel kostet das Ganze?

Insgesamt rechnen wir mit Kosten von ungefähr 14,5 Millionen Franken. Ein Teil – etwa die Infrastruktur bei dem neuen Bahnhof und dem Postgebäude - besteht eigentlich schon, so dass nicht der gesamte beantragte Kredit investiert werden muss. Da es der Gemeinde finanziell recht gut geht, sollte die Finanzierung kein Problem sein.

Investitionen in Bauten ist das eine, ein eigentliches Städtemarketing das andere. Was macht Siders diesbezüglich?

Da haben wir bisher – etwa im Vergleich zum Visper Ortsmarketing – gewisse Defizite. Aber es ist einiges in Bewegung, nicht zuletzt auch dank der Fachhochschule, die nächstes Jahr ihr neues Schulhaus eröffnen kann. Die Gewerbetreibenden, die Bevölkerung und die Verwaltung müssen die Chancen erkennen, dass sich Siders zu einer Studentenstadt entwickelt. Vor allem auch der alte Stadtkern „le Bourg“ könnte davon profitieren.

Aber es braucht Privatinitiative.

Das stimmt. Aber es gehört auch zur Aufgabe der Stadt, Rahmenbedingungen zu errichten, Impulse zu geben und das Gewerbe zu motivieren oder zu unterstützen, Neues zu wagen.

Welche Vorhaben möchten Sie – nebst dem Stadtbauprojekt – nächstens realisieren?

Wir werden nächstes Jahr sicher die Orientierungsschule Liddes ausbauen. Gemeinsam mit Salgesch möchten wir ein Trinkwasserprojekt realisieren. Heute beziehen wir rund 80 Prozent des Trinkwassers von einer Quelle. Jetzt haben wir die Möglichkeit, uns für die Zukunft abzusichern. Als weiteres Vorhaben wird das Eisbahn-Projekt auf den Tisch kommen. Hier wird sich zeigen müssen, ob es eine regionale oder kommunale Lösung oder allenfalls nur die Sanierung der Grabenhalle geben wird. Und schliesslich werden wir uns früher oder später wohl auch mit der Erneuerung des Schwimmbads beschäftigen müssen.

Katharinen-Markt und Comic-Festival sind die Aushängeschilder der Sonnenstadt. Wie wichtig sind solche Events für eine Stadt?

Solche Veranstaltungen bringen Leute nach Siders und sind gute Werbung für unser Städtchen. Sie haben zwei Grossanlässe genannt. Zu erwähnen sind auch die Vinea, die jährlich stattfindet oder die Siderser Blumenschau, die jedes zweite Jahr durchgeführt wird. Diese Veranstaltungen haben Tradition. Auch die Vereine bringen einiges in die Sonnenstadt. Letztes Jahr fand das kantonale Jodlerfest, heuer das eidgenössische Tam-
bouren- und Pfeiferfest bei uns statt. 2003 sind die Street-Hockey-WM und das Rilke-Festival in Siders.

In der nationalen Politik spricht man häufig von einem Röschtigraben. Wie ist der Verhältnis zwischen Deutsch und Welsch in Siders?

Das Verhältnis ist gut. Heute leben rund 1600 Deutschsprachige in Siders. Diese Zahl ist seit Jahren mehr oder weniger stabil. Allerdings hat vor 100 Jahren die deutsche Sprache klar dominiert. 1875 sprachen noch drei Viertel der Einwohner Deutsch, um 1900 waren es in etwa die Hälfte.

Was macht die Gemeinde zur Integration der Anderssprachigen?

Wichtig ist, dass wir in Siders alle obligatorischen Schulen, also vom Kindergarten bis und mit der OS, in Deutsch und in Französisch anbieten können. Das liegt mir am Herzen. Grundsätzlich wird der Zweisprachigkeit auf allen Schulstufen immer grössere Bedeutung beigemessen. Siders hat zudem eine deutschsprachige Pfarrei. Und innerhalb der Verwaltung sind wir bemüht, dass in jeder Abteilung mindestens eine Person mit guten Deutschkenntnissen den Bürgern Red und Antwort stehen kann. Die Zweisprachigkeit ist für Siders eine Chance und kein Risiko. Die zwei Kulturen und Sprachen bereichern Siders. Natürlich gibt es auch Spannungen zwischen dem Ober- und Unterwallis. Aber gerade hier sehen wir eine wichtige Aufgabe für Siders. Wir sind ein Bindeglied mit Brückenfunktion zwischen Ober- und Unterwallis. Das zeigen auch die guten Kontakte zu den Oberwalliser Nachbargemeinden – beispielsweise mit dem Projekt Pfyn-Finges.

Eine wichtige Rolle spielen auch Vereine und der Sport. Bekannt ist vor allem der HC Siders. Fiebern Sie in der Grabenhalle mit?

Wenn immer möglich, bin ich dabei. Eishockey ist ein Sport, der auch mich seit Jahren fasziniert.

Und wer wird Ende Saison die Nase vorne haben: der HC Siders oder der EHC Visp?

(schmunzelt) Der Bessere.


 

 

      
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