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Die Zahl der an Leberkrebs erkrankten Männer ist im Wallis mehr als doppelt so hoch wie in der übrigen Schweiz
Sind wir ein Volk von Säufern?

 
Wallis / Die Zahlen erschrecken: Walliser Männer sterben mehr als doppelt so häufig an Leberkrebs wie sonst im Schweizer Durchschnitt. Leberkrebs entsteht hauptsächlich – nicht ausschliesslich – durch Alkoholmissbrauch, wie verschiedene Studien belegen. Die Frage ist berechtigt: Halten wir kein Mass im Alkoholtrinken?

Von Ruth Seeholzer

Frühmorgens auf DRS3. Moderator Mario Torrianis sonore Stimme ertönt: „Eine neue Studie bestätigts: Die Walliser trinken mehr als doppelt so viel Alkohol wie wir. Und sterben mehr als doppelt so oft an Leberkrebs. Wir berichten darüber in wenigen Minuten.“ – Ein gefundenes Fressen für die Deutschschweizer: Der Walliser als Süffel, bekannt für seinen Fendant. Die ganze Schweiz horcht auf. – Ist das nun wieder so ein Deutschschweizer Vorurteil über die Walliser oder sind wir tatsächlich ein Volk von Säufern?

Alkohol als Kulturgut
Staatsrat Thomas Burgener würde es nicht so hart ausdrücken. „Ein Volk von Säufern sind wir nicht.“ Aber auch er gibt zu: „In der Tat ist der Walliser Alkoholkonsum überdurchschnittlich. Das belegen verschiedene Studien.“ Nach den Ursachen des übermässigen Konsums von Wein, Bier und Schnäpsen gefragt, antwortet der Gesundheitsminister: „Das Wallis ist ein Weinanbaugebiet. Viele Walliser haben eigenen Wein und sind stolz darauf.“ Das gemeinsame Apéritif, das Tournée und das Carnotzet seien Walliser Kulturelemente, die fest im sozialen Leben verankert seien. Doch auch für Burgener ist klar: „Immer alles im vernünftigen Mass!“

Mangelnde Prävention
Für Ueli Gerber, Leiter der Rehabilitationsstation für Alkohol- und Medikamentenabhängige in Gampel, fehlt es eindeutig an der Prävention. „Keine und keiner weiss im Wallis Bescheid darüber, ab welcher Häufigkeit und Menge nach wie vielen Jahren eine Alkoholabhängigkeit entstehen kann.“ (siehe Interview Kasten links). Die Empfehlungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) gehen davon aus, dass bis zu drei Einheiten alkoholische Getränke, also drei Stangen Bier, drei Schnäpse oder drei Ballon Wein, pro Tag noch nicht gesundheitsschädigend sind. Aber alles, was darüber hinausgeht, kann dem Körper schaden. „Es ist nicht hundertprozentig erwiesen, dass Alkoholmissbrauch zu Leberkrebs führt“, meint Elisabeth Marty, Delegierte für Prävention von der Walliser Dienststelle für das Gesundheitswesen. Aber: „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch.“

Der Alkohol ist schuld
Auch Hepatitis B und C können Leberkrebs auslösen. Doch die Verfasser der Studie „Der Krebs im Wallis“ fassen ganz klar zusammen: „Im Wallis sind die Zahlen der Hepatitisfälle nicht höher als in der übrigen Schweiz.“ Weil jedoch die Zahl vor allem der Walliser Männer, die an Leberkrebs erkranken (und sehr häufig auch daran sterben), mehr als doppelt so hoch ist wie in der übrigen Schweiz, kommen die Autoren zum Schluss: „Das zeigt klar und deutlich, dass im Wallis der Alkohol das Hauptrisiko ist und dass er für den dramatischen Anstieg von Leberkrebsfällen verantwortlich ist.“

Wir sind Gewohnheitstiere
„Gewohnheiten zu ändern fällt uns Menschen alles andere als leicht“, erklärt Stefan Ruf, Leiter der Liga gegen die Suchtgefahren LVT Oberwallis. Auf die Frage, ob er geschockt sei wegen der Zahlen der Krebsstudie, meint er: „Ja und nein. Nein, weil sie zeigen, was seit langem bekannt ist. Ja, weil mit jeder einzelnen Situation häufig viel Leid verbunden ist.“ Um das Konsumverhalten beeinflussen zu können, sind wohl nur auf Jahre angelegte Strategien wirksam. Wie zum Beispiel die bekannte Walliser Kampagne „Wie viele?“. Ob diese Präventionsbotschaften wirksam sein werden, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. „Wir können und müssen etwas ändern“, ist Elisabeth Marty überzeugt. „Aber es ist halt nicht dasselbe wie beim Gurtentragen. Dort sieht man den Erfolg einer Massnahme sofort. Beim Alkohol dauert es eben eine Weile.“


 

 

      
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