| Pramont / Granges /
Die Arbeitserziehungsanstalt in Pramont: Ein trister, grauer Betonblock,
inmitten einer öden Landschaft. In diesen Räumlichkeiten sind
sogenannte schwer erziehbare Jugendliche untergebracht und sollen therapiert
werden. Die RZ war vor Ort und hat sich umgesehen.
Von Walter Bellwald
Der Schlüssel dreht sich im Schloss. Durch eine schwere, eiserne
Panzertür betrete ich einen kahlen Raum. Das Zimmer wirkt trostlos.
Der Platz ist eng und knapp bemessen. Die kalten Mauern sind in einem
Siena-Grundton gehalten mit passenden, schweren Vorhängen. Die karge
Möblierung umfasst ein Bett, einen Tisch mit zwei Stühlen und
einen kleinen Fernseher. An der Wand hängt eine Pinwand mit persönlichen
Notizen des Insassen. Ein paar Poster an den Wänden bringen wenig
Farbe in die triste Zelle. Besonders bedrückend: Die schwere, graue
Betonwand vor den Fenstern, die nur vereinzelt ein paar Lichtstrahlen
ins Zimmer lässt.
Schwarze Schafe
39 Jugendliche leben hier. Ihre Delikte sind so verschieden wie ihre
Herkunft; Mordversuch, wiederholter Diebstahl, Nötigung, versuchte
Vergewaltigung. Die schwarze Liste ist endlos lang. Wird ein Jugendlicher
auf frischer Tat ertappt und verzeigt, muss er vor den Jugendrichter.
Dieser entscheidet dann je nach Vergehen, ob der Delinquent in eine Arbeitserziehungsanstalt
eingewiesen wird. Die jugendlichen Täter kommen vorwiegend aus der
Westschweiz, aber auch Oberwalliser und Tessiner sind in Pramont inhaftiert.
Sie kommen aus allen sozialen Schichten. Nur selten schaffen es die jugendlichen
Straftäter, sich aus eigener Kraft wieder zu integrieren. An
dieser Stelle hilft unser Erziehungsprogramm, meint Johnny Petoud,
der seit elf Jahren als Sozialpädagoge in Pramont arbeitet. Die
17 bis 25jährigen Insassen haben hier die Möglichkeit, handwerkliche
und administrative Berufe zu erlernen und neue Perspektiven für die
Zukunft zu entwickeln.
Ausbildungsmöglichkeiten
Der Aufenthalt in der Arbeitserziehungsanstalt ist für die Jugendlichen
eine grosse Herausforderung. Oft müssen Betroffene ihr Leben von
Grund auf neu aufbauen. Nach Auskunft von Petoud wird ein jugendlicher
Straftäter für mindestens ein Jahr in die Erziehungsanstalt
aufgenommen. Spätestens nach vier Jahren wird er entlassen oder versetzt.
Mit einem Punkteprogramm werden die Jugendlichen animiert, sich den internen
Regeln anzupassen. Je mehr Punkte man sammelt, desto mehr Freiheiten bekommt
man zugestanden. Mit sportlichen und kulturellen Angeboten will man für
die Insassen einen Ausgleich schaffen. Die Chancen, dass sich ein
Jugendlicher später wieder in der Gesellschaft integrieren kann,
liegen bei 75 Prozent, meint Petoud. Auf Weihnachten sind verschiedene
Anlässe geplant, um den Insassen eine Freude zu machen. Noch ist
aber nicht viel von weihnachtlicher Ambiente zu spüren. Einzig ein
eingepackter Weihnachtsbaum deutet auf das bevorstehende Fest hin.
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