| Siders / Oberwallis
/ Das Konsumentenmagazin Kassensturz des Schweizer Fernsehens liess verschiedene
Raclette-Käse testen. Die Walliser schlossen bei diesen Tests auf den
hintersten Plätzen ab.
Von Ruth Seeholzer
Was letzte Woche in der Sendung Kassensturz über den Bildschirm
lief, musste einigen Walliser Käseproduzenten den kalten Schweiss
auf die Stirn getrieben haben. Da sah man feinsten Walliser Raclette-Käse
im Raclette-Pfännchen in seinem eigenen Fett schwimmen ganz
im Gegenteil zu industriell hergestelltem Raclette-Käse aus der Deutschschweiz,
welcher schön kross vor sich her bratete. Von vierzehn getesteten
Raclette-Käsen fielen alle drei Walliser Käse auf die hintersten
Plätze!
Erschreckendes Testergebnis
Während der Simplon-Raclettekäse noch knapp ein Genügend
schaffte, kamen der Valdor und der Gommer nur mehr auf ein Mangelhaft.
Pierre Lavanchy, Leiter des mit dem Test beauftragten Labors der Eidgenössischen
Forschungsanstalt für Milchwirtschaft, meint zu diesen Testergebnissen:
Raclette aus Rohmilch eignet sich schlechter für die Zubereitung
in Pfännchen. Dem widerspricht Urs Guntern, Vizedirektor vom
Walliser Milchwirtschaftsverband, auf Anfrage der RZ vehement: Auch
der Walliser Raclettekäse ist geeignet für die Pfännchen!
Nur unter anderen Bedingungen!
Äpfel mit Birnen verglichen!
Für Urs Guntern ist der Kassensturz-Test eine kleine Katastrophe.
Vor allem im Hinblick darauf, dass noch im Verlaufe dieses Monats entschieden
werden sollte, ob der Walliser Raclettekäse das AOC-Label erhält
oder nicht. RZ-Leser wissen: Falls das Bundesamt für Landwirtschaft
dem Raclettekäse dieses Label zusprechen würde, dürfte
nur noch Käse aus dem Wallis als Raclette-Käse verkauft werden.
Dieses Ansinnen hat natürlich Gegner. Auf die Frage, ob der Kassensturz
diesen Test aus bestimmten Gründen gerade jetzt hat machen lassen,
meint Urs Guntern: Da möchte ich mich auf keinerlei Spekulationen
einlassen. Allerdings scheint mir der gewählte Zeitpunkt schon mehr
als zufällig. Und nicht nur das: Für Urs Guntern ist klar,
dass man beim Test Äpfel mit Birnen verglichen hat.
Einheitsbedingungen für Test
Nur mit einheitlichen Kriterien kann man einen Test durchführen,
wie ihn der Kassensturz veranlasst hat. Als Bedingung galt unter anderem,
dass jeder Käse genau zwei Minuten fünfzehn Sekunden im Pfännchen
unter der Hitzeschlange bleiben musste. Das ist ein Blödsinn!,
ereifert sich Guntern. Walliser Raclette-Käse darf man nicht
zu lange und nicht zu stark erhitzen. Zu hohe Hitze bringt das im
Fett schwimmende Raclette hervor. Für Urs Guntern sind die
Konsequenzen aus diesem Test klar: Wir müssen die Konsumenten
vermehrt darüber aufklären, wie sie unseren Raclette-Käse
im Pfännchen zubereiten sollen. Dies scheint auch dringend
notwendig. Über neunzig Prozent der Raclette-Liebhaber ziehen das
einfacher zu bedienende Pfännchen dem Raclette-Streichen nämlich
vor.
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