| Oberwallis / Der Angelini-Bericht brachte
es an den Tag, was die einzelnen Gemeindeverantwortlichen schon länger
wussten: Vor allem die Oberwalliser Gemeinden sind verschuldet. Und zwar
zum Teil massiv. Dass diese Verschuldung früher oder später zu
einer Anhebung der Steuern führen muss, ist zwar allen klar. Wie weit
damit aber die sonst schon frappanten Steuerunterschiede noch mehr verschärft
werden, zeigt eine Auflistung der günstigsten und teuersten Gemeinden.
Von Ruth Seeholzer
Auf unsere Gemeinde kommen immer mehr Belastungen
zu, seufzt Klaus Russi, Fiescher Gemeindepräsident. Durch
die Abwanderung nimmt unsere Wirtschaftskraft ab, die Ausgaben jedoch
nehmen eher zu! Die Gemeinde Fiesch hat beschlossen, für das
Jahr 2002 den Steuerindex um einen Zehntel Punkt auf 1.4 zu erhöhen,
währenddem man die Indexierung beibehalten hat. Das macht für
einen alleinstehenden Steuerzahler mit einem steuerbaren Einkommen von
Fr. 60000.- eine um knapp Fr. 440.- höhere Steuerbelastung
jährlich. Wir hatten eben Jahre, in denen wir ein bisschen
zuviel investiert haben, gibt Russi zu. Und darum müsste man
heute halt ein wenig kürzer treten und zugleich die Einnahmen erhöhen.
Keine Steuergeschenke
Eisten ist die einzige Oberwalliser Gemeinde, die den Steuerindex
um 10 Prozent nach oben angepasst und somit indirekt die Steuereinnahmen
gesenkt hat, was wiederum bei einem steuerbaren Einkommen von Fr. 60000.-
(alleinstehend, unselbstständigerwerbend) eine Reduktion von immerhin
Fr. 208.20 ausmacht. Ganz anders die Gemeinde Ernen. Da beträgt die
Pro-Kopf-Verschuldung Fr. 12000.- (siehe RZ Nr. 7 vom 28.2.2002).
Die Gemeinde hat reagiert und den Steuerfuss für das Jahr 2002 von
1.3 schlagartig auf 1.5 erhöht, bei gleichbleibender Indexierung.
Extreme Unterschiede
Die Unterschiede der Steuerlast in den Oberwalliser Gemeinden sind
tatsächlich frappant. Der Steuerzahler in den Gemeinden Gondo oder
Bister zahlt über Fr. 3200.- weniger als der Steuerzahler,
der in der Lötschentaler Gemeinde Ferden zu Hause ist (bei gleichen
steuerlichen Voraussetzungen)! Bisher waren Steuererhöhungen kaum
ein Thema. Die Finanzsituation zwingt aber immer mehr Gemeinden zum Handeln.
Hat1998 keine einzige Oberwalliser Gemeinde den Steuerkoeffizienten erhöht,
so schraubten Leukerbad 1999 und Varen im Jahr 2000 die Gemeindesteuern
nach oben. Im Jahr 2001 erhöhten fünf Oberwalliser Gemeinden
ihre Steuern, und im Jahr 2002 sind es nochmals deren zwei.
|