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Langläufer Thomas Diezig aus Blitzingen setzt auf die Karte Spitzensport
„Man muss sich hohe Ziele setzen“

 
Blitzingen / Starallüren kennt er nicht. Nur wenn es um seine Sportart geht, kennt er keine Kompromisse. Denn Langlauf heisst die Zukunft von Thomas Diezig.

Von Waldemar Schön

21 Jahre jung, talentiert, ehrgeizig: Das ist Thomas Diezig aus Blitzingen, die grösste Nachwuchshoffnung des Walliser Langlaufs. „Na, so schlimm ist es wohl nicht“, erwidert Thomas lachend. Doch bei aller Bescheidenheit: Tatsache ist, dass er als einziger Walliser im B-Kader des SSV ist.

Grenzwacht als Sprungbrett
„Nur hatte ich bis jetzt weniger Zeit, mich professionell auf die Saison vorzubereiten“, erklärt Thomas. Grund: Vor einem Jahr wechselte er zur Grenzwacht. „Das letzte Jahr hiess vor allem Ausbildung und die Schlussprüfungen anfangs Dezember standen ganz vorne auf der Prioritätenliste.“ Die Praktikumszeit beim Zoll in Basel hiess auch, oft auf Schnee verzichten zu müssen. Doch in seinen Augen hat sich der Wechsel zur Grenzwacht gelohnt: „Als Langläufer hat man nur zwei Möglichkeiten in der Schweiz, um beruflich abgesichert zu sein und trotzdem professionell Langlauf zu betreiben: Eine Stelle bei der Grenzwacht oder bei der Festung.“ Als Langläufer seien die Trainingsbedingungen bei der Grenzwacht optimal und das Team der Läufer und Trainer sei eine zusätzliche Motivation. „Zudem sind wir in der U24 alle in etwa gleich alt und ähnlich stark. Da fordert jeder jeden heraus, was zu Leistungssteigerungen führt.“

Grosses Ziel: U23 WM
Trotz weniger Zeit für die Saisonvorbereitung gelangen Thomas am Swisscom-Cup in Ulrichen Anfangs Dezember gute Resultate. „Darauf kann ich aufbauen. Denn mein grosses Saisonziel sind die U23 Weltmeisterschaften im Februar 2003.“ Sich für diesen Anlass zu qualifizieren sei das Minimum, so Thomas. Doch das alleine reicht ihm nicht. „Wer bei der U23 vorne mitläuft, wird in ein paar Jahren auch bei den grossen Weltmeisterschaften und bei Olympia vorne mitmischen. Mein Ziel ist daher klar: Ich will an der WM unter die ersten 15 laufen.“ Vor allem in den Disziplinen Sprint und 30 Kilometer klassisch sieht er seine Chancen. Kein leichtes Unterfangen. Denn mit Norwegern, Deutschen, Italienern oder auch Franzosen gibt es knallharte Konkurrenten, die auch schon bei Weltcup-Rennen top gelaufen sind. „Ich will in den Weltcup und da ist es kein Thema, hinterherzulaufen.“

Neue Wettkampfformen sind positiv
„Als Grenzwächter kann ich mich dank dieser sozialen Absicherung voll auf den Sport konzentrieren.“ In Italien oder auch in Deutschland ist dieser Schritt der Normalfall. Vor allem die Deutschen haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt. Thomas Diezig: „Dort stimmen die Strukturen, die sich bei uns langsamer entwickeln, schon seit Jahren. Juniorenweltmeister und jetzt auch tolle Resultate im Weltcup sind die logische Konsequenz dieser gezielten Aufbauarbeit. Ich glaube, dass der Langlaufboom in Deutschland via Medien diesen Sport auch in der Schweiz weiter nach vorne bringen wird.“ Etwas, das auch mit neuen Rennarten wie Sprintwertung oder Duathlon (klassische Technik und Skating im selben Rennen) erreicht werden soll. „Diese Rennen sind sehr attraktiv. Der Langlauf braucht diese publikumswirksamen Rennen.“

Fragezeichen Goms
Nachdenklich wird Thomas Diezig, wenn er an die Entwicklung im Goms denkt. Denn obwohl dort die Trainingsvoraussetzungen in Sachen Schnee und Landschaft einzigartig wären, fehlt die Infrastruktur. Über eine Rollpiste für den Sommer wurde im Goms geredet und in Andermatt wurde sie erstellt. Leichte Planierungsarbeiten für die FIS-Strecke in Ulrichen werden immer noch diskutiert, während Davos dies im Hauruckverfahren erledigt hat. „Es ist schade, dass hier die Gemeinden nicht vorwärts machen und sich gegenseitig beneiden“, erklärt Thomas. Man könne ja schon von grossen Anlässen wie Weltmeisterschaften träumen, so Thomas. „Aber ohne die entsprechende Infrastruktur und ohne regelmässige Erfahrungen bei Weltcup-Rennen ist dieses Ziel heute wenig realistisch. Aber Politik ist nicht mein Feld“, erklärt er lachend. Er müsse sich auf den Sport konzentrieren. „Und darauf freue ich mich extrem. Ich will wissen, ob ich das Potenzial zu einem Spitzenläufer habe und werde mich voll für dieses Ziel einsetzen.“ Und das kann noch ein paar Jahre dauern. Denn der 21jährige weiss: „Das beste Alter für Langläufer ist um die 30.“


 

 

      
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