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Frontal-Interview:
„Die CSPO hat spannende Wahljahre vor sich“


Andreas Biner
 
Zermatt / Er führte die Burgergemeinde Zermatt aus der Krise, jetzt übernahm er das Präsidium der CSPO: Andreas Biner, Anwalt und Notar. Ausserhalb des Matterhorn-Dorfs hat man ihn bisher kaum gekannt. Im RZ-Interview spricht der Polit-Aufsteiger über 40-Tönner, Zermatter Strassenträume, Casino, die CSPO und sagt: „Die CSPO hat spannende Wahljahre vor sich.“

Von German Escher und Walter Bellwald

Die CSPO hat sich schwer getan, einen neuen Präsidenten zu finden. Jetzt fiel die Wahl auf Sie: Fühlen Sie sich jetzt als Notnagel?

Bei der Suche nach einem CSPO-Präsidenten hat sich gezeigt, dass die CSPO viele gute Köpfe hat. Ziel der Partei war es aber diesmal, einen Präsidenten aus den Bezirken Brig oder Visp zu wählen. Nachdem der Bezirk Brig keinen Kandidaten gefunden hat, war der Bezirk Visp gefordert. Nach diversen Gesprächen habe ich dann zugesagt. Der Entscheid, das Amt zu übernehmen, war aber durchdacht und gewollt. Persönlich fühle ich mich deshalb keineswegs als Notnagel.

Sie müssen die CSPO 2003 in die eidgenössischen und 2004 in die kantonalen Wahlen führen. Alles andere als ein leichter Job?

Der Präsidentenwechsel erfolgte bewusst in einem Zwischenjahr, damit die neue Führungscrew genügend Zeit hat, sich einzuarbeiten. Es ist klar: Die CSPO hat spannende Wahljahre vor sich – vor allem die kantonalen Wahlen.

Der Rücktritt von Wilhelm Schnyder ist definitiv. Den gelben Staatsratssessel zu verteidigen, scheint nach der Auflösung der CVP-Kantonalpartei ein äusserst schwieriges Unterfangen?

Die letzten Staatsratswahlen haben eindrücklich gezeigt, dass die C-Parteien auch ohne übermächtige CVP-Kantonalpartei eine gute Figur gemacht haben. Immerhin wurden alle drei C-Kandidaten im ersten Wahlgang gewählt. Entscheidend wird auch bei den nächsten Wahlen sein, dass zwei Oberwalliser Staatsräte gewählt werden. Die CSPO ihrerseits wird alles daran setzen, um weiterhin gute und glaubwürdige Politik zu machen.

Was heisst glaubwürdige Politik?

Unsere Politik muss auf einer christlichsozialen Grundhaltung basieren. Positionen ganz links oder ganz rechts werden in der Regel der Sache nicht gerecht. Wir brauchen Lösungen, die breitabgestützt und sozialverträglich sind.

Auch die CVPO möchte den roten Staatsratssessel zurückholen. Kommt es zu schwarz-gelben Absprachen, um die SP aus der Regierung zu kippen?

Diese Frage lässt sich heute nicht beantworten. Wir haben eine einvernehmliche Zusammenarbeit mit unserer Schwesterpartei. Ob wir gemeinsam in die Staatsratswahlen steigen, ist noch völlig offen.

Das Gerangel um die Mandate setzt schon früher ein: Für den Fall, dass Odilo Schmid wirklich nicht mehr als Nationalrat kandidiert, schmieden einige schon wacker Wahlkampfpläne?

Nationalrat Odilo Schmid hat in Bern eine gute Politik gemacht. Falls er nochmals kandidieren will, so wird ihm der Parteikongress die Zustimmung zu einer Verlängerung der grundsätzlich auf acht Jahre beschränkten Amtszeit ohne Zweifel geben. In jedem Fall wird die CSPO mit einer starken Liste antreten.

Ein möglicher Spitzenkandidat wäre der heutige Staatsrat?

(schmunzelt) Der heutige Staatsrat ist ein kompetenter Politiker, der in Sitten gute Arbeit leistet. Wilhelm Schnyder hat selber gesagt, dass er für fast alle weiteren Aufgaben offen sei. Mehr lässt sich zu diesem Thema derzeit nicht sagen.

In Ihrer ersten Woche als CSPO-Präsident haben Sie die Petition gegen die 40-Tönner am Simplon lanciert. Vor dem Hintergrund der Verkehrsprobleme am Gotthard eine kaum realistische Forderung, zumal Millionen Bundesgelder in den Ausbau des Simplons investiert wurden?

Die letzte Bemerkung ist ein falscher Ansatzpunkt. Natürlich wurden hier Millionen investiert. Aber der Simplonpass war nie für den Transitschwerverkehr gedacht. Auch die Katastrophe im Gotthardtunnel ändert daran nichts: Die Passstrasse über den Simplon ist für derart schwere Lastwagen nicht geeignet. Die verschiedenen Unfälle belegen das. Hinzu kommt, dass im Oberwallis die Autobahn noch nicht gebaut ist. Dadurch ist die Verkehrssituation beispielsweise in Visp bereits heute prekär. Wenn noch mehr 40-Tönner kommen, wird die Verkehrsituation im Sommer chaotisch.

Ist der Autoverlad wirklich eine Alternative?

Hier geht es um den Personenverkehr. Durch die Wiederaufnahme des Autoverlades könnte die Simplonpassstrasse auch in diesem Bereich entlastet werden.

Sehen Sie in einer zweiten Gotthardröhre die Entlastung fürs Oberwallis?

Das muss studiert werden. Aber letztlich braucht es ein Gesamtkonzept unter Berücksichtigung der NEAT, das für das ganze Land und das Oberwallis aus verkehrstechnischer und umweltpolitischer Sicht stimmt.

Die NEAT ist angesprochen. Hier sind die Erwartungen – auch aus touristischer Sicht - immens.

Die NEAT kann dem Oberwallis einen grossen Nutzen bringen – vorausgesetzt, man bringt diesen Lötschbergbasistunnel richtig an den Kunden. Gäste wie Transporteure, die in unser Land kommen, müssen die NEAT als attraktiv empfinden. Die NEAT- Röhre ist zwar in erster Linie für den Güterverkehr gedacht, bringt aber auch dem Personenverkehr einiges. Für den Gast ist die Anfahrt ein entscheidendes Kriterium. Der Gast kommt dann ins Wallis, wenn das gesamte Angebot in Ordnung ist: die Natur, die Dienstleistungen und auch die Erschliessung müssen stimmen.

Wir nähern uns allmählich Zermatt und machen einen Zwischenhalt in Täsch. Aufgrund ihrer Argumentation muss der TopTerminal in Täsch möglichst vorangetrieben werden.

Der gute Anfahrtsweg darf nicht in Visp enden. Der Gast muss sicher und möglichst bequem seinen Ferienort erreichen. Der TopTerminal Täsch ist deshalb ein wichtiges Projekt, das vorangetrieben werden muss. Aber gleichzeitig muss die Projektierung für die Strasse bis nach Zermatt weiterverfolgt werden. Dazu gehört der Abschnitt Visp-Täsch ebenso wie das letzte Teilstück bis ins Matterhorn-Dorf. Ob und in welchem Umfang diese Strasse für alle geöffnet wird, ist zu diskutieren. Zermatt muss in Zukunft auf Schiene und Strasse sicher erreicht werden können. Es braucht beide Verkehrsmittel – und das im Interesse des Gastes.

Eine ausgebaute, sichere Strasse ins Matterhorn-Dorf können die Zermatter alleine nicht finanzieren. Also braucht es Subventionen. Folge dessen muss die Strasse für alle geöffnet werden?

Das müssen die Einwohner von Zermatt und die zuständigen Behörden entscheiden. Ein doppelspuriger Ausbau der Strasse für den Personenverkehr bis nach Zermatt ist eine Möglichkeit, die mit allen Konsequenzen zu prüfen ist. Da gehört auch das Parking-Problem dazu. Die Planung im Quartier Spiess könnte so angelegt werden, dass hier weitere Parkings realistisch würden. Es werden aber nie alle Autos, die heute in Täsch parkieren, in Zermatt einen Parkplatz finden. Bei jeder Strassenlösung wird letztlich nur ein Teil der Gäste mit ihrem Auto bis Zermatt fahren können.

Führen wir eine theoretische Strassendiskussion oder gibt es konkrete Pläne?

Die Zonenplanung im Quartier Spiess ist im Gang. Es gab auch schon Informationsveranstaltungen. Es existiert zwar kein konkretes Projekt, aber die Strasse nach Zermatt ist ein latentes Thema.

Wir sind auf dem kommunalen Politparkett angekommen. Hat der neue Burgerpräsident die Finanzen im Griff?

Die Burgergemeinde konnte im letzten September aus der Vereinbarung mit den Gläubigern entlassen werden. In den letzten 18 Monaten wurde die Schuldenlast über Verkäufe um rund 30 auf 53 Millionen reduziert. Die Ertragswerte liegen zwischen 65 und 70 Millionen. Die Zahlen zeigen: Die Burgergemeinde ist wieder ein unabhängiger und vollwertiger Partner.

Trotzdem hat das Image gelitten.

Das stimmt. Aber wir haben die Burgergemeinde wieder aufs Geleise gebracht. Nur hat das die Medien leider nicht mehr im selben Ausmass interessiert wie die negativen Schlagzeilen zuvor.

Aber die traditionsreiche, stolze Burgergemeinde, die einst nur widerwillig Neuburger aufnahm, musste unten durch.

Das war schwierig. Aber mit der Absegnung der neuen Konzepte haben die Zermatter Burger etwas gemacht, das ihnen von vielen nicht zugetraut wurde: Nämlich in einer schwierigen Situation harte Entscheidungen zu fällen und diese auch konsequent umzusetzen. Das spricht für die Burgerschaft Zermatt, die in diesem Sinne wieder stolz auf sich sein darf. Das ist ein anderer Stolz als früher, der auf Wachstum und Macht basierte. Zermatt hat aus der Krise gelernt. Ein Umdenken hat eingesetzt. Und das ist positiv.

Die Wogen sind geglättet. Das nächste Grossprojekt steht an. Was erhoffen Sie sich vom Casino im Matterhorndorf?

Zermatt steht ein Casino gut an. In Kurorten des benachbarten Auslands gehört das Casino zum Freizeitangebot dazu. Für eine Destination wie Zermatt ist es wichtig, dass man dem Gast immer wieder etwas Neues bieten kann. Damit bleibt die Destination interessant und abwechslungsreich.

Haben Sie als christlichsozialer Politiker keine Angst, mit dem Casino die Spielsucht zu fördern?

(schmunzelt, dann wieder ernst) Das Problem darf nicht unterschätzt werden. Mit den Auflagen der Spielbankenkommission und unseren eigenen Richtlinien sind alle Vorkehrungen getroffen, um Fälle von Spielsucht zu vermeiden. Einzelfälle sind aber nie auszuschliessen. Den Widerspruch zum CSP-Politiker sehe ich nicht. Auch hier ist eine soziale Verantwortung wahr zu nehmen, damit die Spielsucht vermieden werden kann.

In Zermatt gibt’s einige wohlhabende Einwohner, die gutes Geld im Casino verspielen könnten...

(schmunzelt wieder) Zermatt ist trotz seiner Grösse ein Dorf. Einheimische werden sicher auch das Casino besuchen. Aber der wirkliche, einheimische Spieler, der auch regelmässig Geld verliert, wird andere Casinos aufsuchen.

Reizt Sie das Spiel am Roulette-Tisch?

Ich bin kein Spielertyp. Aber selbstverständlich werde ich aus Neugier ein Spiel versuchen. Aber die grosse Spielsucht droht mir nicht...

...passt es nicht ins Bild des Präsidenten der Oberwalliser Offiziersgesellschaft, im Casino sein Glück zu suchen?

(Lacht herzhaft) Offiziere der Schweizer Armee können in ihrer Freizeit den Hobbys wohl nach eigenem Gutdünken nachgehen. Das eine hat mit dem andern nichts zu tun. Das Spiel kann aber durchaus von einer gewissen Risikobereitschaft zeugen – und die steht einem Offizier ja nicht so schlecht an...


 

 

      
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