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Karin Roten Meier (27), ehemalige Skirennläuferin, Mutter und Hausfrau
„Mutter sein ist manchmal ganz schön anstrengend“


 
Leukerbad / Beromünster / Als aktive Skirennläuferin zeigte sie viel Ehrgeiz und Biss. Das brachte ihr drei Weltmeisterschaftsmedaillen ein. Heute zeigt sich Karin Roten Meier (27) als liebevolle Mutter und Hausfrau. Im RZ-Interview spricht sie offen über ihre Mutterrolle und sagt: „Momentan nehmen mich meine Kinder sehr intensiv in Anspruch!“

Von Walter Bellwald und Ruth Seeholzer

Am kommenden Sonntag ist Muttertag. Wie verbringen Sie diesen Tag?

Wir werden mit einem Kollegenpaar zum Brunchen fahren. Allerdings haben wir das nicht bewusst auf den Muttertag hin geplant. Das war eher ein Zufall.

Hat der Muttertag eine spezielle Bedeutung für Sie?

Für mich bedeutet der Muttertag nicht so viel, weil ich die Mutterrolle jeden Tag ausübe. Aber es ist trotzdem schön, dass es einen Tag gibt, an dem man speziell an alle Mütter denkt. Ich habe aber genauso viel Freude, wenn mein Mann mich zwischendurch überrascht.

Wie haben Sie früher diesen Tag verbracht?

Ich erinnere mich noch daran, wie ich meiner Mutter mit dem Serviertablett das Frühstück ans Bett gebracht habe. Das hat allerdings nicht so ganz hingehauen. Der Toast war total verbrannt und rabenschwarz (lacht herzlich). Aber der gute Wille war zumindest da. Auch einen Strauss Schlüsselblumen habe ich jeweils für meine Mutter gesammelt. Das sind meine Erinnerungen an den Muttertag.

Sie sind zweifache Mutter und Hausfrau. Wie haben Sie die Schwangerschaft und die Geburt Ihrer Kinder erlebt?

Es ist schon etwas Spezielles, wenn ein Kind im Mutterleib heranwächst. Der Körper verändert sich, man wird kugelrund. Auch die Geburt erlebt man sehr intensiv. Wenn das Kind einmal da ist, trägt man die volle Verantwortung für das kleine Leben. Das prägt einen schon ziemlich stark und ist sehr einschneidend in einem Leben. Auch beim zweiten Kind war das Erlebnis speziell. Man hat zwar schon eine bestimmte Erfahrung, aber jede Schwangerschaft verläuft total anders. Das waren sehr intensive Zeiten, die ich da durchlebt habe.

Während Ihrer Schwangerschaft haben Sie auch als Fotomodell posiert?

Die Anfrage kam während meiner zweiten Schwangerschaft. Ich habe zugesagt, weil ich ein paar schöne Fotos meiner Schwangerschaft wollte. Beim vereinbarten Termin waren vier Frauen mit dabei. Es war eine sehr herzliche Atmosphäre und alle haben sich rührend um mich gekümmert. Es ging ja darum, dass der Bauch in einer schönen Pose abgelichtet wird und die weichen Gesichtszüge einer werdenden Mutter zur Geltung kommen. Das ganze ist auf einer völlig anderen Ebene verlaufen als ein normales Foto-shooting. Das war für alle speziell und sehr schön.

Sie haben sich gegen die Sportlerkarriere und für die Familie entschieden. Was gab damals den Ausschlag für diesen Entscheid?

Nach der Geburt meines ersten Kindes habe ich nochmals versucht, zurück in den Spitzensport zu finden. Die Zeit war allerdings sehr knapp bemessen. Nach der Geburt habe ich sofort wieder mit dem Training angefangen und knapp acht Monate später habe ich mein erstes Weltcup-Rennen gefahren. Das waren nicht die idealen Voraussetzungen. Mein Körper hat unter der konditionellen Aufbauarbeit gelitten, weil ich die Geburt noch nicht ganz verkraftet hatte. Dazu kam die Trennung von meinem kleinen Sohn. Es war ein steter innerer Kampf: Mit dem Kopf war ich auf der Piste und mit meinem Herzen bei meinen Liebsten zu Hause. Ich habe mir das Ganze viel einfacher vorgestellt. Aber ich konnte den Spitzensport und meine Mutterrolle nicht vereinbaren. Dazu kam auch noch viel Pech in den Rennen. Die Folge davon waren mässige Resultate.

Ist Ihnen der Entscheid schwergefallen, vom aktiven Skirennsport zurückzutreten?

Nein, eigentlich nicht. Der Entscheid zum Rücktritt fiel mir relativ leicht. Aber die Zeit danach war nicht einfach. Ich musste lernen, einen gewissen Abstand zum Skirennsport zu gewinnen. Ich hatte praktisch mein ganzes Leben mit dem Skizirkus verbracht und da war es schwer für mich, von einem Tag auf den anderen loszulassen. Ich merke das heute noch. Im Frühling lasse ich mich ein bisschen treiben und im Herbst muss ich dreimal wöchentlich joggen. Das ist ein bestimmter Rhythmus, der meinen Körper bestimmt. Anfangs hatte ich Mühe damit und habe gedacht, was ist mit mir los. Jetzt habe ich gemerkt, dass ich den Rhythmus und die Trainingseinheiten nach und nach abbauen kann, aber das braucht Zeit.

Haben Sie den Rücktrittsentscheid jemals bereut?

Nein. Ich glaube, das ist ein Prozess, den ich verarbeiten muss wie jeder andere, der etwas Neues im Leben anfängt. Man muss sich der jeweiligen Situation anpassen.

Hand aufs Herz: Vermissen Sie nicht ab und zu den Medienrummel und die Hektik des Skirennsports?

Eigentlich weniger. Ich habe zwischendurch auch mal wieder eine Anfrage für einen Medienauftritt. Das reicht mir vollkommen aus. Während meiner Zeit als aktive Rennläuferin war der Rummel gross. Nach meinem Rücktritt ging das öffentliche Interesse zurück. Daran muss man sich erst mal gewöhnen. Zeitweise war ich froh, dass ich in Ruhe gelassen wurde. Andererseits ist es wichtig, dass man sich wieder in der Öffentlichkeit präsentieren kann. Dadurch bleibt ein gewisser Marktwert erhalten.

Wie schwer war es für Sie, vom Rampenlicht in den unscheinbaren Hintergrund als Mutter und Hausfrau zu treten?

Das war für mich kein eigentliches Problem. Ich war immer bodenständig und bin es auch während meiner Skikarriere geblieben. Durch meinen Beruf bin ich ins Rampenlicht gekommen und jetzt habe ich diese Zeit hinter mir. Als Hausfrau und Mutter hat man andere Probleme und Sorgen, aber das steht nicht im Zusammenhang mit meiner Sportlerkarriere.

Sie haben zwei Söhne, möchten Sie noch weitere Kinder?

Momentan nehmen mich meine Kinder sehr intensiv in Anspruch. Daher will ich im Moment kein drittes Kind. Aber irgendwann ist das vielleicht schon wieder ein Thema, wenn meine Söhne ein bisschen selbstständiger geworden sind.

Wie empfinden Sie die Rolle als Mutter?

Die Mutterrolle ist sehr erfüllend, kann aber auch sehr belastend sein. Auch die nervliche Anspannung ist zum Teil sehr gross. Auch die Erziehung will gelernt sein und führt oftmals zu einer Konfliktsituation. Mutter sein ist manchmal ganz schön anstrengend. Wenn die Kleinen aber auf mich zugelaufen kommen und ihre Händchen ausstrecken, ist alles schnell wieder vergessen.

Widmen Sie sich allein der Erziehung Ihrer Kinder oder teilen Sie sich diese Aufgabe mit Ihrem Mann?

Mein Mann Armin hat einen sehr zeitintensiven Job als Radrennmanager. Trotzdem findet er zwischendurch Zeit, sich auch um die Erziehung seiner Söhne zu kümmern. Ich finde, auch ein Vater muss seine Aufgabe wahrnehmen. Wir sprechen uns jeweils untereinander ab und kümmern uns gemeinsam um das Wohl und die Erziehung unserer Kinder.

Sind Sie mit der Mutterrolle hundertprozentig ausgelastet oder finden Sie noch Zeit, anderen Tätigkeiten nachzukommen?

Körperlich bin ich fast den ganzen Tag über ausgelastet. Aber der Geist will mehr. Darum habe ich jetzt eine Managementschule angefangen. Das bringt mir einen gewissen Ausgleich. Ich treibe zwar regelmässig Sport, aber für die geistige Beweglichkeit reicht das nicht aus. Seit einem Monat besuche ich jetzt diese Schule in Luzern. Ich möchte später wieder teilweise in den Berufsalltag einsteigen.

Kommen Sie noch dazu, im Winter Ski zu fahren?

Eigentlich sehr viel. Ich werde zu vielen Kundenanlässen eingeladen oder bekomme Anfragen, um mit ehemaligen Ausrüsterfirmen verschiedene Promotionseinsätze zu fahren. Dazu gebe ich zwischendurch auch Carvingkurse.

Haben Ihre Kinder auch schon die ersten Fahrversuche auf Skiern hinter sich?

Ja, diesen Winter ist Jonathan zum erstenmal auf den Ski gestanden. Auch den kleinen Ivan habe ich schon im Huckepack mitgenommen.

Würden Sie Ihre Kinder unterstützen, wenn Sie eine sportliche Laufbahn einschlagen wollen?

In erster Linie müssen sie das selber entscheiden. Momentan ist das für mich noch sehr weit weg. Der Spitzensport nimmt einem die Chance auf eine gute Ausbildung. Aber wenn es soweit wäre, würde man sicher mithelfen.


 

 

      
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